Neue Bahnpreise Zweite-Klasse-Tickets werden um fast vier Prozent teurer

Bahn-Fahrgäste müssen bald deutlich tiefer ins Portemonnaie greifen: Ab Mitte Dezember steigen die Kosten für Tickets in der zweiten Klasse um durchschnittlich 3,9 Prozent. Und: Wer seine Fahrkarte am Schalter kauft, muss eine Extragebühr bezahlen.


Berlin - Bahnchef Hartmut Mehdorn hatte bereits Mitte August eine Erhöhung der Ticketpreise zum Fahrplanwechsel angekündigt - zum Verdruss von Passagieren und Fahrgastverbänden.

Bahnchef Mehdorn: Schlechte Nachrichten für die Kunden
DDP

Bahnchef Mehdorn: Schlechte Nachrichten für die Kunden

Jetzt wurden erstmals die Details genannt: Knapp vier Prozent mehr für Fahrten in der zweiten Klasse müssen Bahngäste künftig bezahlen, gab Bahn-Personenverkehrsvorstand Karl-Friedrich Rausch am Freitag in Berlin bekannt.

Nach seinen Angaben steigen die Preise für die BahnCard im Durchschnitt um 3,6 Prozent. Eine BahnCard 25 in der zweiten Klasse werde dann 57 statt bisher 55 Euro kosten. Beim Kauf von Fernzugtickets, Sparpreis- und Auslandsfahrkarten am Schalter oder per Telefon führt die Bahn zudem einen neuen "Bedienzuschlag" in Höhe von 2,50 Euro ein. Für das Ticketangebot Europa-Spezial müssen Kunden am Schalter künftig fünf Euro mehr zahlen.

Mit der Gebühr solle der flächendeckende Erhalt von mehr als 400 Reisezentren der Bahn in Deutschland gesichert werden. "Da inzwischen knapp 60 Prozent der Fahrkarten im Internet oder am Automaten gekauft werden, ändert sich für die Mehrheit unserer Kunden in Sachen Zuschlagfreiheit also nichts", sagte Rausch. Behinderte Menschen, die besonders auf persönlichen Verkauf angewiesen seien, würden von der Zuschlagpflicht ausgenommen.

Stark gestiegene Personalkosten

Das Schönes-Wochenende-Ticket wird zwei Euro teurer, Ländertickets im Regionalverkehr sollen ab Dezember einen Euro mehr kosten. Zum Fahrplanwechsel am Jahresende will die Bahn ein neues Telefonportal einführen und ihre Internet-Präsenz überarbeiten.

Rausch sagte, die Kombination aus explodierenden Energiepreisen und stark gestiegenen Personalkosten nach den hohen Tarifabschlüssen lasse sich allein mit Effizienzsteigerungen nicht mehr auffangen. Er nannte die Erhöhungen "moderat". Unter dem Strich fielen Kostensteigerungen für Bahnfahrer zudem deutlich geringer aus als für Autofahrer oder Flugreisende.

Schon zuvor hatte Mehdorn darauf hingewiesen, dass zusätzliches Geld für Lärmschutz, Umweltmaßnahmen und Bahnhofssanierungen gebraucht werde.

Vor dem im Herbst geplanten Börsengang hatte die Bahn im ersten Halbjahr 2008 ihren Nettogewinn um 5,4 Prozent auf 915 Millionen Euro gesteigert. Kritiker warfen der Bahn deswegen vor, sich auf Kosten der Kunden für den Börsengang zu polstern.

Zuletzt waren Tickets im Dezember 2007 im Schnitt um 2,9 Prozent teurer geworden.

sto/dpa/AP



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