Nach 15 Jahren auf See: Tausende Quietsche-Enten nehmen Kurs auf England

29.000 Plastiktiere auf hoher See: Eine Frachterladung Badewannen-Spielzeug treibt seit 15 Jahren mit der Strömung über die Weltmeere. Diesen Sommer erwarten Experten einige der Plastikenten an der englischen Küste – auf glückliche Finder wartet eine Belohnung.

Wenn die gelben Enten, blauen Schildkröten und grünen Frösche aus Plastik sprechen könnten, würden sie Unglaubliches berichten: von dem Sturz ins Wasser vom Containerschiff, der Trennung von den Artgenossen durch Strömungen, vom Eis in Alaska. Von Pazifik und Atlantik, brüllender Hitze und haushohen Wellen. Statt einer von Spiel und Spaß geprägten Existenz in den Baby-Badewannen der USA wartete auf die in China gefertigten "Friendly Floatees" eine 15-jährige Odyssee - die ausdauerndsten Exemplare legten dabei fast 17.000 Meilen (27.000 Kilometer) auf dem Meer zurück, wie die britische "Times" berichtet.

Doch von vorne: Im Januar 1992 verlor ein Frachter aus Hongkong auf seiner Reise nach Tacoma im US-Staat Washington im Ostpazifik einige Container mit insgesamt knapp 29.000 Spielzeugtieren. Die Behälter öffneten sich, und die Plastikobjekte schwammen fortan auf den Weltmeeren dorthin, wo die Strömung sie hintrieb, und verteilten sich in verschiedene Richtungen.

Zwei Drittel der "Floatees" trieben nach Süden, einige Exemplare wurden in Australien, Indonesien und Südamerika gefunden. Etwa 10.000 der Figuren gelangten in nördlicher Richtung durch das Beringmeer in Richtung Alaska, wo einige im Eis festfroren und andere strandeten. Im Jahr 2000, acht Jahre nach dem Unglück, wurden einige Plastikenten im Nordatlantik zwischen Maine und Massachusetts gesichtet. Durch die Firmenaufschrift "Frist Years Inc." waren sie eindeutig zu identifizieren, obwohl Sonne und Meer die Oberfläche gebleicht hatten.

Inzwischen hatte die Planschtier-Armada nicht nur zwei Autoren zu Kinderbüchern inspiriert, sondern auch das Interesse von Meeresforschern geweckt. Durch Entenfunde konnten Wissenschaftler Aufschlüsse über Klimawandel und Meeresströmungen gewinnen. Experten rechnen damit, dass der Kunststoff mindestens 100 Jahre im Meer überstehen wird.

Im Jahr 2003 wurde eine Plastikente auf den Hebriden im Nordwesten Schottlands gefunden, jetzt sagen Ozeanforscher voraus, dass sie diesen Sommer in England, im Süden Irlands oder im Westen Schottlands angespült werden könnten. "Cornwall und der Südwesten Englands werden vermutlich die erste Welle abkriegen", sagte Ozeanforscher Curtis Ebbesmeyer, der sich seit Jahren mit den Reisewegen der "Friendly Floatees" beschäftigt, der englischen "Daily Mail". Wenn die ersten Enten und Frösche an britischen Strände auftauchen, könnte das einen wahren Goldrausch auslösen – der Hersteller hat für jedes gefundene Tier einen Finderlohn von 50 Pfund ausgesetzt.

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