Oktoberfeste weltweit Leberkäs mit Basmatireis

Ob China, Brasilien oder die USA: Die ganze Welt feiert das Oktoberfest mit insgesamt etwa 3000 Veranstaltungen. Auch wenn Gemütlichkeit und Dirndl immer dazugehören - in manchen Fällen weichen die Gepflogenheit stark vom Original ab.


München - "O'zapft is", wird der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) am morgigen Samstag wieder verkünden. Doch nicht nur er spricht die Worte, auf die die Menschen sehnsüchtig warten. Überall auf der Welt werden mittlerweile das ganze Jahr über Oktoberfeste mit diesem Satz eröffnet - wenn auch vielleicht nicht in perfektem Bairisch. Rund 3000 Oktoberfeste gebe es, schätzt die Münchner Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl.

In keinem Fall seien die Feste Konkurrenz, da müsse man sich nicht fürchten, sagt Weishäupl. Sie seien vielmehr Werbung für das Original: "Sie tragen den Namen um die Welt." 95 Prozent der Weltbevölkerung kennen nach Angaben der Wiesn-Chefin den Ausdruck "Oktoberfest".

Girlanden für Nachahmer

Die Stadt unterstützt die Nachahmer rund um den Globus. Es gebe viele Anfragen per Post. "Früher haben wir auch Girlanden verschickt, das geht aber nicht mehr. Es nahm überhand", sagt die Wiesn-Chefin. Heute stehe man den Fest-Organisatoren in aller Welt mit Rat zur Seite.

So ist für Brasilianer nach dem Karneval das Oktoberfest die wichtigste Veranstaltung im Festkalender. Auch in Moskau sorgt bayerische Blasmusik für Stimmung, in den USA werden zu dem Anlass die "Gemuetlichkeit Games" ausgetragen, und in China gibt es Leberkäs mit Basmatireis. Das Fest sei wirklich "etwas Völkerverbindendes", sagt die Wiesn-Chefin.

Auch Wiesn-Wirtesprecher Toni Roiderer sieht das Ganze gelassen. "Ich verstehe, dass das einmalige Fest kopiert werden soll, aber wie heißt's so schön: oft kopiert, nie erreicht", sagt Roiderer. Die Festzeltbetreiber der anderen Oktoberfeste bemühten sich aber durchaus, ein hohes Niveau zu bieten. Roiderer spricht aus Erfahrung, denn er hat sich schon viele Feste angeschaut. Wissen sei schließlich Macht, sagt er, und es gebe "dort immer Ideen, die man auch beim Original ausprobieren kann".

Millionen feiern in Brasilien

So weit geht Gabriele Weißhäupl nicht. Nur einmal sei sie auf einem anderen Oktoberfest gewesen. Viele Einladungen aus der ganzen Welt habe sie schon ausgeschlagen. "Ich könnte mich das ganze Jahr beschäftigen, indem ich überall Reden halte. Darin sehe ich aber nicht meine Hauptaufgabe."

Somit blieb es bei einem Besuch 1996 im brasilianischen Blumenau - einer von Deutschen gegründeten Siedlung. Dort findet eine der größten "Wiesn-Kopien" Südamerikas statt. Rund eine Million Gäste feiern dort jährlich in Tracht. "Es ist wie ein großer Discoabend mit Parade in Dirndl und Lederhose. Kein Vergleich mit unserem Fest", sagt Weißhäupl.

Noch exotischer dürfte es demnächst in China zugehen. Dort soll ein Oktoberfest in Planung sein, das rund 20 Millionen Besucher anlocken will. Damit wäre der Titel "größtes Volksfest der Welt" für die originale Wiesn dann dahin. Weißhäupl nimmt's gelassen: "Ob 20 Millionen, zwei Millionen oder 20.000, das kann alles keine Konkurrenz sein. Wir haben das Volksfest überhaupt."

Daniel Krawinkel, ddp



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