Österreich Hotel am Wolfgangsee spricht Kinderverbot aus

Im Hotel Cortisen am österreichischen Wolfgangsee sind Kinder unter zwölf Jahren nicht erwünscht. Politiker und Tourismusverbände reagieren empört - von Kunden erfährt der Vier-Sterne-Hotelier überwiegend positive Reaktionen.

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Wien - Ein Vier-Sterne-Hotel mit 76 Betten am österreichischen Wolfgangsee wird ab Mai nächsten Jahres keine Kinder mehr beherbergen - und löst einen Sturm der Entrüstung in der Politik und bei Tourismusverbänden aus. "Ich habe zwei, drei Jahre darüber nachgedacht, ob ich das machen kann", sagte Roland Ballner, Chef des Hotels Cortisen, zu SPIEGEL ONLINE, "und folge damit auch dem Wunsch von vielen Gästen."

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Der 38-jährige Hotelier will mit der Entscheidung, keine Gäste unter zwölf Jahren mehr aufzunehmen, in Oberösterreich eine Nische besetzen: "Es gibt wahnsinnig tolle Familien- und Kinderhotels im Salzkammergut", sein Hotel sei eben nicht auf Familien ausgerichtet. Es gebe keine Spielecke, keinen Sandstrand, obwohl das Haus am See liegt. Daher habe er beschlossen, nachdem er fast zehn Jahre lang sukzessive 2,5 Millionen Euro in die Renovierung gesteckt habe, dass sein Hotel kinderfrei werden soll. Die neue Hauspolitik richte sich nicht gegen Kinder: "Ich bin kein Kinderschreck." Eher gegen die Eltern, die sich zu wenig um ihre Sprösslinge kümmern.

In Asien, Südafrika, der Türkei und der Südsee sei das ein alter Hut. Es gebe viel rigidere Vorschriften in manchem Hotels wie eine "strictly non child policy" - und er wundere sich über den Aufruhr, den er mit der Ankündigung ausgelöst habe: Ein Sprecher der Landesregierung von Oberröstereich sprach von einem "schlechten Signal". Er hoffe, dass Erwachsene das Hotel boykottierten. Der Chef des österreichischen Hotelverbandes, Sepp Schellhorn, sagte der "Kronen Zeitung", dass die Gesellschaft immer intoleranter und egoistischer werde.

Im Hotel Cortisen treffen in diesen Tagen Hunderte von E-Mails aus der ganzen Welt ein: "Rund 80 Prozent der E-Mails sind positiv", sagt Ballner. Auch gebe es viele Familien, viele Frauen und Mütter, die die Entscheidung begrüßen. Viele wollten sich in einem Hotel ruhige Tage gönnen und wollen sich mal nicht durch schreiende Kinder im Nebenzimmer gestört fühlen. Hoteliers aus Deutschland und Österreich rufen an und fragen, wie es ihm geht.

In Deutschland sind dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband Dehoga keine Hotels bekannt, in denen Beschränkungen für Kinder ausgesprochen wurden, sagt die Sprecherin Stefanie Heckel SPIEGEL ONLINE. Der Verband würde ein solches Verbot auch nicht begrüßen, im Gegenteil, er setze sich in vorderster Front für Familienfreundlichkeit ein. Kinder auszuschließen sei gesellschaftspolitisch bedenklich, sagt Heckel. Jeder Hotelier könne aber rein rechtlich beherbergen, wen er wolle. Kinderfreie Hotels seien auf keinen Fall ein Trend.

Die Geschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes, Gabriele Wichert, sagte gegenüber dem "Hamburger Abendblatt", das Beispiel zeige, dass es in unserer Gesellschaft eine völlig falsche Einstellung zu Kindern gebe. "Natürlich darf man ihnen nicht alles erlauben, aber sie auszuschließen ist die schlechteste Lösung."

Hotelier Roland Ballner jedenfalls will ab Mai seine Geschäftspolitik strikt verfolgen: Wer dann in seinem Hotel mit Kindern einchecken will, dem wird die Hausordnung erklärt. Dann wird Ballner zum Hörer greifen und die Gäste an eins der anderen 24 familienfreundlichen Vier-Sterne-Hotels am Wolfgangsee vermitteln.



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