Berlin-Wolfsburg: Pendler leiden unter den Folgen des Hochwassers

Hunderte Berliner pendeln täglich nach Wolfsburg - jobbedingt und mit der Bahn. Doch wegen des Hochwassers dauert die Strecke von der Haustür zum Arbeitsplatz nun dreimal so lange wie sonst. Die Reisenden sind genervt und zeigen sich kreativ.

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Pendler Bottoni am Hauptbahnhof in Wolfsburg: "Ein wichtiger Kunde"

Wolfsburg/Berlin - 820 Berliner machen sich laut Statistik täglich von Berlin nach Wolfsburg auf den Weg. Die große Mehrheit fährt mit der Bahn. Doch nach dem Hochwasser und der Stunden raubenden Umleitung der Züge stecken sie nun in der Klemme. Der seit Freitag geltende Notfahrplan mit einem Umweg über Magdeburg und Braunschweig stellt sie nicht zufrieden - viele übernachten nun notgedrungen in Hotels und bei Freunden, selbst an das Chartern von Bussen wurde schon gedacht.

Zufrieden sind hingegen die Wolfsburger Hoteliers. Laut regionalen Online-Buchungsportalen sind fast alle Zimmer über die Woche ausgebucht.

Nicht nur bei Volkswagen, auch bei Zulieferern, Museen und im Rathaus arbeiten Berlin-Pendler, schließlich dauert die Zugfahrt normalerweise nur etwa 60 Minuten. Derzeit müssen die Pendler für eine Strecke zweieinhalb bis drei Stunden kalkulieren.

Anbindungsprobleme sind für Wolfsburg nicht ganz neu. In der Vergangenheit rauschten Züge schon mehrmals an der Industriestadt vorbei, obwohl ein Stopp vorgesehen war. Doch während die Gründe bei diesen Bahnpannen meistens ungeklärt blieben, liegt mit der Hochwasserkatastrophe nun eine handfeste Ursache vor.

"Es darf nicht sein, dass Wolfsburg für längere Zeit vom Fernstreckennetz abgehängt bleibt", sagt Oberbürgermeister Klaus Mohrs (SPD). Er fordert: "Im Sinne der vielen Pendler muss sofort etwas geschehen. Es müssen kurzfristig Ersatzlösungen gefunden werden." 74.000 Pendler kommen täglich in die 123.000 Einwohnerstadt, die meisten aus dem Umland.

"Die Bahn kann ja nichts für das Hochwasser, aber sie könnte besser informieren", sagt Uta Ruhkamp, die in einem Museum in Wolfsburg arbeitet. An einem Tag habe es in Berlin geheißen, die Reisenden nach Wolfsburg sollten in Spandau aussteigen und den Zug nach Braunschweig nehmen. Der Schaffner sagte dann aber das Gegenteil. Die Kuratorin hat in den vergangenen Tagen mal bei einer Kollegin, mal in der Jugendherberge geschlafen. Für Juli hat sie ein WG-Zimmer ergattert.

"Wir sind also ein wichtiger Kunde"

Schon seit 2010 gibt es ein E-Mail-Netzwerk, in dem Bahnpendler sich über Probleme austauschen. Luciano Bottoni, der seit viereinhalb Jahren pendelt, wollte über den Verteiler Reisebusse organisieren. "Aber das ist doch keine Lösung, das Interesse war gering. Die Busse wären ja auch bis zu drei Stunden unterwegs", sagt er. 4000 Euro zahle er pro Jahr für seine Bahncard. Rechne man die Ausgaben aller Berlin-Wolfsburg-Pendler zusammen, so seien das Einnahmen in Millionenhöhe. "Wir sind also ein wichtiger Kunde."

Die Bahn selbst kann den Ärger verstehen. "Das Wasser muss erst weg sein, vorher können wir die Schäden nicht reparieren", bittet eine Sprecherin um Verständnis. Auf eine Entschädigung angesprochen, sagte sie: "Alle können sicher sein, dass es eine kulante Lösung geben wird."

