Nordic Walking: Gesunder Gang am Stock

Nordic Walking sieht ein wenig aus wie Skifahren ohne Schnee und Bretter. Mit langen Stöcken in den Händen bahnen sich die Anhänger der Trendsportart im Laufschritt ihren Weg durch die Natur. Das Gehen am Stock wird in Deutschland zunehmend beliebter.

Trendsport mit Stöcken: Beim Nordic Walking werden fast 90 Prozent aller Muskeln beansprucht
GMS

Trendsport mit Stöcken: Beim Nordic Walking werden fast 90 Prozent aller Muskeln beansprucht

An der Hamburger Alster sieht man die sportlichen Geher mit den langen Stöcken aus Carbon oder Aluminium immer häufiger, ebenso in den Orten entlang des Rheins. Vorreiter in Sachen Nordic Walking sind allerdings die südlichen Bundesländer. "Da beschäftigt man sich schon länger mit dem Thema", sagt Andreas Körber, Vorstand des deutschen Nordic-Walking-Verbandes in Rosenheim. So liegen die meisten Laufstrecken auch im Süden der Republik.

Den höchst gelegenen Parcours Deutschlands - die so genannte "Nordic High Walking Arena" finden die Anhänger der gesunden Trendsportart in Reit im Winkl. Hoch oben auf der Winklmoosalm, im Winter beliebtes Ziel alpiner Skifahrer, gibt es eine fünf Kilometer lange, beschilderte Strecke. Durch den Wald geht es vorbei an glücklichen Kühen, die sich von den Wanderern und Walkern nicht stören lassen. Wer sich mit der Technik des Gehens am Stock angefreundet hat, kann in mehr als 1000 Metern Höhe den Blick schweifen lassen - der Weg führt zwischen Dürrnbachhorn und Kammerköhrplatte hindurch, vorbei am Tanzanger und der Mösererstube. Selbst im Sommer sind hier noch die Schnee bedeckten Spitzen der umliegenden Berge zu bewundern.

Das alpine Gehen hat seinen Ursprung bei den Wintersportlern Skandinaviens. Weil die Langläufer und Biathleten im Sommer nicht auf Skiern trainieren können, simulieren sie mit den Stöcken den Bewegungsablauf, der im Winter für sie so wichtig ist. Daher hat auch jeder, der sich schon auf Langlaufskiern versucht hat, keine größeren Probleme mit dem Trocken-Skilaufen.

Vielseitig einsetzbar: Beim Aufwärmen sind die Poles zum Festhalten da
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Vielseitig einsetzbar: Beim Aufwärmen sind die Poles zum Festhalten da

Die Grundausstattung für das Nordic Walking ist übersichtlich: Neben gut gedämpften Lauf- oder leichten Wanderschuhen sind die Stöcke (Poles) am wichtigsten. Als Faustformel für die Stocklänge gilt: Körpergröße mal 0,7 - dann wird in Fünf-Zentimeter-Schritten aufgerundet: 1,25 Meter also bei 1,80 Meter Größe. Eine professionelle Schulung ist beim Nordic Walking Pflicht. Denn einige Besonderheiten sind schon zu beachten bei der Sportart, die 90 Prozent aller Muskeln in Anspruch nimmt.

"Alle Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, in denen das Nordic Walking auf dem Aktivitätenkalender steht, bieten diese Einweisung an", sagt Körber. Zudem bestehe die Möglichkeit, mehrere Stöcke auszuprobieren. In der Aufwärmphase sind die Poles zum Festhalten da. Das erste Problem taucht auf, wenn sie richtig am Handgelenk positioniert werden sollen. Dazu haben sie eine breite Schlaufe, die Halt gibt.

30 Nordic Fitness Parks in Deutschland

"Die Technik kommt mit der Übung, man muss sich an den Bewegungsablauf gewöhnen", sagt Flori, Trainer in Reit im Winkl. Das Mitschwingen des Stocks geht recht einfach. Die Schwierigkeit besteht darin, die Hände bei jedem Schwung nach hinten locker zu lassen und nicht um den Griff aus Kork zu krampfen - sonst machen sich schon nach kurzer Zeit die Handgelenke bemerkbar.

Den ersten Nordic-Fitness-Park Bayerns hat das Örtchen Nesselwang im Allgäu eingerichtet. Genutzt werden bestehende Jogging-, Trimm-dich-, Wander- oder Mountainbike-Strecken. Schilder weisen die verschiedenen Wege, das Höhenprofil und die Gehzeiten aus. Die Farbgebung der Schilder ist die selbe wie auf Skipisten: "Blau ist ein einfacher Kurs, für den man rund eineinhalb Stunden braucht", so Körber. Rote Wege, mittelschwer, schlagen mit etwa zweieinhalb Stunden zu Buche, die schwarzen Wege nehmen dreieinhalb Stunden in Anspruch.

Nesselwang wartet mit fünf Strecken auf, drei davon leicht, zwei schwer. Besonders reizvoll, da sind sich die Geher einig, ist die Panorama-Route über die Kappeler Alm mit dem Blick auf die Allgäuer und Ammergauer Berge. Auf diese schwierige, 7,4 Kilometer lange Route mit rund 550 Metern Höhendifferenz sollten sich allerdings nur geübte Geher machen. Ebenfalls idyllisch gelegen, aber für Anfänger geeignet, ist die Alpspitzbahn-Route um den Attlesee - bei dieser 5,1 Kilometer langen Strecke beträgt die Höhendifferenz nur 38 Meter, steile Anstiege gibt es nicht.

Rund 80 Kilometer östlich, in Bad Tölz, bilden sechs Strecken einen weiteren Nordic-Fitness-Park. Zum Einlaufen ist eine 2,3 Kilometer lange, blaue Route auf dem Wackersberger Plateau ausgeschildert, die anspruchsvollste schwarze Strecke ist 8,6 Kilometer lang und führt auf den Blomberg. Die Streckenverläufe der drei roten, zwei blauen und der schwarzen Tour sind auf Tafeln entlang des Weges abgebildet. Entfernungs- und Richtungsschilder weisen - wie in allen 30 Parks in Deutschland - den Weg.

Von Verena Wolff, gms

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