Reiseveranstalter in Nepal "Der Wiederaufbau wird Jahre dauern"

Tausende Tote, die Touristen reisen in Scharen aus: Nepal steht vor den Trümmern, die das Erdbeben hinterließ. Was bedeutet das für den Tourismus im Land? Reiseveranstalter wagen kaum Prognosen - und überbrücken das Warten mit Helfen.

Von

Corbis

Trümmerhaufen, eingestürzte Tempel, Risse in Straßen. Die Bilder aus Nepal lassen das Ausmaß der Zerstörung nur erahnen. Das Erdbeben reißt eines der ärmsten Länder der Welt in Trauer und Verzweiflung. Völlig unklar ist, wie lange es dauern wird, bis relative Normalität einkehren kann. Damit wächst auch die Sorge um den Tourismus.

"Es wird den Tourismus sehr zurückwerfen", sagt Axel Michaels, Leiter der Abteilung Kultur- und Religionsgeschichte Südasiens an der Universität Heidelberg. Tourismus sei die zweitgrößte Einnahmequelle, nach den Jobs der Wanderarbeiter in den Golfstaaten. "Das Land hat nicht viel: Es hat die Natur und die Kultur anzubieten, es hat aber kaum Industrie und lebt ansonsten von der Landwirtschaft und vom Handel. Insofern bedeutet das Wegbrechen dieses Sektors viel."

Der Himalaya-Staat mit seinen gut 30 Millionen Einwohnern zählt zu den 20 ärmsten Ländern der Erde. Rund 800.000 Urlauber kommen laut dem Deutschen Reiseverband (DRV) alljährlich und bringen Geld ins Land, davon rund 20.000 aus Deutschland. Viele zieht die Berglandschaft um Mount Everest und Annapurna an. Andere locken Tempel, Klöster und das Tiefland Terai mit seinen Elefanten, Nashörnern und anderen Tieren.

Keine vorschnellen Entscheidungen

"Von aufschiebbaren Reisen nach Nepal wird vorübergehend abgeraten", warnt das Auswärtige Amt nun. Viele Reiseveranstalter haben nun ihre Touren abgesagt. Wann sie wieder Abenteuerurlauber nach Nepal schicken können, ist unklar. "Wir treffen keine vorschnellen Entscheidungen", sagt Eva Machill-Linnenberg, Pressesprecherin bei Wikinger Reisen.

Der Tourenanbieter aus Hagen war unter den Ersten, die direkt nach dem Erdbeben ihre Kunden zurückgeholt haben. Eine für September geplante Expedition in die entlegene Region Mustang wurde bereits abgesagt. Im Mai wird ein Trekkingexperte des Unternehmens nach Nepal reisen, um sich ein Bild von der Lage vor Ort zu machen. "Erst danach, also im Juni, werden wir überlegen, wann wir neue Touren starten." Das sei frühestens ab Oktober denkbar.

"Wir haben den Everest schon lange im Programm und pflegen gute Kontakte in die Region", sagt Machill-Linneberg. "Nepal braucht den Tourismus, darum ist es uns wichtig, nun an richtiger Stelle zu helfen." Am 9. Mai veranstaltet das Unternehmen einen Wandermarathon, dessen Erlöse einem guten Zweck in der Erdbebenregion zu Gute kommen sollen. "Was genau das sein wird, entscheiden wir ebenfalls, sobald unser Mitarbeiter vor Ort ist."

Auch andere Reiseveranstalter haben Spendenaktionen gestartet für Projekte vor Ort. Studiosus beispielsweise bittet um Unterstützung für eine Schule in einem der ärmsten Viertel von Kathmandu, Weltweitwandern wirbt um Gelder für ein Kinderheim. Der österreichische Anbieter von nachhaltigen Reisen hat alle Nepal-Reisen bis einschließlich Juli abgesagt, seine Herbsttouren aber vorerst im Programm gelassen. "Erst im Mai lässt sich realistisch einschätzen, was mit der Trekkingsaison ab Oktober passiert", sagt Christian Hlade, Gründer und Geschäftsleiter von Weltweitwandern.

