Nach der WM Reiseveranstalter locken mit Schnäppchen

Auf den Fußball folgen die Ferien: Nach dem WM-Finale am Sonntag erwarten die deutschen Reiseveranstalter einen Ansturm auf Last-Minute-Angebote. Für viele beliebte Ziele gibt es noch Schnäppchen-Offerten. Die Lieblingsinsel der Deutschen ist dagegen schon fast überbucht.


Berlin/Mainz- Rund drei Wochen lang war Deutschland ein Meer in Schwarz-Rot-Gold. Doch das Ende der Fußball-WM ist nahe, und nach Einschätzung von Reiseveranstaltern werden viele Bundesbürger bald wieder andere Flaggen zu Gesicht bekommen wollen: türkische zum Beispiel, griechische oder spanische. Die Veranstalter erwarten einen deutlichen Anstieg der Buchungszahlen in der Zeit nach der WM. Komplett ausgebucht ist bisher noch kein beliebtes Zielgebiet - vor allem in der Türkei und in Ägypten gibt es noch eine große Auswahl.

Nach dem Finale in die Sonne: Für viele beliebte Urlaubsziele gibt es noch Billig-Angebote
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Nach dem Finale in die Sonne: Für viele beliebte Urlaubsziele gibt es noch Billig-Angebote

"In den ersten beiden WM-Wochen war die Nachfrage verhalten", sagt Markus Faller, Vorstand beim Last-Minute-Spezialisten L'tur in Baden-Baden. Dierk Berlinghoff, Flugreisen-Chef bei Jahn Reisen, ITS und Tjaereborg in Köln, spricht sogar von einer "paralysierten Nachfrage" während der WM. Doch die Experten sind überzeugt: Da hat sich ein "Nachfragestau" gebildet, der sich nun wieder auflöst. "Die Hoteliers warten auf das Ende der WM", sagt Angela Winter von FTI in München.

"In der vergangenen Woche haben die Buchungen schon angezogen, nach dem Finale wird es einen Boom geben", erwartet Faller. Denn trotz des guten Wetters in der Heimat und der Tatsache, dass viel Geld auf den WM-Fanmeilen ausgegeben wurde, verzichteten die Deutschen nicht so gerne auf den Urlaub. "Es wird jetzt noch viele Buchungen geben", sagt auch Sibylle Zeuch vom Deutschen Reiseverband (DRV) in Berlin.

Der Nachholbedarf sei aber nicht ganz so groß wie sonst nach einer Fußball-WM, beobachtet Karl Born, Ex-TUI-Vorstand und Touristik-Professor an der Hochschule Harz in Wernigerode: "Viele Urlauber sind bereits im Juni gereist und haben die preisreduzierten Angebote der Veranstalter genutzt." Für die Monate Juli und August seien daher viele beliebte Ziele "im Moment noch ziemlich flau gebucht."

"Beim Ziel flexibel sein"

Vor allem gelte das für die Türkei. "Die ist so schlecht gebucht, da wird es sensationell günstige Angebote geben", erwartet Born. "Es wird günstige Angebote regnen", ist auch Dierk Berlinghoff überzeugt. Wer der Meinung ist, dass die Türkei für ihn grundsätzlich in Frage kommt, sollte daher noch ein bisschen warten, rät Born. Bei großen Kataloganbietern wie TUI seien aber "keine gigantischen Preisreduzierungen zu erwarten", sagt TUI-Sprecher Robin Zimmermann in Hannover. "Die Türkei-Preise sind ja schon einmal runter gegangen."

Anders könnte es bei reinen Last-Minute-Anbietern aussehen. Dort liegen die Kurzfristpreise bei stark gefragten Zielen meist um 10 Prozent unter vergleichbaren Katalogangeboten, bei weniger gefragten Urlaubsregionen um 30 Prozent, erklärt Asger Schubert von Bucher Last Minute, einer Marke der Thomas Cook AG. Zu den weniger gebuchten Zielen gehöre auch Ägypten. Das Land am Nil ziehe - anders als die Türkei - auch bei Last-Minute-Gästen wenig Interesse auf sich.

Viele volle Hotels gibt es dagegen beim Renner Nummer eins der Saison 2006: auf Mallorca. "Ausgebucht ist die Insel nicht, aber zu den Ferienterminen wird es in den 1-A-Lagen eng", sagt TUI-Sprecher Zimmermann. Dass es dabei in einzelnen Hotels zu Überbuchungen kommt und Mallorca-Touristen in anderen Häusern einquartiert werden müssen, hält Born zumindest für denkbar. Wer jetzt oder direkt nach dem WM-Finale ins Reisebüro geht, sei aber nicht zwingend ein Last-Minute-Reisender. "Viele Buchungen wird es jetzt auch für den September und den Oktober geben", ist sich Zimmermann sicher.

Alle, die kurzfristig in die Ferne aufbrechen möchten, sollten aber nicht mit felsenfesten Vorstellungen ins Reisebüro gehen. "Beim Ziel, beim Abflughafen und beim Hotel sollte man flexibel sein", rät DRV-Sprecherin Zeuch. Sinnvoll könne es sein, auf einen Abflughafen in einem anderen Bundesland auszuweichen, sagt Asger Schubert: Sind dort noch keine Ferien, könne das die Reise preiswerter machen.

Christian Röwekamp, gms



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