Refugium für Millionäre: Insel am Haken

Von Maren Hoffmann

Sechs Schlafzimmer, Bordkino und Whirlpool auf dem Sonnendeck: Ein ungarischer Unternehmer plant künstliche Mini-Inseln für Millionäre. Einen Motor hat das teure Treibgut nicht - fortbewegen kann man es trotzdem.

Orsos Islands: Reich für die Insel Fotos
Orsos Islands

Die Sache mit der Milliardärsinsel ging nicht gut aus. Zum Schluss brach das Eiland, das auf 27 Quadratkilometern jeden nur erdenklichen Luxus bot, auseinander, weil die Bewohner sich nicht auf einen Kurs einigen konnten. Zum Glück war alles nur ein Gedankenspiel des Science-Fiction-Autors Jules Verne, der das Buch über die Propellerinsel 1895 verfasste.

Aber die Idee einer mobilen künstlichen Insel für eine zahlungskräftige Klientel fasziniert noch heute: Der ungarische Unternehmer Gábor Orsòs arbeitet mit seinem Grazer Unternehmen Orsos Island GmbH tatsächlich an einem solchen Projekt. Allerdings ist seine Variante mit ihren rund tausend Quadratmetern Wohnfläche auf drei Decks einige Nummern kleiner als Vernes Konstrukt. Und sie ist zwar mobil, verzichtet aber auf einen eigenen Antrieb.

"Mir schwebt eine neue Art von Hotelbetrieb vor, der Nähe zur Natur mit dem Bedürfnis nach Mobilität verbindet - und mit einer Wohnqualität wie auf dem Festland", erklärt Orsòs. Der Prototyp soll Anfang kommenden Jahres in den Bau gehen, stolze 5,2 Millionen Euro soll er kosten. Dennoch wird Orsòs ihn als Produkt für Preisbewusste bewerben: "Ich will die Produkte Luxusyacht und Luxusimmobilie verbinden", erläutert der Geschäftsmann das Konzept, "eine Yacht ist ja etwas sehr Schönes, aber in der Größe, in der wir unsere Insel bauen, würde sie 15 bis 20 Millionen Euro kosten - und wäre in der Breite und der Gestaltung weitaus begrenzter."

2014 soll die erste Insel vom Stapel laufen

Die nach ihrem Erbauer "Orsos Island" benannte Insel misst 20 mal 37 Meter, zwölf Bewohner und vier Besatzungsleute können auf ihr wohnen. Solarpaneele und Windgeneratoren sollen das schwimmende Ferienhaus, das in der Slowakei produziert werden soll, unabhängig von externer Stromversorgung und umweltfreundlich machen. Eine Trinkwassergewinnungsanlage sorgt auch in salzigen Gewässern dafür, dass die Eiswürfel für die Cocktails nicht knapp werden.

Einen Motor hat die Insel nicht, aber das sei kein Nachteil, findet Orsòs. Yachten würden statistisch gesehen ohnehin 80 bis 90 Prozent der Zeit im Hafen verbringen. Und mobil sei die Luxusunterkunft ja trotzdem: Weite Entfernungen könne sie mit Frachtschiffen zurücklegen, für kürzere Strecken reichten Schleppboote. "Man könnte also einen Sommer vor Mallorca verbringen und den nächsten vor Gran Canaria - oder sich von November bis Mai in der Karibik aufhalten und die Insel weiter nach Süden verlagern, wenn dort die Hurrikansaison beginnt."

Bis zum Frühjahr 2014 soll der erste Versuch fertig sein, danach will Orsòs nach und nach eine Hotelkette mit 40 bis 50 Inseln aufziehen. Es gebe aber auch schon sehr viele Anfragen interessierter Privatleute, versichert er, die mit einer mobilen Insel als zweitem oder drittem Wohnsitz liebäugelten.

Schließlich sei den Reichen zunehmend bewusst, dass man sich mit einer Luxusimmobilie immer abhängig von Wirtschaft und Politik des jeweiligen Landes mache. "Und diese Bedingungen können sich ja immer mal ändern. Wenn man etwa jetzt vor Griechenland eine schwimmende Insel hätte, könnte man die problemlos auch woanders hinschleppen lassen", meint Orsòs.

