Hofman-Kunstwerk in London Riesen-Nilpferd badet in der Themse

Die überdimensionale Ente in Hongkong. Das meterhohe Kätzchen in Peking. Und jetzt? Der Künstler Florentijn Hofman lässt auf der Themse ein 24 Meter langes Nilpferd schwimmen. Die Londoner sind begeistert von "Hippopo Thames".

Von


Eine Riesenente im Hafen von Hongkong, ein gigantischer, sonnenbadender Hase in Taiwan, ein meterhohes Kätzchen in Pink - Florentijn Hofman hat eine Vorliebe für Gegensätze. Die Spezialität des Künstlers sind Objekte, die in Originalgröße oft possierlich sind, in der Version des Niederländers aber mitunter bedrohlich erscheinen. Sein neues Werk ist ein Nilpferd.

Die 24 Meter lange Skulptur hat Hofman für das Festival Totally Thames in London entworfen. Das Fest will einen Monat lang die Themse feiern, die auf einer Länge von mehr als 67 Kilometern durch die britische Hauptstadt fließt. Mehr als hundert Veranstaltungen sind bis Ende September angekündigt. Die größte Attraktion aber wird wohl Hofmans "Hippopo Thames" sein - was aber ausdrücklich mehr als ein Nilpferd ist, sagt der Künstler.

"Ich kreiere keine Tiere, sondern Abstraktionen von Spielzeugen", sagt der 37-Jährige. "Und manchmal sind das eben auch Tiere." Das halbversunkene Nilpferd am Flussufer von South Bank ist dann auch keine Nachbildung aus der Natur, sondern einer Illustration aus einem Kinderbuch von Hofmans Tochter nachempfunden. "So ein quietschiges Buch aus Plastik, in China produziert", sagt Hofman. Ein Massenprodukt wie die anderen Objekte, die ihn zuvor schon zu Werken inspirierten.

Doch es gibt auch eine Verbindung zu London: Vor hunderttausend Jahren waren Nilpferde tatsächlich noch in dieser Gegend und an anderen Orten in Europa heimisch. Damals war das Wetter in England allerdings noch etwas besser als heute - und vor allem wärmer. Ein Vortrag am 9. September gibt als Begleitprogramm Einblick in die Geschichte des Flusses.

Ein Nilpferd in London und ein Hase in Taiwan

Fotostrecke

13  Bilder
Kunst von Florentijn Hofman: Riesentiere erobern die Welt
Sechs Wochen hat das Errichten der Holzkonstruktion gedauert, die noch bis zum 28. September zu sehen sein wird. Was der Bau gekostet hat, will Hofman nicht verraten. Unbezahlbar aber scheinen für ihn die Reaktionen zu sein, die er am Dienstag beobachten konnte, als das Nilpferd an seinen Bestimmungsort gezogen wurde - unter all den Brücken hindurch, derentwegen er sich an eine Höhenbeschränkung von sechs Metern halten musste.

"Es war unglaublich", sagt Hofman. Von überall her seien die Menschen ans Ufer geströmt, um einen Blick auf die Skulptur zu erhaschen, alle hätten geguckt, diskutiert und Fotos gemacht. Das sei auch das, was er mit all seinen Werken erreichen wollte: Kommunikation. Und tatsächlich sei die Reaktion auf seine Werke überall ähnlich. "Nur in Europa fragen immer alle zuerst, was das gekostet hat."

Hofman zeigt seine Arbeiten in vielen Ländern. Parallel zum Nilpferd in London ist derzeit ein großer weißer Hase in Taoyuan in Taiwan zu sehen, der lächelnd auf einem Hügel liegt - in Anlehnung an den sagenumwobenen Mondhasen. In China war zuletzt das große Kätzchen zu sehen, aus Bambus gefertigt. "Ich verstreue meine Spielzeuge überall auf der Welt", sagt Hofman. Die bislang bekannteste Skulptur des Niederländers ist seine "Rubber Duck", besagte Riesengummiente, die er erstmals 2007 aufs Wasser setzte und die seitdem unter anderem in Australien, Japan, Brasilien und den USA umherschwamm.

Vielleicht geht das Nilpferd so wie die Ente später auf Reisen

Das Besondere an dem bis zu 26 Meter Quietscheentchen sei seine Toleranz, führt der Künstler selbst in einer Art Produktbeschreibung aus: Sie kenne keine Grenzen, diskriminiere keine Menschen und habe keine politische Bedeutung. "Die freundliche, schwimmende Gummiente hat heilende Fähigkeiten: Sie kann weltweit herrschende Spannungen mindern, genau wie sie diese zu bestimmen vermag. Die Gummiente ist weich, freundlich und passend für jedes Alter."

Das dürfte auch für das große Nilpferd gelten. Ob es irgendwann auch mal auf Reisen geht? Der Künstler schließt das zumindest nicht aus - "man kann bei Nilpferden nie wissen, was sie als Nächstes machen oder wo sie auftauchen", sagt er. Und zumindest eine Panne kann ihm bei diesem Tierchen nicht passieren: Schon mehrmals ist einem Exemplar seiner freundlichen Ente beim Schwimmen die Luft ausgegangen, einmal, in Taiwan, ist eines gar geplatzt.

Doch auch in diesem platten Zustand hat die Ente stets geschafft, was Hofman sich auch von "Hippopo Thames" erhofft. Seine Botschaft laute: "Come and play!", sagt er. Kommt und spielt. "Ich möchte die Menschen dazu bringen, niederzuknien. So wie früher als Kind, wo man fantasierte und staunte, wo noch alles möglich zu sein schien. Das vergessen wir im Alltag oft." Sein Nilpferd zu übersehen, dürfte zumindest schwierig sein.

Mehr zum Thema
Newsletter
Die schönsten Reiseziele: Nah und Fern


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
heavenstown 03.09.2014
1. Kunst???
Was hat das mit Kunst zu tun?
m.w.r. 04.09.2014
2. ?
Zitat von heavenstownWas hat das mit Kunst zu tun?
Was hat es nicht mit Kunst zu tun?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.