Neues TUI-Cruises-Schiff "Ich bin das Thema Rußpartikelfilter leid"

TUI Cruises tauft am Freitag ihren Neubau "Mein Schiff 1" und hat gerade ein weiteres Schwesterschiff bestellt. Umweltmanagerin Lucienne Damm erklärt, warum sie nicht mit dem umweltfreundlicheren Flüssigerdgas betrieben werden.

TUI Cruises

Ein Interview von


  • Rene Supper / TUI Cruises
    Lucienne Damm, 35, ist Diplom-Politologin und seit 2011 Umweltmanagerin bei der Hamburger Reederei TUI Cruises. Zuvor hat sie bei der Umweltorganisation Nabu (Naturschutzbund Deutschland) gearbeitet.

SPIEGEL ONLINE: Frau Damm, Aida Cruises nimmt in diesem Jahr ihr erstes durch Flüssigerdgas (LNG) angetriebenes Schiff in Betrieb, auch andere Kreuzfahrtreedereien haben LNG-Schiffe bestellt. Warum bleiben Sie beim herkömmlichen Sprit, der umweltschädlicher ist?

Damm: Das hat zwei Gründe: Zum einen halten wir das, was wir jetzt schon mit unserem Abgasreinigungssystem machen, für technisch hervorragend. Zum anderen wird die "Mein Schiff 7", die wir gerade für 2023 geordert haben, ein Schwesterschiff der neuen "Mein Schiff 1" und "Mein Schiff 2" sein. Ein einziges LNG-Schiff in einer Flotte von sechs anderen Neubauten zu betreiben, wäre sehr aufwendig. Für uns macht das operativ und logistisch zurzeit keinen Sinn.

  • TUI Cruises / TMN
    TUI Cruises tauft am 11. Mai die neue "Mein Schiff 1" am Rande des Hamburger Hafengeburtstages. Der Neubau ersetzt die alte "Mein Schiff 1", die ab Mai 2018 unter dem Namen "Marella Explorer" für Marella Cruises unterwegs ist. Das von der Meyer Werft Turku gebaute Schiff ist mit 316 Metern 20 Meter länger und ein Deck höher als die vier bisherigen Neubauten von TUI Cruises und kann bis zu 2894 Passagiere beherbergen. Schadstoffe in den Abgasen werden mit Hilfe einer Entschwefelunganlage (Scrubber) und Katalysatoren reduziert.

SPIEGEL ONLINE: Aber auch Royal Caribbean Cruises, die an dem Joint Venture TUI Cruises beteiligt ist, hat bereits LNG-Schiffe geordert. Gibt es keine konzernweiten Kooperationen?

Damm: Doch. Aber auch Royal Caribbean hat noch kein LNG-Schiff in Betrieb, bisher gibt es nur Entwürfe. Und alles, was den operativen Schiffsbetrieb betrifft, machen wir bei TUI Cruises zum größten Teil selber. Genehmigungen in jedem einzelnen Hafen für die Tankprozedur einzuholen und die Infrastruktur wie etwa Verträge mit LNG-Lieferanten nur für ein Schiff aufzubauen, wäre eine Herausforderung. Daher haben wir uns entschieden, die Baureihe mit der "Mein Schiff 7" so fortzusetzen.

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Rundgang über "Mein Schiff 1": Vom Bug bis zum Diamanten

SPIEGEL ONLINE: Wie reinigen Sie die Abgase auf der neuen "Mein Schiff 1", die am Freitag getauft wird?

Damm: Mit einer Entschwefelungsanlage, dem sogenannten Hybrid-Scrubber, und mit Katalysatoren, die die Stickoxide reduzieren. Auf dem neuen Schiff können wir länger in dem umweltfreundlicheren geschlossenen Modus des Scrubbers fahren und benötigen weniger Waschwasser und Chemikalien für die Reinigung. Zudem haben jetzt alle Hilfs- und Hauptmaschinen Katalysatoren statt wie zuvor nur die kleinen Motoren.

SPIEGEL ONLINE: Der Einsatz von LNG würde das Problem mit den Rußpartikeln in den Abgasen lösen, die stark gesundheitsgefährdend sind. Wie verfahren Sie?

Damm: Unsere Entschwefelungsanlage reduziert auch den Partikelausstoß insgesamt um bis zu 60 Prozent, und auch bei den ultrafeinen Partikeln gibt es deutliche Minderungen. Deren Messung ist aber technisch noch eine Herausforderung. Da arbeiten wir mit einem Institut zusammen, das perspektivisch bei uns an Bord messen wird.

TUI Cruises

SPIEGEL ONLINE: Der Naturschutzbund (Nabu), bei dem Sie früher gearbeitet haben, fordert immer wieder den Einbau von Rußpartikelfiltern. Warum setzen Sie die Technik nicht ein?

Damm: Bisher wurde noch nicht einmal ein Prototyp für ein Kreuzfahrtschiff entwickelt, obwohl wir das immer wieder bei Werft und Maschinenherstellern angefordert haben. Damit solche Anlagen in ein Schiff passen, wäre ein großer Entwicklungsaufwand nötig - bei den Herstellern nicht gerade populär. Wenn der allgemeine Trend bei den Neubauten jetzt in Richtung LNG geht, wird meiner Einschätzung nach die Forschung an diesen Filtern noch weiter zurückgeschraubt.

SPIEGEL ONLINE: Die Entwicklung der Rußpartikelfilter scheint also technisch schwierig. Sind sie aber vielleicht einfach nur zu teuer?

