Olympische Spiele Veranstalter meldet ein Drittel weniger Hotelbuchungen in London

Londoner Hotels haben sich wohl verrechnet: Die Olympischen Spiele sollten viel Geld in die Kassen spülen, die Zimmerpreise vervielfachten sich. Doch für Juli und August sind die Buchungen laut einem Reiseveranstalter drastisch eingebrochen.

Olympia-Stadt London: Nicht sehr begehrt zur Sommerszeit
Getty Images

Olympia-Stadt London: Nicht sehr begehrt zur Sommerszeit


London - Noch vor einem Monat sagte die Rating-Agentur Moody's einen kurzzeitigen Push für die Wirtschaft voraus - vor allem Hotels sollten von den Olympischen Spielen in London profitieren. Jetzt dämpft ein britischer Reiseveranstalter die Hoffnungen und gibt ernüchternde Zahlen bekannt: Um rund ein Drittel seien die Buchungen in London in den Sommermonaten im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Hohe Preise und Befürchtungen, die Stadt könne überlaufen sein, schreckten Städtetouristen ab.

Die Erwartungen zu den Olympischen Sommerspielen seien übermäßig optimistisch gewesen, sagte Mario Bodini, Chef von JacTravel, der Nachrichtenagentur Reuters. JacTravel zählt Reiseveranstalter, Reisebüros und Online-Hotelbuchungsportale zu seinen Kunden. Der Vermittler meldet, dass die Buchungen von Touristen zurzeit für Juli rund 35 Prozent und für August fast 30 Prozent niedriger liegen als 2011. Zum Vergleich: In Paris sind sie JacTravel zufolge um 60 beziehungsweise 95 Prozent höher, in Barcelona um circa 130 beziehungsweise 125 Prozent höher.

Die Olympischen Spiele "werden ein großartiges Ereignis sein; eine großartige Werbung fürs Land. Aber was wir nun brauchen, sind vernünftige Hotelpreise", sagte Bodini, "auch müssen sie bald wieder auf ein normales Level zurückgehen." Laut JacTravel koste ein Viersterne-Zimmer in der Londoner Innenstadt zur Hauptsaison normalerweise zwischen 80 und 120 Pfund (99 bis 149 Euro) pro Nacht. Diesen Sommer lägen die Preise bei 200 bis 415 Pfund (248 bis 515 Euro) - ein Anstieg um etwa das Vierfache.

Zimmerpreise fallen bereits

Auch der britische Hotel- und Veranstalterverband UK Inbound stellt eine ähnliche Tendenz fest. Laut einer Umfrage gab immerhin die Hälfte ihrer Mitglieder an, dass die Buchungszahlen für Touristen für Mai bis August 2012 "leicht" bis "erheblich niedriger" liegen als im Vorjahr. Die andere Hälfte berichtete von "leicht" bis "deutlich höheren" Zahlen.

Die Hoteliers und Veranstalter machen das Londoner Organisationskomitee für die Spiele, Locog, für die Misere mitverantwortlich, das ursprünglich 40.000 Zimmer für Athleten, Offizielle, Journalisten und Sponsoren blockiert hatte. Die Hoteliers der Hauptstadt setzten daraufhin die Preise für die verbliebenen Unterkünfte massiv rauf. Im Januar dagegen gab Locog 20 Prozent der Räume wieder frei - zu kurzfristig für manche Unternehmer.

Aus der Sicht des größten deutschen Reiseveranstalters sieht die Lage weniger dramatisch aus: Bei TUI lägen die London-Buchungen für Juli und August leicht unter dem Vorjahr, sagte Alexa Hüner SPIEGEL ONLINE. Ein derartiger Rückgang sei für Großereignisse nicht unüblich, die Kunden würden ihre Reisen eventuell in andere Monate verschieben. Zurzeit gäbe es noch vereinzelte Kapazitäten in der Olympia-Stadt. Auch die TUI registriert, dass andere europäische Städte diesen Sommer stärker gebucht werden als sonst.

Die Preise in London scheinen sich sieben Wochen vor den Wettkämpfen bereits der mangelnde Nachfrage anzupassen. Das Online-Portal Hotels.com meldete laut der britischen "Financial Times", dass der Durchschnittspreis pro Zimmer und Nacht von 211 Pfund (262 Euro) zu Beginn des Jahres auf 202 Pfund (250 Euro) gefallen seien. Rund 4500 freie Zimmer gäbe es noch für den 4. August, dem Höhepunkt der Veranstaltung.

abl/Reuters

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.