Perfekt packen: Schwerer Sack ganz leicht

Von Johannes Wessel

Einen Rucksack packen kann jeder? Denkste - die perfekte Verteilung und Schichtung ist eine Wissenschaft für sich, die enorm zum Reisekomfort beitragen kann. Mit diesen Tipps überstehen Sie auch lange Touren, ohne danach ein Fall für den Orthopäden zu sein.

Rucksack-Packtipps: Tief hoch stapeln Fotos
Illustration: Deuter

Es soll Zeitgenossen geben, die stopfen ihre Ausrüstung wahllos in ihren Rucksack, legen ihn dann auf den Boden, treten so lange darauf, bis nichts mehr hervorsteht. Rucksack-Packen ist zwar keine Wissenschaft, aber lässiges Chaos erleichtert das Tragen nicht. Hält man sich an ein paar Grundregeln, kann man schmerzenden Schultern, Verspannungen und allzu früher Erschöpfung vorbeugen. "Sogenannte Kompressionssyndrome mit Taubheitsgefühlen in Fingern und Armen wegen zu schwerer Rucksäcke sind keine Seltenheit", erklärt Karl Flock, Besteiger des Mount Everest und Orthopäde in Weilheim. Diese verschwinden zwar wieder, sind aber äußerst unangenehm.

Bei der Frage, wie schwer der Rucksack maximal sein darf, helfen Faustregeln allerdings nicht weiter. Zu sehr spielen dabei der Trainingszustand, die Gewöhnung an das Tragen, die Tragedauer und der Rucksacktyp eine Rolle. Fitte Wanderer und Bergsteiger schultern durchaus 20 oder mehr Kilogramm über einen längeren Zeitraum. Untrainierte sind da längst überfordert. Als für den Normaltrainierten gerade noch bequem gilt eine Zuladung von 20 Prozent des Körpergewichts des Trägers.

Schwergewichte gehören nah an den Rücken

Der Schwerpunkt des Rucksacks muss über dem eigenen Körperschwerpunkt und möglichst dicht am Körper liegen. Schwere Ausrüstungsgegenstände wie Proviant, Seil und Zelt gehören daher nahe an den Rücken und relativ weit nach oben in den Bereich zwischen Schultern und mittlerem Rücken. Dadurch zieht der Rucksack nicht nach hinten. Nacht ganz unten, ins Bodenfach kommen Schlafsack, Bekleidung, die man nicht ständig benötigt, und andere leichte Dinge.

Mittelschwere Gegenstände positioniert man oben außen, und Kleinigkeiten, die schnell griffbereit sein sollten, kommen in die Deckeltasche. Straff gezogene Kompressionsriemen helfen die Last möglichst nahe an den Rücken zu ziehen. Wer optimal packen will, verlagert bei Touren in leichtem Gelände, auf Wanderwegen und in der Ebene den Schwerpunkt des Rucksacks in Schulterhöhe.

So trägt er sich etwas angenehmer, neigt aber zum seitlichen Hin-und Herschwanken. In schwierigerem Gelände mit mehr Steigung oder bei leichter Kletterei muss der Schwerpunkt tiefer, etwa auf Höhe der Brustwirbelsäule liegen. Man geht zwar dadurch leicht nach vorne geneigt, kann aber das Gleichgewicht besser halten.

Tücken der Deckeltasche

In die Deckeltaschen kommen Handy, Geldbörse, GPS, Stirnlampe - alles schwere Gegenstände. Ist der Rucksack nicht vollgestopft, hängt die Deckeltasche weit über den Packsack und zieht nach hinten. Das kann man einfach verhindern: Die Deckeltasche nicht in die Schnallen klippen, sondern ins Hauptfach stecken und dieses mit dem Kordelzug schließen. Das funktioniert so lange super, wie es nicht regnet oder schneit.

Beim vollgepackten Rucksack geht das nicht, ist aber auch nicht nötig. Da besteht dann eher die Gefahr, dass die Deckeltasche vom Hauptsack ins Genick des Trägers geschoben wird. Der Blick nach oben wird dadurch unmöglich, Verspannungen sind unausweichlich. So weit sollte man es nicht kommen lassen. Entweder nimmt man einen Rucksack mit anhebbarer Deckeltasche oder man reduziert seine Ausrüstung.

