Neue Bahnpreise Politiker kritisiert Zuschlag als "Strafgebühr"

Wer persönliche Beratung braucht, zahlt drauf - der neue Ticketzuschlag der Deutschen Bahn sorgt für Unmut bei Fahrgästen und Politikern. Für FDP-Chef Guido Westerwelle ist die neue Regelung eine "bürokratische Frechheit".


Berlin - Die von der Deutschen Bahn ab Mitte Dezember geplante Zusatzgebühr beim Kauf von Fahrkarten am Schalter sorgt weiter parteiübergreifend für Unmut. Das Bundesverkehrsministerium lehnt ein Eingreifen allerdings ab. Die Entscheidung, eine Servicepauschale zu erheben, sei eine "unternehmerische Entscheidung der Bahn", sagte eine Sprecherin von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) am Montag in Berlin. Zuvor hatten zahlreiche Politiker die geplante Gebühr scharf kritisiert und zum Teil ein Eingreifen der Bundesregierung gefordert.

Der Kauf am Automaten erspart ab Dezember Gebühren: Politiker kritisieren den Bedienzuschlag der Bahn
REUTERS

Der Kauf am Automaten erspart ab Dezember Gebühren: Politiker kritisieren den Bedienzuschlag der Bahn

Das Ministerium werde "keinen Druck" auf die Bahn ausüben, betonte die Sprecherin. Die Führungsebene der Bahn müsse abwarten, wie das bei den Kunden ankomme und dann möglicherweise Konsequenzen ziehen. Auch die jüngst angekündigten Preiserhöhungen seien eine wirtschaftliche Entscheidung der Bahn, sagte die Sprecherin weiter.

Die Bahn hatte am Freitag eine Preiserhöhung von 3,9 Prozent zum Fahrplanwechsel am 14. Dezember sowie die Einführung eines sogenannten Bedienzuschlags von 2,50 Euro beim Kauf von Fahrkarten am Schalter angekündigt.

Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle forderte die Bundesregierung zum Eingreifen auf. "Eine Bedienungsgebühr bei der Bahn ist eine bürokratische Frechheit", sagte er der "Bild"-Zeitung. Ältere Fahrgäste zum Beispiel, die mit einem Fahrkartenautomaten nicht zurechtkommen, würden abkassiert. "Ich fordere die Bundesregierung als Eigentümervertreter auf, diese Gebühr sofort zu stoppen", sagte Westerwelle. Auch SPD-Generalsekretär Hubertus Heil kritisierte die Extragebühr: "Ich halte das für keine gute Idee", sagte er am Montag in Berlin.

Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Ulrich Kelber, warf Bahnchef Hartmut Mehdorn vor, seine Kunden zu vergraulen. Mehdorn mache einen grundsätzlichen Fehler, sagte Kelber der "Rheinischen Post". Denn er schrecke mit Preiserhöhungen und einem Bedienzuschlag Neukunden ab, statt sie dauerhaft an die Bahn zu binden. Das Unternehmen dürfe Kostensteigerungen nicht einfach weitergeben. "Eine Preispolitik mit Strafgebühren ist nicht nachhaltig", sagte Kelber.

Die Gewerkschaft Transnet nannte die Extragebühr ein "sehr fragwürdiges Signal". Der "personengestützte Verkauf" dürfe "aus unserer Sicht nicht extra kosten", sagte Sprecher Oliver Kaufhold. Er kritisierte, dass die Bahn die Zahl der Reisezentren seit 2003 von 1100 auf 700 herunter gefahren und dort erheblich Personal eingespart habe.

Bereits am Wochenende hatten Vertreter von CDU, SPD, FDP und Grünen die Pläne als dreist kritisiert und der Bahn "Abzocke" vorgeworfen.

Ralf Beunink, ddp/AP



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.