Kreuzfahrt-Neulinge 2019 Der Trend geht zum Expeditionsschiff

Statt immer größer, werden sie eistauglich und immer luxuriöser: 2019 stellt die Kreuzfahrtbranche eine Reihe an Expeditionsschiffen in Dienst. Insgesamt taufen die Reedereien gleich 21 Neubauten.

Hurtigruten/dpa-tmn

Am Freitagabend wurde an der Meyer Werft in Papenburg ein Feuerwerk für die Kreuzfahrtneuheit des Jahres abgebrannt. Mit der "Aida Nova" wurde das weltweit erste mit Flüssigerdgas (LNG) betriebene Kreuzfahrtschiff der Welt getauft. Bis das 337 Meter lange Riesenschiff die ersten Gäste an Bord nimmt, dauert es aber noch. Erst Mitte November finden die ersten Fahrten statt, die offizielle Jungfernfahrt mit bis zu 6600 Passagieren beginnt am 2. Dezember.

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Taufe der "Aida Nova": 25.000 Besucher - und David Guetta

Auch im kommenden Jahr feiert die Branche eine hohe Zahl an Neulingen - darunter auch weitere umweltfreundlichere Bauten mit LNG- oder Hybrid-Antrieb. Ein Ende des Booms ist noch nicht in Sicht. 2019 sollen 21 Schiffe erstmals in See stechen, davon sind zehn für Expeditionen etwa in die Arktis, Antarktis oder zu den Galapagosinseln gedacht. Eine Übersicht:

LNG-Schiff "Costa Smeralda"
Costa Kreuzfahrten/dpa-tmn

LNG-Schiff "Costa Smeralda"

"Costa Smeralda" und "Costa Venezia" von Costa Crociere: Mit Erdgas ab Hamburg

Costa schickt gleich zwei neue Kreuzfahrtschiffe an den Start. Den Anfang macht die "Costa Venezia" im März. Dabei handelt es sich um ein Schiff für den asiatischen Markt. Die Überführungsfahrt von Venedig nach Tokio ist aber auch für europäische Gäste buchbar. Die "Costa Smeralda" wird das neue Flaggschiff der Reederei in Europa. Das LNG-betriebene Schiff mit mehr als 2600 Kabinen startet am 20. Oktober 2019 zu einer ersten Kreuzfahrt von Hamburg nach Savona.

"Norwegian Encore" von Norwegian Cruise Line: Kartbahn im Wasser

Im November 2019 wird das Schwesterschiff der "Norwegian Bliss", die im Mai in Seattle getauft wurde, fertiggestellt. Die 333 Meter lange "Encore" wird nahezu baugleich sein - und damit wahrscheinlich auch eine spektakuläre Kartbahn bekommen. In der Premierensaison stehen siebentägige Reisen ab Miami in die östliche Karibik auf dem Programm.

"Mein Schiff 2" von TUI Cruises: Zweiter Neubau der Hamburger

Am 9. Februar tauft TUI Cruises seinen nächsten Neubau in Lissabon. Die Taufreise der baugleichen Schwester zur "Mein Schiff 1" startet bereits am 3. Februar in Bremerhaven. Nach ersten Fahrten auf den Kanaren geht es dann für den Sommer ins westliche Mittelmeer. Die neue "Mein Schiff 2" bietet Platz für 2894 Passagiere. Die derzeitige, alte "Mein Schiff 2" wird in "Mein Schiff Herz" umbenannt und bleibt vorerst in der Flotte.

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Kreuzfahrttaufen 2019: Von Arktisschiffen bis Riesenpötte

"Roald Amundsen" von Hurtigruten: Mit Elektroantrieb ins Eis

Eigentlich sollte der Neubau schon 2018 in Dienst gestellt werden. Doch beim Bau gab es Verzögerungen. So wird jetzt mit einem Start 2019 gerechnet. Die "Roald Amundsen" ist das weltweit erste Expeditionsschiff mit Hybrid-Technologie. Für die Passagiere gibt es an Bord unter anderem drei Restaurants, einen Fitness- und Wellnessbereich sowie eine Bar auf dem Oberdeck mit Whirl- und Infinity-Pool. Alle 265 Kabinen liegen außen.

