Bus und Bahn Niederlande schaffen Papierfahrkarten ab

Papier ist out, Chipkarte ist angesagt: Die Niederlande stellen als erstes Land weltweit ihr öffentliches Verkehrsnetz auf ein elektronisches Bezahlsystem um. Auch in London kommt man beim Busfahren mit Bargeld nicht mehr weit.

DPA

Amsterdam - In der Nacht zu Mittwoch zogen Sammler in den Niederlanden die letzten Papierfahrkarten aus den Automaten. Denn das Land hat nach 175 Jahren die gedruckten Tickets für den gesamten öffentlichen Verkehr abgeschafft. Das Eisenbahnmuseum hatte für die allerletzte Fahrkarte 250 Euro versprochen.

Seit Mittwoch können Reisende nur noch mit einer Chipkarte Bus, Bahn und Zug benutzen. Damit sind die Niederlande nach einer Studie der Technischen Universität Delft das erste Land der Welt, das sein gesamtes öffentliches Verkehrsnetz auf ein einziges elektronisches Bezahlsystem umstellte. Vergleichbare Systeme gibt es demnach zwar auch in London und Hongkong, doch mit der landesweiten Gültigkeit für alle Verkehrmittel sei das niederländische System einzigartig.

Die meisten Niederländer reisen bereits seit gut zwei Jahren mit der sogenannten OV-Chipkaart. Nun müssen sich nach Angaben der Bahn noch rund 2,5 Millionen Reisende, also auch Touristen, umstellen. Vor Antritt der Fahrt müssen auf der Karte mindestens 20 Euro geladen sein. Einzeltickets gibt es an Automaten für einen Mehrpreis von einem Euro.

Nur noch bargeldlos in Londoner Bussen

Auch die Londoner und ihre Touristen müssen sich umstellen, denn dort verkehren die Busse seit Sonntag bargeldlos. Wer ohne ein vorher bezahltes Ticket oder den inzwischen weitverbreiteten elektronischen Fahrausweis Oyster Card einsteigt, kann nur noch hoffen, dass der Fahrer ein Auge zudrückt. Nach Angaben des Betreibers Transport for London (TfL) dürften Touristen kaum in eine peinliche Lage kommen. Die große Mehrheit der London-Besucher nutze ohnehin die Visitor Oyster oder andere Mehrfachkarten.

TfL will mit der Neuerung jährlich 24 Millionen Pfund (30 Millionen Euro) einsparen, die in die Verbesserung des Netzwerks gesteckt werden sollen. Statistiken zeigen, dass nur noch 0,7 Prozent aller Fahrten bar bezahlt werden - verglichen mit 25 Prozent vor zehn Jahren.

Die Partei der Grünen im Londoner Stadtparlament sieht allerdings Probleme voraus: Im Schnitt werden täglich 2115 Oyster Cards als verloren, gestohlen oder funktionsunfähig gemeldet. Die Frage, ob und wie davon Betroffene reisen dürften, sei ungelöst. "Unsere Busfahrer haben neue Richtlinien über den Umgang mit Reisenden, die Hilfe brauchen", sagte TfL dazu.

abl/dpa

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penie 09.07.2014
1. Zwei-Komma-eins-eins-fünf?
Hat sich immer noch nicht herumgesprochen, dass angelsächsische Länder einen Dezimalpunkt benutzen, aber ein Komma, um 1000er zu markieren? Und dass es in Deutschland gerade umgekehrt ist?
abby_thur 09.07.2014
2. iLike
Zitat von sysopPapier ist out, Chipkarte ist angesagt: Die Niederlande stellt als erstes Land weltweit sein öffentliches Verkehrsnetz auf ein elektronisches Bezahlsystem um. Auch in London kommt man mit Bargeld nicht mehr weit. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/niederlande-schafft-papierfahrkarten-fuer-bus-und-bahn-ab-a-980088.html
Gefällt mir. Ich buche meine Fahrscheine auch nur noch via Smartphone - und zwar nur dann, wenn ich einen Fahrkartenkontrolleur einsteigen sehe.
Senf-Dazugeberin 09.07.2014
3. Alte Leute
Damit sind alte Leute oder Menschen, die z.B. Lernschwächen haben und so grade eben noch mit Bargeld klarkommen, vom alltäglichen Leben an vielen Stellen ausgenommen. Schöne neue Welt, die auf nichts und niemanden mehr Rücksicht nimmt.
k-boot 09.07.2014
4. Überwachung (nächste Stufe)
Wenn man sich auf der englischsprachigen OV-Seite umsieht, steht dort ein Punkt "View your journeys and charges" (Login erforderlich). Es wird also registriert, wer wann von wo nach wo gefahren ist, ergo wer wann wo war. Dieser Datenschatz war bislang meinem Mobilfunkanbieter vorbehalten - und geht niemanden was an. Ich hatte die Niederlande für ein liberales Land gehalten, weswegen mich diese Weltpremiere dort etwas stutzig macht. Selbstverständlich werden die Daten bestimmt nur dann offiziell ausgewertet, wenn es um Schwerstkriminalität geht, hofft man. Man muß m.E. nicht alles umsetzen, was technisch möglich ist, das war schon bei Pandoras Büchse und dem Zauberlehrling so.
angelauf 09.07.2014
5. Lächerlich spiegel, wie immer.
Als erstes dieser Welt? Extremst der Witz. Das gibts in Japan schon seit Jahren, z.B die NIMOCA Card welche Kreditkarte mit Fahrkarte verbindet. Oder Shenzhentong in China, Octopus Card in Hong Kong. Euch nimmt doch keiner mehr ernst hier, kann jeder Sonderschüler nen Spiegelartikel verfassen oder was?
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