Neuguinea: Pornografie-Gesetz soll Penisköcher verbieten

Traditionsmode unter Pornografieverdacht: Muslimische Abgeordnete wollen Penisköcher im indonesischen Teil von Neuguinea verbieten. Die praktische Umsetzung könnte jedoch problematisch werden - weil manche der Betroffenen nicht über moderne Kommunikationsmittel verfügen.

Kurulu - Suroba trägt nichts außer Federn und einem langen, spitzen Rohr in der Leistengegend. Nach eigener Schätzung ist der Stammesangehörige 60 bis 70 Jahre alt. Er lebt in Papua im abgelegenen Gebirgstal Baliem, das bis nach dem Zweiten Weltkrieg keinen Kontakt mit der Außenwelt hatte.

Hier ist das Tragen des Penisfutterals, der Koteka, eine alte Tradition. Nun will das Parlament im 3500 Kilometer entfernten Jakarta diesen Brauch der indonesischen Provinz auf Neuguinea abschaffen. Doch Suroba will sich von der indonesischen Regierung nicht dazu zwingen lassen, Unterhosen zu tragen.

Bedroht werden die Koteka und ähnliche Bräuche von einem neuen Anti-Pornografie-Gesetz, das das von muslimischen Abgeordneten dominierte Parlament im Oktober verabschiedet hat. Es stellt Werke und "Körperbewegungen" unter Strafe, die als obszön erachtet werden und die öffentliche Moral gefährden könnten. Nach jahrelanger Debatte wurde es gegen den erbitterten Widerstand der Opposition von islamischen Parteien durchgefochten.

Suroba erinnert sich noch an die siebziger Jahre, als die Regierung in Jakarta schon einmal eine Kampagne gegen das Penisrohr startete. Es war ein totaler Fehlschlag: "Damals haben wir unsere traditionelle Kleidung getragen, und wir tragen sie auch heute noch", sagt der Ureinwohner stolz.

Tausende demonstrierten gegen Gesetzesänderung

Die Gegner des neuen Gesetzes betonen, es fasse die Definition von Pornografie zu weit und könne regionale Kulturen bedrohen - neben der Koteka beispielsweise phallische Totempfähle in Papua, Aktskulpturen an den Tempeln der mehrheitlich von Hindus bewohnten Insel Bali oder traditionelle Tänze. Zwar sind Ausnahmen zum Schutz regionaler Kulturen vorgesehen, aber diese sind nach Ansicht der Betroffenen zu vage formuliert. In Bali gingen deshalb bereits Tausende Demonstranten auf die Straße.

"Das Anti-Pornografie-Gesetz ist definitiv eine Bedrohung, weil es gegen unsere kulturellen Werte arbeitet", sagt Lemok Mabel, Mitglied des örtlichen Brauchtumsrats in Papua. "Es wird bestimmt Widerstand geben. Es verletzt die Rechte der Ureinwohner." Sein Kollege Dominikus Sorabut weist darauf hin, dass die Dörfer im Hochland von Papua, wo moderne Kommunikationsmittel rar sind und das Bildungsniveau niedrig, noch gar nichts von dem Gesetz wissen. "Das Konfliktpotential ist groß", warnt er.

Das Bergland von Papua ist eine Hochburg antiindonesischer Bestrebungen. Viele Papuaner betrachten die Herrschaft Jakartas über das Gebiet im Westen der Insel Neuguinea als Besatzung. Hier sorgt allein die Vorstellung für Unmut, dass Druck von außen zur Aufgabe der Bräuche zwingen könnte. Ohnehin kommt es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen den Tausenden in den Wäldern stationierten indonesischen Soldaten und der Bevölkerung. Journalisten wird nur selten und nur in Begleitung des indonesischen Geheimdienstes Zugang gewährt.

Nach Einschätzung des zuständigen Polizeichefs Abdul Asis wird das Gesetz kaum durchgesetzt werden: "Es ist unwahrscheinlich, dass wir das Gesetz umsetzen, weil die Leute hier noch sehr ursprünglich sind. Für sie hat das Penisfutteral keinen pornografischen Charakter, sondern ist einfach Kleidung."

Die Oppositionsabgeordnete Eva Sundari fürchtet hingegen, dass islamische Hardliner mit Hilfe der Rechtsvorschrift nun als Moralpolizei auftreten könnten. Eine viel kritisierte Klausel erlaubt nämlich Zivilisten die Durchsetzung "öffentlichen Anstands". "Das Ziel dieses Gesetzes ist, als legaler Deckmantel für die Durchsetzung der Scharia zu wirken", warnt Sundari.

Viele glauben, das Gesetz habe Bande zerstört, die den Vielvölkerstaat Indonesien bisher zusammenhielten. "Das Gesetz hat schon jetzt das Gefühl der Zusammengehörigkeit zerstört", glaubt Sundari.

Aubrey Belford, AFP

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