"Sie haben Nepal ins Herz geschlossen"

Sein Unternehmen registrierte in den vergangenen Tagen sogar einzelne Buchungen für den Herbst. "Das hat uns sehr erstaunt, so unmittelbar nach dem Erdbeben." Hlade hat Hoffnung, dass Bergsteiger nicht allzu lange von der Katastrophe abgeschreckt sind. "Der Wiederaufbau in Nepal wird Jahre dauern", sagt er, "aber wen es in die Natur zieht, der wird möglichweise schon vorher wiederkommen." Das ist zumindest das, was er sich für das Land wünscht.

Hlade baut auf die emotionale Bindung, die seine Kunden zum Himalaya haben. "Sie haben Nepal ins Herz geschlossen", sagt er. Immer wieder höre er von Bergsteigern, die dort unterwegs waren und starke Beziehungen zu den Menschen pflegen. Hlade sieht darin ein großes Potenzial für den Wiederaufbau.

Sein Ansatz ist, mit vereinten Kräften nachhaltige Projekte in den betroffenen Regionen zu unterstützen. Er steht dafür bereits in Kontakt mit der Alpinschule Innsbruck und anderen Anbietern, um die Hilfe zu koordinieren. "Wir Trekkingveranstalter sitzen an einem langen Hebel", sagt er. "Die emotional mit Nepal verbundenen Menschen, die es für Hilfsaktionen braucht, haben wir in unseren Kundenkarteien."

Spenden sammeln, Informationen austauschen, an morgen und übermorgen denken - auf diese Weise will er sich im Katastrophengebiet engagieren. "Wir müssen alle Kräfte und Mittel sinnvoll einsetzen. Uum Beispiel, indem wir erdbebensicheres Bauen unterstützen."

Mit Material von dpa

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insgesamt 5 Beiträge
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bumbu 29.04.2015
1. Der Nil ist in Afrika
---Zitat--- Andere locken Tempel, Klöster und das Tiefland Terai mit seinen Elefanten, Nilpferden und anderen Tieren. ---Zitatende--- Nilpferde gibt es vielleicht im Zoo von Kathmandu, aber im Tarai leben Rhinocerösser (oder wie die heißen).
minsch 29.04.2015
2.
Wirklich hinsichtlich eines längerfristig Wegbrechens des Tourismus besteht wohl nur beim Kulttourismus: Der Mont Everest ist ja nicht eingestürzt und die anderen Berge auch nicht. Und die Infrastruktur, die für diesen Tourismus notwendig ist, hat man doch relativ schnell wieder repariert. Aber apropos Nepalhilfe: Auch einige besonders bewegte Christen denken an Hilfe; alle vom Erdbeben zerstörte Bibeln werden von Gideon sofort ersetzt. Da kann man nur sagen: Gott sei Dank, für das geistige Wohl der Erdbebenopfer ist gesorgt, was macht es dann, dass die Bibellieferung das einzige ist, was Gideon anbietet, was macht es dann, dass deren Bibellieferung dafür sorgt, dass die Infrastruktur, die dringend für nichtgeistige Hilfe benötigt wird, durch die Lieferung eines Haufens bedruckten Papiers unnötig noch mehr belastet wird. Und ich frage mich langsam, ob Christentum, zumindest in einer bestimmten Form, nicht in Wirklichkeit auch nur eine psychische Erkrankung ist: Hauptsache, Hinduisten und Buddhisten haben genug Bibeln ... man glaubt es nicht, ist aber trotzdem wahr.
hannelore101 29.04.2015
3. Nilpferde..
...leben in vielen Flüssen dieser Welt. Mitnichten nur im Nil. Sie heissen übrigens auch Flusspferde oder Hippopotamus. Ein Rhinozeros (Pl Rhinozerosse) ist ein Nashorn und hat nichts mit dem Hippo gemein. Ausser das beides Säugetiere sind.
barbarausi 29.04.2015
4. Stupa
Gebetsflaggen an einer Stupa Es heißt "der" Stupa! Da gehört wirklich nicht viel Recherche dazu...
loeweneule 30.04.2015
5.
Zitat von barbarausiGebetsflaggen an einer Stupa Es heißt "der" Stupa! Da gehört wirklich nicht viel Recherche dazu...
Sie haben natürlich recht. Allerdings können solche Fehler passieren, wenn man ganz genau zu wissen glaubt, wie etwas heißt und sich daher nicht rückversichert.
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