"World Explorer" von Nicko Cruises: Hybrid auch aus Portugal

Bislang ist Nicko Cruises vor allem Flusskreuzfahrt-Urlaubern ein Begriff. Nun steigt das Stuttgarter Unternehmen in den Hochseekreuzfahrtmarkt ein - mit einem Schiff, das maximal 200 Passagiere fasst und sich im Luxussegment positioniert. Zunächst sind fünf Fahrtgebiete geplant: Nordland, Baltikum, Mittelmeer, Westeuropa sowie zwei Transatlantik-Routen. Gebaut wird die "World Explorer" von der portugiesischen West-Sea-Werft. Auf Reisen gehen soll sie im Sommer 2019. Dank Hybrid-Antrieb kann sie teils elektrisch fahren.

"MSC Bellissima" und "MSC Grandiosa" von MSC: Flottenzuwachs bei den Schweizern

Am 2. März wird in Southampton mit der "MSC Bellissima" das zweite Schiff der sogenannten Meraviglia-Klasse getauft. An Bord des 6334 Passagiere fassenden Schiffs gibt es einige Neuerungen. Dazu gehören mit dem "L'Atelier Bistrot" und dem "Market Street" (Street Food) zwei neue Restaurants. Daneben soll es zwei neue Shows des Cirque du Soleil geben. Die "MSC Bellissima" wird außerdem mit einem persönlichen KI-basierten Sprachassistenten ausgestattet, der auf der Kabine Fragen der Passagiere zum Schiffsservice in sieben Sprachen beantworten soll. Ihre große Schwester, "MSC Grandiosa", wird am 9. November in Hamburg getauft. Sie bietet 200 zusätzliche Kabinen. Die "MSC Bellissima" fährt zunächst im westlichen Mittelmeer, bevor es in die Vereinigten Arabischen Emirate geht. Auch die "MSC Grandiosa" fährt zunächst im westlichen Mittelmeer.

"Hanseatic Inspiration" und "Hanseatic nature"
Hapag-Lloyd Cruises/dpa-tmn

"Hanseatic Inspiration" und "Hanseatic nature"

"Hanseatic nature" und "Hanseatic inspiration" von Hapag-Lloyd Cruises: Mehr Expedition

Im April und im Oktober schickt Hapag-Lloyd Cruises die zwei neuen Expeditionskreuzfahrtschiffe auf die Meere. Die baugleichen Schwestern bieten Platz für jeweils 230 Passagiere, bei Antarktisreisen und Spitzbergen-Umrundungen sind es 199 Gäste. Der große Anteil offener Deckfläche ist eine Besonderheit. Auf dem Sonnendeck gibt es zwei ausfahrbare gläserne Balkone, auf dem Vorschiff gelangen die Passagiere bis ganz an die Spitze des Schiffs. Geplant sind neben Reisen in Arktis und Antarktis - die Neubauten verfügen über die höchste Eisklasse für Passagierschiffe - auch Expeditionen auf dem Amazonas, in die chilenischen Fjorde oder in die Großen Seen Nordamerikas. Neben dem Hauptrestaurant und einem Bistro mit Innen- und Außenbereich gibt es jeweils ein Spezialitätenrestaurant: auf der "Hanseatic nature" mit nordamerikanischer Küche, auf der "Hanseatic inspiration" mit japanischem und peruanischem Einschlag.

"Le Bougainville" und "Le Dumont d'Urville" von Ponant: Unter Wasser loungen

Zwei weitere Expeditionsschiffe schickt Ponant 2019 an den Start: Im April die "Le Bougainville", die zunächst im Mittelmeer und dann im Indischen Ozean unterwegs sein wird. Die "Le Dumont d'Urville" folgt im August. Sie kreuzt zunächst in der Ostsee. Beide Schiffe sind baugleich zu den anderen Schiffen der Ponant-Explorers-Serie. Höhepunkt ist eine Unterwasserlounge.

"Viking Jupiter" von Viking: Astronomische Schwestern

Das sechste Hochseekreuzfahrtschiff von Viking wird im Juni 2019 in Oslo getauft - ein Schwesterschiff der fünf Vorgängerinnen wie etwa "Orion" oder "Star". Taufpatin wird die norwegische Sopranistin Sissel Kyrkjebø sein. Danach wird das 47.800-BRZ-Schiff für 930 Passagiere im Mittelmeer und Nordeuropa unterwegs sein.