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insgesamt 27 Beiträge
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1. einfach nur was abgekupfert.:-)
Emil Peisker 07.07.2012
Zitat von sysopOrsos IslandsSechs Schlafzimmer, Bordkino und Whirlpool auf dem Sonnendeck: Ein ungarischer Unternehmer plant künstliche Mini-Inseln für Millionäre. Einen Motor hat das teure Treibgut nicht - fortbewegen kann man es trotzdem. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,843022,00.html
Ja, da wäre die Frage des Steuersatzes als Leitlinie des Schlepperkurses die Lösung. Den Wohnsitz dort, wo der Fiskus versagt. Und da war Griechenland das Traumland, kombiniert mit südlicher Sonne und dank Fekelaki, dem besten staatlichen Service in Europa. Aber das kennen die griechischen Reeder schon seit Jahrzenhnten, da hat der Ungar einfach nur was abgekupfert.:-)
2. Kleine Probleme?
RoK 07.07.2012
Sehe nur ich hier Probleme mit.. -Ueberfaellen (die Insel ist leicht zu finden und kann nicht fliehen) -Unwettern (mit hohem Wellengang) -der fehlenden Faehigkeit z.B. einem Frachtschiff auch nur ausweichen zu koennen, wenn es auf einen zukommt? -... Warum eigentlich Insel? Fuer mich ist das ein Floss :-)
3. Weitergedacht
MiniDragon 07.07.2012
Zitat von RoKSehe nur ich hier Probleme mit.. -Ueberfaellen (die Insel ist leicht zu finden und kann nicht fliehen) -Unwettern (mit hohem Wellengang) -der fehlenden Faehigkeit z.B. einem Frachtschiff auch nur ausweichen zu koennen, wenn es auf einen zukommt? -... Warum eigentlich Insel? Fuer mich ist das ein Floss :-)
Vielleicht sollte man über tauchfähige Inseln nachdenden. Am Besten gleich mit eniem kompakten aber etwas überdimensionierten KKW mit an Bord. Den überschüssigen Strom werden manche Landratten bald dringend benötigen.:-)
4. Nun ja....
Jonny_C 07.07.2012
Zitat von RoKSehe nur ich hier Probleme mit.. -Ueberfaellen (die Insel ist leicht zu finden und kann nicht fliehen) -Unwettern (mit hohem Wellengang) -der fehlenden Faehigkeit z.B. einem Frachtschiff auch nur ausweichen zu koennen, wenn es auf einen zukommt? -... Warum eigentlich Insel? Fuer mich ist das ein Floss :-)
...Ihre Bedenken sind theoretisch nachvollziebar. Aber die Insel soll wohl nur küstennah verankert werden. Bei hohem Wellengang schwimmt sie wie ein Korken auf der Welle, wird also nicht umkippen (20 x 37 Meter) auch wenn die Bewohner seekrank werden. Warum sollte ein Schiff die Insel aufs Korn nehmen ? Bojen & Feuerschiffe werden doch auch nur sehr selten gerammt. Ich finde die Idee nicht schlecht. So eine Insel könnte man ja auch auf einen See, einen großen Baggersee, oder Stausee setzen, muss ja nicht immer das offene Meer sein. Wenn es wirklich bei den 5,2 Millionen € bleiben sollte, (oder ist das nur die nackte Insel ?) dann wäre der Preis absolut angemessen, jedenfalls im Vergleich zu sonstigen Luxusyachten.
5. Naja -
wohlmein 07.07.2012
Zitat von Jonny_C...Ihre Bedenken sind theoretisch nachvollziebar. Aber die Insel soll wohl nur küstennah verankert werden. Bei hohem Wellengang schwimmt sie wie ein Korken auf der Welle, wird also nicht umkippen (20 x 37 Meter) auch wenn die Bewohner seekrank werden. Warum sollte ein Schiff die Insel aufs Korn nehmen ? Bojen & Feuerschiffe werden doch auch nur sehr selten gerammt. Ich finde die Idee nicht schlecht. So eine Insel könnte man ja auch auf einen See, einen großen Baggersee, oder Stausee setzen, muss ja nicht immer das offene Meer sein. Wenn es wirklich bei den 5,2 Millionen € bleiben sollte, (oder ist das nur die nackte Insel ?) dann wäre der Preis absolut angemessen, jedenfalls im Vergleich zu sonstigen Luxusyachten.
Bojen & Feuerschiffe sind auch auf Karten eingetragen. In einen "See, einen großen Baggersee, oder Stausee setzen", falls das genehmigt wird und das Ding dahin gebracht werden kann durch irgendwelche Käffer und unter irgendwelchen Brücken durch. Ideal wäre das Ganze als Luftkissenfahrzeug, aber warum sollte man diesem illustren Personenkreis hier noch Ideen liefern?????
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