Non fumare Italienische Züge sind ab sofort rauchfreie Zonen

Von der "Libertà di non fumare" - der Freiheit, nicht zu rauchen - will die italienische Bahngesellschaft Trenitalia ihre Kunden überzeugen und verbietet ab sofort den Tabakgenuss in allen ihren Zügen. Damit wird Italien, das ansonsten oft wie eine einzige Raucherzone wirkt, zum Vorreiter in Europa.


Kippe bleibt aus: Italienische Raucher sollen statt in Zügen auf dem Bahnsteig qualmen
AFP

Kippe bleibt aus: Italienische Raucher sollen statt in Zügen auf dem Bahnsteig qualmen

Rom - Für Raucher begannen gestern schwere Zeiten im Fernverkehr der italienischen Bahn. Nach dem im April vergangenen Jahres eingeführten Rauchverbot in Regional- und Nachtzügen darf jetzt auch in Intercity- und Eurostar-Zügen nicht mehr geraucht werden.

Die Bahngesellschaft Trenitalia wirbt bei ihren jährlich mehr als 450 Millionen rauchenden Kunden für die "Libertà di non fumare", die Freiheit, nicht zu rauchen. Mit dieser Entscheidung reagiere die Bahn auf Wünsche von Fahrgästen, erklärt Trenitalia-Sprecher Vincenzo Sacca. Eine Studie habe ergeben, dass sieben Prozent der Kunden häufiger mit der Bahn fahren würden, wenn das Rauchen nicht mehr erlaubt wäre. "Also haben wir uns überlegt, das Verbot auch auf die ES und IC zu erweitern."

Die 130 Eurostar- (ES) und 18 neuen Intercity-Züge (IC) verbinden mehr als 160 Städte von Trient bis Agrigent. Gesundheitsminister Girolamo Sirchia plante, die Reisenden am Montag höchstpersönlich in einer Durchsage darauf aufmerksam zu machen, dass nicht mehr geraucht werden darf. Aber halten sich die Fahrgäste an das Verbot? Immerhin beträgt die Strafe, falls man erwischt wird, nur sieben Euro. "Sicher ist die Strafe sehr niedrig", räumt Sacca ein. "Aber es geht uns nicht darum, die Raucher zu kriminalisieren, sondern sie zur Mitarbeit zu bewegen." Diese Methode habe bisher sehr viel Erfolg gehabt. Die Fahrgäste seien sehr verständnisvoll.

So gibt es dem Bahnsprecher zufolge in den Regionalzügen keine übervollen Toiletten, wo es nach Rauch stinkt und die Kippen achtlos auf den Boden geworfen werden. Die Fahrgäste könnten ja auch während der Haltezeiten immer noch auf den Bahnhöfen rauchen. "Ein Zug ist kein Flugzeug, wo man acht Stunden lang gefangen ist", erklärt Sacca. "Für die Strecke Rom - Mailand braucht der Eurostar viereinhalb Stunden, nach 90 Minuten hält er für zehn Minuten am Bahnhof von Florenz, danach für fünf Minuten in Bologna. Die Raucher steigen aus und rauchen auf dem Bahnhof."

"Raucher nehmen auch die Strafe in Kauf"

Weniger begeistert klingen rauchende Bahnfahrer. "So lange das Verbot nur in den Regionalzügen gegolten hat, war ich damit einverstanden", sagt der 48-jährige Kettenraucher Pietro Antonini. "Das Rauchverbot jetzt auch in IC und ES einzuführen, ist übertrieben." Schließlich sei die Fahrtzeit oft viel zu lang. Pietro empfand es bereits als Zumutung, dass die Raucher in zwei Abteilen der ES- und IC-Züge zusammengepfercht wurden. Auch die Münchener Erasmus-Studentin Valentina von Pippich ist skeptisch. Die Raucherin vermutet, dass ein striktes Rauchverbot zu Aggressionen in den Zügen führen kann. "Acht Stunden lang nicht rauchen? Die Leute werden doch verrückt!", schimpft die 23-Jährige. "Raucher sind Genussmenschen. Wenn sie rauchen wollen, nehmen sie auch die Strafe in Kauf."

Von Alexandra Barone, AP



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