"Sky Princess" von Princess Cruises: Kino auf Deck

Im Oktober 2019 startet die "Sky Princess" zu ihrer Premierenfahrt im Mittelmeer. Für den folgenden Winter geht es nach Fort Lauderdale. Zu den Höhepunkten an Bord zählen das mehrgeschossige Atrium und ein Open-Air-Kino. Zwei jeweils rund 140 Quadratmeter große Suiten haben direkten Blick auf die Leinwand.

"Carnival Panorama" von Carnival Cruise Line: Wasserspiele für 4000 Badegäste

Das dritte Schiff der Vista-Klasse wird im Dezember 2019 in Dienst gestellt. Die maximal 4008 Passagiere fahren auf Sieben-Nächte-Touren an die mexikanische Riviera ab Los Angeles. Eine besondere Attraktion an Bord ist der Wasserpark "Waterworks".

"Spirit of Discovery" von Saga Cruises: Für Kreuzfahrer ab 50

In der Meyer Werft in Papenburg entsteht derzeit der erste Neubau von Saga Cruises. Auf dem 999 Passagiere fassenden Schiff verfügt jede Kabine über einen Balkon. Die britische Reederei ist auf Serviceleistungen für Gäste ab 50 Jahren spezialisiert.

"Spectrum of the Seas" von Royal Caribbean: Luxussuiten unter sich

Speziell für den asiatischen Markt entworfen ist das erste Schiff der neuen Quantum-Ultra-Klasse der Reederei. Es bietet Platz für 4246 Passagiere und erstmals bei Royal Caribbean einen exklusiven Suiten-Bereich, ähnlich wie auf vielen Schiffen bei MSC oder Norwegian Cruise Line. Gebaut wird die "Spectrum of the Seas" in der Meyer Werft Papenburg. Die geplante Auslieferung ist im April 2019, ab Juni starten die Fahrten in Asien ab Shanghai.

"Celebrity Flora"
Press Center Celebrity Cruises/dpa-tmn

"Celebrity Flora"

"Celebrity Flora" von Celebrity Cruises: Auf einem Winzling zu Leguanen

Ausschließlich für die Erkundung der Galapagosinseln im Pazifik entworfen wurde der Neubau von Celebrity Cruises. Die Jungfernfahrt des 100-Passagiere-Schiffs ist für das Frühjahr geplant.

"Hondius" von Oceanwide Expeditions: Vorträge im Eis

Vor allem in der Arktis und der Antarktis wird der Neubau der niederländischen Reederei Oceanwide Expeditions unterwegs sein. Maximal 174 Passagiere finden an Bord unter anderem ein komplettes Deck, das für Vorträge und Präsentationen zur Verfügung steht.

"Coral Adventurer" von Coral Expeditions: Einmal Ozeanien, bitte!

Ab April 2019 ist dieses neue Expeditionsschiff vor allem rund um Australien unterwegs. Platz bietet es für 120 Passagiere.

"Magellan Explorer" von Antarctica XXI: Per Flugzeug zum Kreuzer

Vor allem in der Antarktis wird das neue Expeditionsschiff zum Einsatz kommen. Besonderheit: Bei achttägigen sogenannten Air Cruises wird den Passagieren die oft unruhige Überfahrt vom Argentinien in die Antarktis erspart. Stattdessen fliegen die Gäste von Punta Arenas in Patagonien nach King George Island. Die Maximalkapazität des Schiffs von 100 Passagieren wird nie ausgeschöpft: Mehr als 69 Passagiere sollen nicht an Bord sein.

