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Hotel-Probleme in Sotschi: Hunderte Zimmer sind nicht bezugsfertig

Viele Olympia-Gäste, die bereits am Wochenende anreisten, erlebten in Sotschi eine unangenehme Überraschung. In den Hotels waren die Bauarbeiter noch nicht fertig, die Zimmer teils in schlechtem Zustand. Bis zum Start der Spiele ist noch einiges zu tun.

Sotschi: Baustellen vor dem Olympia-Start Fotos
Getty Images

Sotschi - Baustaub in den Betten, Chaos in den Hotels und überall Schlamm: Am Wochenende machten Meldungen über unfertige Hotelzimmer in der Olympia-Gastgeberstadt Sotschi die Runde.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) versucht zu beruhigen. Die Lage habe sich entspannt, von 24.000 vorgesehenen Zimmern in Sotschi und der Bergregion Krasnaja Poljana seien 97 Prozent bezugsfertig, behauptete IOC-Präsident Thomas Bach am Montag trotz zahlreicher kritischer Berichte von Augenzeugen. "Nur in drei Prozent der Zimmer muss noch etwas gemacht werden." Gilbert Felli, Direktor der Olympischen Spiele im IOC, versprach, bis Mittwoch sei das Problem gelöst. Unterkünfte von Sportlern seien bisher nicht betroffen gewesen.

Bach betonte weiter, das IOC habe sich nach Bekanntwerden der Schwierigkeiten vor allem in der 40 Kilometer von Sotschi entfernten Bergregion ein Bild von den Zuständen der Hotels und Zimmer gemacht. "Alle werden ein qualitativ gutes Zimmer erhalten", versprach der 60-Jährige.

Dreck und Schutt

Die Berichte nur ein, zwei Tage vor dem IOC-Statement zeigen ein anderes Bild. Manche Gäste gerieten nach der Ankunft in absurde Situationen. Sie bekamen, wenn überhaupt, erst nach stundenlanger Warterei ein Zimmer in den Wohnkomplexen zugewiesen, da die von ihnen gebuchten Räumlichkeiten nicht zur Verfügung standen oder aber bereits belegt waren.

Noch am Freitag räumten die Organisatoren des 40-Milliarden-Euro-Spektakels in einer Sitzung der Medienkommission ein, dass nur drei von 20 Hotelkomplexen in der Bergregion fertiggestellt seien. In einer Pressekonferenz am Sonntag machte eine Sprecherin die Rechnung auf, sechs von insgesamt neun Anlagen seien nun bezugsfertig, die letzten drei würden "in Kürze" folgen. Auf ein Datum - schon am Donnerstag laufen Vorkämpfe im Eiskunstlauf, bei den Ski-Freestylern und den Snowboardern - wollte sie sich vorsichtshalber nicht festlegen.

"Insgesamt werden hier 41.000 Zimmer zur Verfügung gestellt, 21.000 davon neu. Das ist eine Menge. Aber es bleibt dabei: Niemand muss auf der Straße schlafen", sagte IOC-Sprecher Mark Adams am Sonntagnachmittag. IOC-Direktor Felli erklärte nach einer Inspektionstour in Krasnaja Poljana, mehrere hundert von den insgesamt 41.000 Zimmern seien entweder noch nicht fertig oder nicht sauber. Allein am Montag wurde die Ankunft von rund 6000 Medienvertretern erwartet.

Das Athletendorf am Schwarzen Meer war von den Bauproblemen nicht betroffen, im Dorf in der Bergregion sollen mittlerweile die letzten Arbeiten beendet worden sein. Über die Unterkünfte am Schwarzen Meer und den Olympic Park mit den Sportstätten für die Eissportarten geraten die deutschen Athleten sogar ins Schwärmen. Die Eisschnellläufer beispielsweise legen die wenigen hundert Meter vom Dorf bis zu ihrer hochmodernen Halle spielend zu Fuß oder mit dem Mountainbike zurück.

Von derartigen Bedingungen können viele Berichterstatter in der Olympia-Stadt nur träumen - auch in der Talregion: offene Kabelstränge, die in Zimmern aus der Wand ragen, Baustaub auf hastig installiertem Interieur und in den Betten, fehlende Einrichtungsgegenstände oder verdreckte, schlecht verlegte Teppichböden. In den Straßen stapeln sich Schutt und Müll, und zu allem Überfluss versanken die Stadt und ihre Baustellen am Wochenende nach Dauerregen auch noch im Schlamm.

