Krise der Carnival-Reederei: Erst Party, dann Panne

Generatorausfall, kaputte Toiletten und ein Brand im Maschinenraum: Bei den Schiffen der US-Reederei Carnival Cruises häufen sich die technischen Probleme. Nun meldet ein weiteres Kreuzfahrtschiff in der Karibik einen Defekt.

Carnival Cruises: Stromausfälle, defekte Toiletten und ein Brand Fotos
REUTERS

Washington/Philipsburg/Tampa - Am Donnerstag meldete sich die "Carnival Legend" mit einem Problem bei ihrer Reederei: Ein Azipod-Antrieb sei defekt, die Geschwindigkeit des Schiffs in der Karibik sei daher heruntergesetzt und ein Landgang auf den Grand-Cayman-Inseln abgesagt worden. Die "Legend" sei auf dem direkten Weg zu ihrem Reiseziel Tampa in Florida, wo sie Sonntag erwartet wird.

Die Nachricht kommt nur einen Tag, nachdem ein anderes Schiff von Carnival Cruises wegen eines technischen Defekts bei der Antillen-Insel St. Martin liegengeblieben ist. Auf der "Carnival Dream" sei ein Notstromgenerator-Problem am Mittwoch während eines Tests entdeckt worden, teilte die größte Kreuzfahrtreederei der Welt mit. Das drei Jahre alte Schiff mit 4363 Passagieren an Bord lag im Hafen von Philipsburg.

Zwar habe es entgegen Medienberichten keinen Stromausfall gegeben, allerdings seien Aufzüge und Toiletten in der Nacht zum Donnerstag zeitweise ausgefallen. Betroffen seien eine öffentliche und eine Kabinentoilette gewesen. Passagiere berichteten laut "USA Today" von 10- bis 20-minütigen Ausfällen. "Wir haben Toiletten. Wir haben Wasser. Es gab keinen Unterschied zu einem normalen Tag auf See", sagte Tasha Larson laut der Zeitung.

Dennoch wurde die "Dream" zunächst stillgelegt. "Auch wenn das Antriebssystem und die primäre Stromversorgung nicht betroffen sind, wollen wir aus Vorsichtsgründen ohne ein Notstromaggregat nicht mit Passagieren an Bord fahren", gab Carnival bekannt. Die Gäste mussten die Kreuzfahrt abbrechen und wurden zurück in die USA geflogen. Als Entschädigung bekommen sie den Preis von drei Tagen Seefahrt erstattet und einen 50-Prozent-Rabatt auf eine weitere Kreuzfahrt. Auch die nächste Reise des gut 300 Meter langen Schiffs wurde abgesagt.

Antriebslose "Carnival Splendor" im November 2010

Die neuerlichen Meldungen zu Defekten reihen sich in eine Pannenserie, bei der zuletzt die "Carnival Triumph" Mitte Februar für Schlagzeilen gesorgt hatte. Nach einem Brand im Maschinenraum trieb das 14 Jahre alte Schiff mit rund 4200 Passagieren und Besatzungsmitgliedern manövrierunfähig im Golf von Mexiko und musste fünf Tage lang von der US-Küstenwache in den Hafen von Mobile in Alabama geschleppt werden.

Damals waren Stromversorgung, Klimaanlage und Abwassersystem zeitweise ausgefallen. An Bord herrschten nach Angaben von Passagieren unhaltbare hygienische Zustände. In Fluren und Kabinen habe Abwasser gestanden, Menschen hätten auf Matratzen unter freiem Himmel schlafen müssen. Nach dem Vorfall nahm die Reederei zwölf geplante Fahrten bis Mitte April aus dem Programm.

Ähnliches war bereits im November 2010 passiert: Auch die "Carnival Splendor" hatte ein Brand im Maschinenraum lahmgelegt. Die Hauptstromversorgung brach zusammen, und damit fielen wie auf der "Triumph" Klimaanlagen, Küchen, Toiletten und Aufzüge aus. Das erst zwei Jahre alte Schiff - fast baugleich mit der 2012 verunglückten "Costa Concordia" - befand sich 70 Kilometer vor der Küste und musste zwei Tage lang ins 300 Kilometer südwestlich liegende San Diego geschleppt werden. Die Passagiere wurden unter anderem über einen US-Flugzeugträger mit Sandwiches, Corned Beef und anderen Lebensmitteln verpflegt.

Flotte wird auf Sicherheit überprüft

Carnival Cruises - die wie die Costa-Reederei zu dem britisch-amerikanischen Konzern Carnival Corporation gehört - hat vor allem durch den jüngsten Vorfall auf der "Triumph" nun ein Imageproblem. Auf der Branchenkonferenz in Miami kündigte daher Carnival-Cruises-Chef Gerry Cahill eine Sicherheitsüberprüfung der gesamten Flotte an, auch durch externe Experten von Werften, Maschinenherstellern und Schiffsversicherern.

"Wir konzentrieren uns auf die Lehren, die wir aus den Vorfällen ziehen können", sagte er. Dabei ginge es zum einen um das Vorbeugen, das Melden und Löschen von Bränden. Dann um Backup-Systeme im Maschinenraum sowie um die Frage, welche Hotelanlagen auch durch Notstromaggregate betrieben werden könnten. Bereits nach der Panne der "Splendor" vor zweieinhalb Jahren, bei der das CO2-Löschsystem versagte, habe die Reederei laut Cahill mehrere Millionen Dollar in Neuerungen investiert, zum Beispiel in Brandbekämpfungssysteme.

"Die gute Nachricht dabei ist", sagte Cahill auf der Konferenz, "dass wir, wenn wir solche Vorfälle haben, sie sicher abwickeln können. Niemand wurde auf der 'Carnival Triumph' verletzt, niemand war jemals in Gefahr." Die Branche würde gemeinsam versuchen, daraus zu lernen und besser zu werden.

abl/dpa

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