Im Video: Boombranche Kreuzfahrten

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Michael Zehender, dpa/abl

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Gluehweintrinker 01.09.2018
1. Cruise-Bashing in 3, 2, 1...
Nanu, noch gar nichts zu lesen von wegen "Schwimmende Plattenbauten" oder "Müllverbrennungsanlagen zur See"? Vielleicht ist es auch so, dass den Cruise Bashern langsam die Argumente ausgehen, denn erstens werden immer mehr saubere Schiffe gebaut, mit Hybrid- oder LNG-Antrieb und zweitens sehen wir am kommenden Jahr, dass Kreuzfahrt auch jenseits des Massenmarktes Exquisites zu bieten hat, allerdings auch für einen gut gefüllten Geldbeutel.
e.pudles 01.09.2018
2. Für mich unverständlich
wie man Urlaub auf einem solchen Schiff machen kann, dass über 6000 Passagiere aufnimmt. Wenn man sich so Berichte im TV ansieht, über die Riesendampfer, kommt man nicht aus dem staunen. Irgendwie erinnern mich diese Bilder an die Vorweihnachtszeit in den Innenstädten wo das grosse Gedränge für die letzten Einkäufe stattfindet. Die Speisesäle haben fast die Grösse eines Fussballfeldes und man wird im Akkord abgefertigt. Persönlich wohne ich in der Agglomeration einer Kleinstadt und tue mir dann so etwas nicht an im Urlaub quasi in eine Grosstadt zu fahren. In den guten alten Zeiten als die Schiffe so zwischen 300 und 700 Passagiere hatten war es noch ein Vergnügen eine Seereise zu machen. Okay vielleicht ist heute der Komfort besser und die Möglichkeiten sich zu vergnügen. Aber ich brauche keine Wasserrutsche und ganz zu schweigen eine Kart Bahn. Aber jedem Tierchen sein plaisierchen
rudi_ralala 01.09.2018
3.
Zitat von e.pudleswie man Urlaub auf einem solchen Schiff machen kann, dass über 6000 Passagiere aufnimmt. Wenn man sich so Berichte im TV ansieht, über die Riesendampfer, kommt man nicht aus dem staunen. Irgendwie erinnern mich diese Bilder an die Vorweihnachtszeit in den Innenstädten wo das grosse Gedränge für die letzten Einkäufe stattfindet. Die Speisesäle haben fast die Grösse eines Fussballfeldes und man wird im Akkord abgefertigt. Persönlich wohne ich in der Agglomeration einer Kleinstadt und tue mir dann so etwas nicht an im Urlaub quasi in eine Grosstadt zu fahren. In den guten alten Zeiten als die Schiffe so zwischen 300 und 700 Passagiere hatten war es noch ein Vergnügen eine Seereise zu machen. Okay vielleicht ist heute der Komfort besser und die Möglichkeiten sich zu vergnügen. Aber ich brauche keine Wasserrutsche und ganz zu schweigen eine Kart Bahn. Aber jedem Tierchen sein plaisierchen
Wenn man etwas von der Seefahrt mitbekommen will, bucht man auf einem Frachtschiff mit Gästekabinen. Das ist vielleicht nicht ganz so billig wie bei Carnival oder Costa, dafür lehrreicher und interessanter. Sie haben Recht, statt sich auf einen diesen Megapötte einzumieten, sollte man lieber den Weihnachstsmarkt besuchen. Nach dem dritten Glühwein, kann man sich locker das Meer ringsherum vorstellen.
raoul2 01.09.2018
4. Vor der Diskussion um
Hybrid- oder LNG-Antrieb, Expeditions-Touren oder gar super-teuren Suite-only-Fahrten habe ich mir eine 2-Wochen-Überführungs-Cruise von den Kanarischen Inseln bis Salvador in Brasilien gegönnt - allein (aber nicht einsam) in der Balkon-Suite für etwa 270 Euro all-in; also inkl. Essen (okay) und Trinken (yup) und Shows (naja) usw. - für die gesamte Transatlantik-Tour (nicht etwa pro Nacht). Ich hab' diese Entschleunigung wirklich genossen (kein W-Lan, Telefon und nur wenige TV-Filme), nachdem ich diese Chance nach den ersten Tagen mit Entzugs-Erscheinungen endlich begriffen hatte - und würde es sofort wieder machen. Am liebsten zu zweit (aber beide in eigener Suite). Aber das kommt wohl nie wieder ...
giostamm11 01.09.2018
5. interessant
wie der absolute Branchenleader der Werften, Fincantieri, bei SPON praktisch nie erwähnt wird. Ob bei der Übernahme der Werften von St. Nazaire oder eben auch hier. Zwar werden die Namen der Schiffe erwähnt aber nicht, dass diese von der italienischen Fincantieri kommen.
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