sto/dpa/sid

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1. Die olympischen Spiele
bluebill 04.02.2014
sind pervertiert zu einem rein profitorientierten Medienevent. Da werden Austragungsorte festgelegt, die absolut ungeeignet sind, sowohl witterungsbedingt als auch ethisch und logistisch. In Sotschi z.B. wurden Menschen wie Sklaven gehalten, um die ganzen schicken Olympia-Standorte aus dem Boden zu stampfen - aber das hat zeitlich nicht gereicht, vielleicht haben nicht alle durchgehalten. Außerdem muss man sicher noch Arme vertreiben, Elendsviertel abreißen, unliebsame Bewohner einsperren und freilaufende Tiere abschlachten. Hauptsache, man kann den Fernsehzuschauern einen bunten Zirkus bieten - und dafür kassieren.
2. Wieso?
Ausfriedenau 04.02.2014
Zitat von sysopGetty ImagesViele Olympia-Gäste, die bereits am Wochenende anreisten, erlebten in Sotschi eine unangenehme Überraschung. In den Hotels waren die Bauarbeiter noch nicht fertig, die Zimmer teils in schlechtem Zustand. Bis zum Start der Spiele ist noch einiges zu tun. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/olympia-in-sotschi-zimmer-in-hotels-nicht-bezugsfertig-a-950955.html
Warum müssen die Zimmer fertig sein? Der Westen will doch die Putin-Spiele boykottieren, also werden soviel Zimmer gar nicht benötigt. Und wenn sie fertig wären, hätten die Westmedien wieder einen Grund weniger, Sotschi zu kritisieren. Also, Ihr Russland-Hasser, freut Euch, dass alles so miserabel läuft!
3. IOC auflösen
global player 04.02.2014
Zitat von sysopGetty ImagesViele Olympia-Gäste, die bereits am Wochenende anreisten, erlebten in Sotschi eine unangenehme Überraschung. In den Hotels waren die Bauarbeiter noch nicht fertig, die Zimmer teils in schlechtem Zustand. Bis zum Start der Spiele ist noch einiges zu tun. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/olympia-in-sotschi-zimmer-in-hotels-nicht-bezugsfertig-a-950955.html
Thomas Bach weiß offensichtlich gar nicht, von was er redet, wenn seine Äußerungen und die Wirklichkeit so weit auseinanderliegen. Dieser ganze korrupte Verein des IOC mit seinen Lügen und undurchsichtigen Machenschaften müsste aufgelöst werden und durch eine saubere, ehrliche, unbestechliche und die Menschenrechte beachtende Organisation ersetzt werden, die diese Spiele nur an Länder vergibt, die diese auch einhalten. Das wäre für sie ein größerer Ansporn als die Sonntagsreden wohlmeinender Politiker.
4. Spiegel-Propaganda steht in direktem Widerspruch zu den Äußerungen der Sportler über Sotschi
olegb 04.02.2014
Ich kann natürlich nicht für die Besucher sprechen, aber die Sportler sind zumindest sehr zufirden. Wer einigermaßen googeln kann, wird in der Lage sein, herauszufinden, dass Brian Joubert das Gegenteil behauptet, die kanadischen Sportler auch. Ich will hier keine russsichen Links reinpasten, da es sonst, als Putin-Propaganda interpretiert werden könnte. Übrigens werden von vielen Sportlern die kurzen Wege zu den Wettkampfstätten gelobt. Abgesehen davon, die Spiele haben noch nicht angefangen. Das Chaos in Sotschi sollten die PR-Agenten der NSA übrigens genauer erklären. Sonst könnte mir auch einiges zur Fußball-WM in Deutschland einfallen.
5. Rußland-Bashing?
Aguilar 04.02.2014
Die Arbeitsverhältnisse und die Umstände in Sotschi ware doch bekannt. Und ebenso bekannt sind die Umstände in Katar für die Fußball-WM. Sportliche Veranstaltungen sind schon seit Jahren zu kommerziellen Veranstaltungen degeneriert. Interessanterweise kümmern sich Sportler selbst mehr um Ihresgleichen, nicht aber um die Umstände, unter denen die Sportstätten errichtet wurden. Im Übrigen: Wer legt die Hand dafür ins Feuer, daß bei Errichtung oder Renovierung von Sportstätten in Deutschland nicht auch zum Teil unter Lohn gezahlt werden würde? Ich nicht!
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1972 Sapporo (Japan)
1968 Grenoble (Frankreich)
1964 Innsbruck (Österreich)
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1952 Oslo (Norwegen)
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1936 Garmisch-Partenkirchen (Deutschland)
1932 Lake Placid (USA)
1928 St. Moritz (Schweiz)
1924 Chamonix (Frankreich)

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Olympische Winterspiele 2014: Paläste und Arenen in Sotschi