"Das sind außergewöhnliche Umstände, höhere Gewalt", sagt Edgar Isermann, Leiter der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr. "In der momentanen Situation hat die Bahn eine enorme logistische Aufgabe zu lösen. Da ist die Kommunikation das Wichtigste, was man machen kann."

Eine Pendlerin versucht, der Situation Positives abzugewinnen: "So komme ich endlich mal dazu, meine Freunde in Wolfsburg und Braunschweig zu besuchen", sagt sie.

Anita Pöhlig/dpa/jus

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Eben in Hannover..,
phatdel 21.06.2013
unsere Weiterfahrt verzögert sich, da uns die nötigen Fahrplanunterlagen fehlen...wtf?
2. 5 Stunden Arbeitsweg
watchman71 21.06.2013
Mit Beginn des Notfahrplans heute hat die oBahn die einzige noch bestehende Direktverbindung Berlin - Wolfsburg (über Wittenberge und Stendal), den IC240, eingestellt, die man ohne utopischen Umsteigezeiten nutzen konnte. Dies konnte der Kollege am Serviceschalter gestern Abend bereits bestätigen, während die Hotline selbst heute früh noch völlig ahnungslos war. Steht doch dieser entfallene Zug ab Berlin Spandau auf den Druckversionen des Notfahrplans genannt. Auf die Frage, ob es ihn denn doch noch gäbe, lautete die Antwort "na gestern fuhr er noch". Klar, da saß ich drin. Weiterhin erhielt ich die Antwort, dass er auf jeden Fall zwischen Hannover und Amsterdam fahre. Das ist schön, ist mir nur völlig wurscht. Die Fährt von Tür zu Tür dauerte dann heute über Hbf, Magdeburg und Braunschweig ganze 5 Stunden und 20 Minuten. Leider konnte die stündlich fahrende Regionalbahn BS-WOB nicht warten... Es stimmt, die Bahn kann nichts für das Hochwasser und handelt mit der Streckensperrung aus Sicherheitsgründen richtig. Aber die Bahn kann etwas für sich widersprechende Auskünfte, verspätete Bereitstellungen, Störungen im Betriebsablauf, Signalstörungen, defekte Klimaanlagen, defekte Türen, marode Ersatzzüge..., die bekannten Missstände eben. Und die machen die Gesamtsituation nicht wirklich besser oder erträglicher. Kommunikation sei jetzt das Wichtigste, habe jemand gesagt? Ja, liebe Bahn, dann fangt doch bitte bald damit an, denn der Zustand könne ja noch ein halbes Jahr anhalten. Ich jedenfalls werde ab Montag eine Fahrgemeinschaft mit Kollegen bilden und mit dem Auto anreisen. Das dauert je Richtung nur 3 Stunden...
3. private Fahrgemeinschaften
johannisbrunnen 22.06.2013
Ich habe mich letzten Sommer unabhängig gemacht und mich bei wir-pendeln-zusammen.com angemeldet.Alles kostenlos natürlich.Nun fahre ich von Haus zu Haus, bin auf öffentliche Verkehrsmittel nicht angewiesen und spare zu dem noch Geld.
4. optional
Sgt.Moses 22.06.2013
Am meisten ärgere ich mich dann, wenn ich mich mal wieder über die mangelnde Kommunikation und Information beschweren möchte und mir die "freundlichen" Mitarbeiter dann treuherzig erklären, dass sie ja nichts dafür könnten. Also einmal zum mitschreiben für alle Mitarbeiter der Beschwerden-hotline,das heißt: das tut uns leid! Ich werde die Beschwerde weiterleiten und in Zukunft werden wir bestimmt besser informieren. So einfach. Ein "ich kann nichts dafür! " möchte niemsnd hören!!!!!!
5. Pendeln
bauern-muenchen 22.06.2013
Ich bin der Meinung, zu jedem Arbeitsplatz gehört auch eine Unterkunft - selbstverständlich auch in Städten. Kann ein Arbeitgeber das nicht leisten, wird ein Teil der Pendel-Zeit als Arbeitszeit angerechnet. Schon sind solche Unwägbarkeiten beseitigt, bzw. kann dann jeder selbst entscheiden, ob er pendelt.
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