Zu viele Urlauber Neuseeland führt Touristensteuer ein

Neuseeland könnte bald so viele Touristen haben wie Einwohner. Die Inselbewohner fürchten die Auswirkungen auf Infrastruktur und Umwelt. Mit einer Touristensteuer will die Regierung nun die Besucherströme regulieren.

Mount Cook auf der Südinsel Neuseelands
AFP

Mount Cook auf der Südinsel Neuseelands


Neuseeland steht für sagenhafte Landschaften und ist durch seine überschaubare Größe ein angenehm zu bereisendes Land. Für viele ist der Inselstaat am anderen Ende der Welt ein Sehnsuchtsziel. Für sehr viele. In den vergangenen drei Jahren ist der Tourismussektor des Landes um etwa 30 Prozent gewachsen.

Was gut für die Wirtschaft ist, ist nicht unbedingt gut für Natur und Infrastruktur: Einheimische beschweren sich über einst verlassene Wanderwege, die nun von Menschen übervölkert und vermüllt sind. Die Regierung reagiert nun auf die schwelende Debatte und will künftig eine Touristensteuer für internationale Gäste erheben.

35 neuseeländische Dollar (umgerechnet rund 21 Euro) sollen Urlauber ab Mitte kommenden Jahres bei der Einreise zahlen. Die neuseeländische Regierung erwartet, dass dabei rund 57 bis 80 Millionen Neuseeland-Dollar (34 bis 48 Millionen Euro) pro Jahr zusammenkommen, die in Infrastruktur und Naturschutz investiert werden sollen.

"Es ist nur fair, dass Touristen einen kleinen Beitrag leisten, damit wir ihnen die entsprechende Infrastruktur bieten und die Landschaften, an denen sie sich erfreuen, bewahren können", sagte Tourismusminister Kelvin Davis in einer Mitteilung.

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Neuseeland: Wandern am anderen Ende der Welt

Aus Neuseelands Nachbarland Australien kommen jährlich die meisten Touristen auf die Insel. Auf sie solle die neue Steuer jedoch nicht entfallen, hieß es. Dafür auf die anderen Länder, aus denen viele Touristen nach Neuseeland kommen: China, die USA oder das Vereinigte Königreich. Deutschland stellt mit rund 100.000 Gästen die sechstgrößte Besuchergruppe. Die Steuer soll automatisch bei der Beantragung des Visums erhoben werden.

Immer neue Rekordzahlen an Touristen haben das Land mit rund 4,5 Millionen Einwohnern in den vergangenen vier Jahren unter Druck gesetzt: Rund 3,8 Millionen internationale Urlauber besuchten das Land im vergangenen Jahr. 2022 soll die Zahl Prognosen zufolge die 4,5-Millionen-Marke erreichen - ebenso viele Menschen, wie das Land Einwohner hat.

kry/Reuters

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PaulchenGB 15.06.2018
1. Wenn Vermüllung das Problem ist, sollte neben der Touristensteuer
(in BRD gibt es ja z.B. die KURTAXE) eine Strafe für den "Umweltsünder", der inflagranti erwischt bzw. ermittelt wird, verhängt werden. Kaugummi und Zigarettenkippen auf den Strassen, einfach ekelig.
DerBlicker 15.06.2018
2. geht nicht
Deutsche brauchen kein Visum für Neuseeland, also zahlen sie auch keine Einreisesteuer. Außerdem ist die Begründung Quatsch. Jeder, der in Neuseeland unterwegs ist, ob Fremder oder Neuseeländer nutzt die Infrastruktur, also muss man beide gleich belasten, das geht am einfachsten über eine Erhöhung der Verbrauchssteuern auf touristische Dienstleistungen und den Verkehr. In Neuseeland ist Diesel mit 70 Cent /Liter extrem billig, da könnte die Regierung mal ordentlich die Steuern erhöhen, wenn sie wirklich an die Umwelt denken möchte.
ich_sach_ja_nur 15.06.2018
3. Tja ...
@DerBlicker: auch Deutsche brauchen ein Visum - aber eben keines, das man vorher beantragen muss, sondern das Touristenvisum, das man bei Einreise in den Pass gestempelt bekommt. Und dabei werden dann wohl in Zukunft die 35 Öcken fällig. Naja, blöd, aber auch nicht so dramatisch.
Hans58 15.06.2018
4.
Zitat von DerBlickerDeutsche brauchen kein Visum für Neuseeland, also zahlen sie auch keine Einreisesteuer. Außerdem ist die Begründung Quatsch. Jeder, der in Neuseeland unterwegs ist, ob Fremder oder Neuseeländer nutzt die Infrastruktur, also muss man beide gleich belasten, das geht am einfachsten über eine Erhöhung der Verbrauchssteuern auf touristische Dienstleistungen und den Verkehr. In Neuseeland ist Diesel mit 70 Cent /Liter extrem billig, da könnte die Regierung mal ordentlich die Steuern erhöhen, wenn sie wirklich an die Umwelt denken möchte.
Vor der Einreise (am besten im Flugzeug) füllt man eine Ankunftskarte aus (Arrival Card), und bekommt dann als deutscher Staatsbürger einen Einreisestempel in den Pass, vorausgesetzt, man bleibt nicht länger als drei Monate im Land. Zwischen Deutschland und Neuseeland besteht ein "Visa Waiver Agreement". Kurtaxe zahlen übrigens in Deutschland auch nicht die Bewohner von Orten, die diese Taxe erheben. Insofern ist auch die Touristensteuer kein Quatsch. Außerdem zahlen die "Kiwis" auch Steuern, von denen u.a. auch die Infrastruktur profitiert. Bezeichnend ist natürlich der Vorschlag, Treibstoffpreise anzuheben und damit einem Staat zusagen, was er tunlichst machen soll. Wie können andere Staaten nur überleben, ohne deutsche Vorschläge....
salomon17 15.06.2018
5. Eine verständliche Maßnahme
In Deutschland ist die Kurtaxe eine völlig normale Einnahmequelle geworden. Es ist wichtig, der Bevölkerung in Touristengebieten einen Gegenwert für das zu bieten, was sie für den Tourismus aufbringen müssen - und das sollte sichtbar und nachweisbar sein. Tourismus ist schön für die Reisenden, aber er hat eben auch oft Nachteile für die Einheimischen. Das abzufangen ist eine kluge Maßnahme.
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