Damm: Die Investitionskosten wären nicht das größte Problem. Aber bisher konnte uns noch kein Hersteller die Kosten für den laufenden Betrieb nennen. Ich bin das Thema auch etwas leid - ich würde mir eine vorwärtsgerichtete Diskussion wünschen. Zum Beispiel, wie man alte Schiffe auf LNG umrüsten kann - wie es gerade Hurtigruten plant. Das finde ich interessanter, als eine Technik nachzurüsten, die sich noch nie im Betrieb beweisen konnte.

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TUI Cruises und Co.: Umwelttechnik auf Kreuzfahrtschiffen

SPIEGEL ONLINE: Abgesehen von LNG - was wären denn noch Antriebe der Zukunft für Kreuzfahrtschiffe?

Damm: Gasförmige Treibstoffe sind spannend. Wir Ökos wollen natürlich perspektivisch weg von fossilen Brennstoffen. Auch beim jetzigen LNG muss man genau hinschauen, wo das herkommt - Stichwort Fracking. Das wurde meiner Meinung nach bisher noch nicht ausreichend diskutiert. Der nächste Schritt ist also: Wie kann man aus erneuerbaren Energien Treibstoff so herstellen, dass er an Bord genutzt werden kann und CO2-neutral ist. Interessant sind auch Wasserstoff-Brennstoffzellen. Das wäre bei großen Kreuzfahrtschiffen aber immer nur eine Zusatztechnologie, die nicht den vollen Antrieb leisten kann.

SPIEGEL ONLINE: Brennstoffzellen sind also Zukunftsmusik?

Damm: Naja, Royal Caribbean wird auf ihren angekündigten LNG-Schiffe voraussichtlich weiter mit der Brennstoffzelle forschen - wie bisher schon auf Schiffen der Oasis-Klase. Hurtigruten setzt Hybridschiffe ein, auch eine Technik, die man aus dem Automobilbereich kennt. Das ist ja immer spannend: Eine Reederei ist im Kleinen ein Vorreiter und bringt eine neue Technik in den maritimen Bereich - dann kann der Knoten schnell mal platzen.

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neutron76 11.05.2018
1. Erdgas ist schade für Schiffe.
Klingt ganz nett so einen Pott mit LNG bzw. Erdgas zu betreiben, aber ein Kreuzfahrt ist gigantische Energieverschwendung. Dafür dann noch Treibstoffe zu verwenden, die eher begrenzt vorhanden sind und mit wenig Aufwand schadstoffarm verbrennen, ist fast schon ein Verbrechen. Erdgas ist ein wertvoller Rohstoff, auch für die chemische Industrie, den verheizt man nicht tonnenweise um im Kreuzfahrtschiff eine Klimaanlage zu betreiben. Die sollen bitte weiter Schweröl nehmen.
sven2016 11.05.2018
2.
"Wir Ökos" sagt Dame. Nett. Umweltfreundliche Kreuzfahrten? Schwieriges Konstrukt. Aber wenn man sich selber lobt ....
Romiman 11.05.2018
3. Unding
Ist doch ein Unding, dass die selbst bei ganz neuen Schiffen weiter so halbherzig Umweltschutztechnologien einsetzen dürfen während beim (insbes. Diesel-) PKW so ein Geschiss gemacht wird...
watch15 11.05.2018
4. Alles klar!
Ein gutes Interview von SPON bei dem klar wird was raus kommt, wenn eine Politologin zur knallharten Lobbyistin wird ... Geschwurbel. Kein Wort dazu, wieviel Tonnen Feinstaub das Schiff im Jahr hinausbläst und mit der sinngemäßen Aussage ... die Anderen machens ja auch ... wird das Thema abgehakt. Nicht zu vergessen, dass solch ein Schiff mindestens 30-40 Jahre auf unseren Meeren unterwegs sein wird und dabei seinen Dreck hinausblasen wird. Spätere Umstellung auf Gasantrieb? .... ja wie denn ... mal schnell eine neue Maschine eingebaut? Alles Schönrederei. Auch keine Aussage der Dame, ob das Schiff nur Marinediesel oder auch Schweröl mit verheizt. Aber was auch immer ... ich schätze, dass das Schiff (verglichen mit anderen seiner Größenklasse) mindestens 800 Tonnen fossile Treibstoffe im Monat verheizt. Da können sich alle Kreuzfahrer glücklich schätzen, daß sie was Gutes für unsere Umwelt tun. Aber das ist ja nur auf dem Meer ... da fällts wegen der sauberen Luft ja gar nicht auf.
HolmWolln 11.05.2018
5. Frau Damm jongliert auf ihr fremdem Terrain
Ein Auftraggeber, der in seinen Auschreibungsanforderungen ob anstehender Milliardenaufträge für einige Kreuzfahrtschiffe von seine Zulieferern eine moderne, saubere Umweltschonende Filter-Technologie bzw. Antriebstechnologie fordert, wird auch dementsprechende Angebote erhalten. Ob Diese dann mit den in dieser Branche üblichen Dumpingpreise wirtschaftlich sind, bezweifle dann auch ich. Das liegt dann aber weniger an dem Fehlen von umweltschonenden Technologien, sondern an den Auflagen die den Krediten für diese neuen Schiffe zugrunde liegen. Preisgefüge, Ausslastung, Personalkosten, Liegegebühren, Umweltabgaben etc sind auf den Cent pro Stunde in die Kalkulation für die Anleger bzw Kreditgeber eingespeist. Wer hier neue Wege beschreiten will, riskiert den geschäftlichen Supergau, wenn die Konkurenten den neuen, erst einmal wohl kostenintensveren Weg nicht mitgehen. Dies als ein Beispiel von den in diesem Interview zahlreich auftretenden Wissens- oder Ehrlichkeitsdiskrepanzen.
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