Neuer Fahrplan Bahn erschwert Fahrrad-Mitnahme in Fernzügen

Bahn & Bike – umweltfreundlicher geht Reisen kaum. Doch die Bahn hält nicht, was ihr Slogan verspricht. Mit dem Fahrplanwechsel am Sonntag wird die Fahrradmitnahme in Zügen schwieriger: Das Unternehmen setzt mehr schnelle ICE ein, in denen es keine Rad-Stellplätze gibt.


Bremen/Berlin- Die Möglichkeiten zur Fahrradmitnahme im Fernverkehr der Deutschen Bahn werden nach Angaben des Radfahrerclubs ADFC weiter reduziert. Mit dem Fahrplanwechsel am kommenden Sonntag sinke erneut die Zahl der Intercity-Verbindungen (IC), in deren Waggons Stellplätze für Räder vorhanden sind. Auf diesen Strecken seien künftig mehr ICE unterwegs, in denen es solche Plätze nicht gibt.

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GMS

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Als Beispiele nannte der ADFC in Bremen unter anderem die bisherigen IC-Verbindungen vom Ruhrgebiet und von Berlin nach München sowie die Eurocity-Strecke über Passau nach Österreich.

Einzelne Städte würden ganz vom IC-Verkehr "abgehängt", darunter Hof, Jena, Görlitz, Chemnitz, Cuxhaven, Aachen, Siegen und Ingolstadt. Nur vereinzelt kämen neue IC-Verbindungen hinzu, darunter zum Beispiel zwischen Karlsruhe und München sowie zwischen Dresden und Stralsund.

Auch international gebe es zunehmend schlechtere Bedingungen für deutsche Radurlauber, die per Bahn reisen wollen, da inzwischen sechs Nachbarländer tagsüber vor allem mit ICE-Zügen angesteuert werden.

ICE werden nicht für Radmitnahme geöffnet

Bahn-Sprecher Achim Stauß in Berlin bestätigte, dass sich "das Gewicht im Fernverkehr weiter in Richtung ICE verschoben hat". Zugleich verwies er auf die vielen Möglichkeiten zur Fahrradmitnahme im Nah- und Regionalverkehr sowie darauf, dass die Bahn die Wünsche vieler Kundengruppen gegeneinander abwägen müsse. So wollten viele Bahnreisende zum Beispiel keine längeren ICE-Haltezeiten in den Bahnhöfen, wie sie für die Verladung von Fahrrädern notwendig wären.

Fahrrad-Abstellmöglichkeiten in den ICE würden auch zu Lasten von Sitzplätzen gehen, und zwar in einer zweistelligen Zahl pro Zug. Dies sei für ein reines Saisongeschäft nicht vertretbar "und würde bei 250 ICE-Zügen auch einen zweistelligen Millionenbetrag kosten", sagte Stauß. Pläne, den ICE - wie vom ADFC gefordert - für die Fahrradmitnahme zu öffnen, gebe es bei der Deutschen Bahn daher nicht.

Nach ADFC-Angaben ist die Zahl der im Fernverkehr transportierten Fahrräder bei der Bahn seit Mitte der neunziger Jahre von mehr als 500.000 auf zuletzt 250.000 gesunken. Stauß verwies dagegen auf die Zahl von insgesamt 1,5 Millionen Fahrrad-Reservierungen von Bahnkunden pro Jahr. Ein Großteil davon kommt im Nah- und Regionalverkehr zustande.

abl/dpa



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