Notrufsysteme für Taucher Teure Lebensretter

Modernste Sender-Technologie soll dafür sorgen, dass kein Taucher mehr verloren geht, nachdem er vom Tauchgang an die Wasseroberfläche zurückgekehrt ist. Doch die Sicherheit hat ihren Preis – und kaum eine Tauchbasis kann oder will sich die lebensrettende Technologie leisten.


Düsseldorf/Banzin - Es ist der Alptraum vieler Tauchurlauber: Nach einer schwerelosen Stunde zwischen Korallen und Kaiserfischen ist die Leichtigkeit schlagartig dahin. Wo ist das Boot, das einen hierher gebracht hat - zur Steilwand des Außenriffs fernab der Küste? Es ist verschwunden! Die Taucher wurden einfach vergessen oder abgetrieben. Zuletzt wurde dieser Alptraum am 6. Januar im Roten Meer vor Süd-Ägypten Wirklichkeit. Seitdem werden vier Taucher vermisst, einer konnte sich nach Stunden an Land retten.

Auf dem Weg zu den Korallen: Taucher mit Notrufsystem können schneller gefunden werden, wenn sie vom Tauchschiff weg getrieben werden
GMS

Auf dem Weg zu den Korallen: Taucher mit Notrufsystem können schneller gefunden werden, wenn sie vom Tauchschiff weg getrieben werden

Zwei Systeme handlicher Notsender für Taucher sind in den vergangenen Jahren zur Marktreife gebracht worden. Aber sie sind vielen Tauchbasen und den Betreibern der Tauchschiffe zu teuer. Nach Ansicht von Experten nehmen die Anbieter damit aus wirtschaftlichen Gründen in Kauf, dass ihre Kunden beim Tauchen ein hohes Risiko eingehen.

Die Frage, ob Tauchbasen am Roten Meer am falschen Ende sparen, beantwortet Josef Lück mit einem klaren Ja: "Dafür haben die meisten Basen da unten kein Geld", sagte Lück während der Wassersportmesse "Boot" in Düsseldorf. Lück ist für den deutschen Webauftritt der ägyptischen Tauchbasis zuständig, in deren Obhut sich die verunglückten Taucher befanden. In Ägypten herrsche ein intensiver Preiskampf, "auch die großen Basen haben hart zu knabbern". In den vergangenen Jahren seien viele kleine Tauchcenter dazugekommen, die sich "gegenseitig die Preise um die Ohren hauen".

Preiskampf zerstreut Sicherheitsbedenken

Rund 15.000 Euro müsste ein Tauchunternehmen auf den Tisch legen, um 20 Taucher mit dem Notfunkbojensystem des US-Herstellers ACR Electronics auszurüsten. "Der Einzelpreis für den ACR Aquafix 406 mit GPS-Navigation liegt bei 799 Euro", sagt der Fachhändler Dietrich Klemann aus Banzin (Mecklenburg-Vorpommern), der Sicherheits- und Überlebensausrüstungen vertreibt. Die Aquafix-Variante ohne Global Positioning System (GPS) koste 629 Euro. Dazu komme noch der Preis für eine wasserdichte Kapsel. "Das Gerät wurde eigentlich für Segler entwickelt und ist nur bis ein Meter Wassertiefe zugelassen."

Schaltet ein Taucher die Funkboje ein, bestimmt sie mit Hilfe des Satelliten ihre Position und sendet diese auf der internationalen Notfunkfrequenz 406 Megahertz zusammen mit einem Hilferuf.

Ein Notsendersystem speziell für Taucher hat der Ingenieur Karl Hansmann aus Rösrath bei Köln entwickelt. Das Elektronische Notruf- und Ortungssystem (Enos) besteht aus zwei Einheiten - einem Empfänger, der sich an Bord des Tauchschiffes befindet, und den wasserdichten Sendern für die Taucher. Im Unterschied zur Notfunkboje wird hier das Tauchschiff vom Sender direkt angefunkt.

Die Besatzung erfährt somit die genaue Position des Tauchers und kann diesen binnen Minuten aus dem Wasser fischen. Die Sender sind wasserdicht bis 100 Meter. Über seine Firma Searaq vertreibt Hansmann das System auch selbst. Ein Komplettpaket für eine Tauchbasis mit 20 Sendern für die Taucher kostet nach Angaben von Hansmann ebenfalls rund 15.000 Euro. Reißenden Absatz gab es bei Hansmann und Klemann bisher nicht. Der jüngste Unfall könnte das ändern. "Reges Interesse ist da", sagte Hansmann am Stand seiner Firma auf der "Boot".

Unterstützung erhält das Enos-System vom Verband Deutscher Sporttaucher (VDST). Dessen Präsident Prof. Franz Brümmer ist aus Rücksicht auf die wirtschaftlich eingeschränkten Möglichkeiten aber dagegen, Notfunksysteme zwingend vorzuschreiben. Brümmer hofft, dass der Markt dies regelt: "Die Basen, die das haben, nutzen das als Alleinstellungsmerkmal. Soweit ich weiß, hat sich das auch für sie gelohnt", sagt Brümmer. "Ob man das aber für die großen Schiffe, die weit raus fahren, verbindlich macht, ist noch eine andere Frage."

Arnd Petry, gms



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