Sind Seiten- oder Fronttaschen vorhanden, packt man hier leichte Ausrüstung wie Gamaschen, Müsliriegel oder die Regenhose hinein, die schnell griffbereit sein sollen. Natürlich muss man dabei auf gleichmäßige Gewichtsverteilung achten. Sperrige Teile wie die Isomatte müssen außen befestigt werden. Allerdings sollte so wenig wie möglich als Außenlast am Rucksack sein. Nässe, Hängenbleiben und deutlich schlechterer Rucksack-Schwerpunkt sind nur einige Nachteile, die man sich damit einhandelt.

Schon bei Ein-Tagestouren geht es im Rucksack schnell drunter und drüber. Bei mehrtägigen Unternehmungen potenziert sich die Neigung zu einer schwer durchsuchbaren Masse an Gerümpel im Rucksack. Abhilfe schaffen hier mehrere Beutel oder Plastiktüten. So ist alles auch gleich wasserdicht verpackt. Die Beutel sollte man nicht zu prall füllen und möglichst ohne Luft dazwischen im Rucksack platzieren. Natürlich muss das Volumen des Rucksacks der Tour angepasst sein. Es ist wenig sinnvoll, mit einem riesigen Rucksack für eine Tagestour loszuziehen.

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insgesamt 17 Beiträge
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1. Gott bewahre
taiga 25.03.2011
Zitat von sysopEinen Rucksack packen kann jeder? Denkste - die perfekte Verteilung und Schichtung ist eine Wissenschaft für sich, die enorm zum Reisekomfort beitragen kann. Mit diesen Tipps überstehen Sie auch lange Touren, ohne danach ein Fall für den Orthopäden zu sein. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,752324,00.html
Hoffentlich wird da keine Serie draus: Outdooring für Dummys – oder so.
2. War alles mal selbstverständlich
iron mace 25.03.2011
Zitat von sysopEinen Rucksack packen kann jeder? Denkste - die perfekte Verteilung und Schichtung ist eine Wissenschaft für sich, die enorm zum Reisekomfort beitragen kann. Mit diesen Tipps überstehen Sie auch lange Touren, ohne danach ein Fall für den Orthopäden zu sein. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,752324,00.html
So komplizierte Sachen wie Rucksackpacken, und Wandern waren mal Selbstverständlichkeiten, die Genarationen von Menschen ohne fremde Hilfe hinbekommen haben. Heute braucht es für alles eine Anleitung, ein Internetforum, und mindestens 5 Magazine. Dafür kostet die Ausrüstung das 10-fache, und jeder kleine Hügel wird zum Berg.
3.
Layer_8 25.03.2011
Zitat von sysopEinen Rucksack packen kann jeder? Denkste - die perfekte Verteilung und Schichtung ist eine Wissenschaft für sich, die enorm zum Reisekomfort beitragen kann. Mit diesen Tipps überstehen Sie auch lange Touren, ohne danach ein Fall für den Orthopäden zu sein. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,752324,00.html
Bin 1998 mal auf Weltreise für ein Jahr gegangen. Abflug nach Delhi mit Handgepäck und einen fast leeren Rucksack eingecheckt. Je 2 paar Unterhosen, Socken und T-Shirts waren drin. Reicht dort ja fürs Flachland im Frühling(lol)/Sommer(rofl). Alles weitere hab ich vor Ort gekauft (Himalaya), trekking 4 Wochen in Ladakh. Da haben wir aber noch zwei Packpferde "gemietet". Am Schluss bin ich in Neuseeland angekommen bei Wintereinbruch dort. Wurde dann schon "kompliziert" mit den Trekkingtouren dort. Gewichtstechnisch. Nun, das Rucksackpacken hab ich schnell gelernt und konnte das dann auch schnell durchführen. Zurück in Europa wunderten sich manch Wanderkamerad später über meine Minimalausrüstung beim Bergwandern z.B. in den Alpen... P.S. Gute Schuhe sind das Allerwichtigste!
4. Obacht!
dr.épernay-boiler 25.03.2011
Zitat von iron maceSo komplizierte Sachen wie Rucksackpacken, und Wandern waren mal Selbstverständlichkeiten, die Genarationen von Menschen ohne fremde Hilfe hinbekommen haben. Heute braucht es für alles eine Anleitung
Wer den rundum versicherten Freizeitabenteurer und Weekendwarrior - guter erprobter sicherer Spaß! - mal beobachtet hat, wie er mit einer Gaskartusche auf einem steinigen Tessiner Boden Sandheringe für sein HigTechZelt einzuschlagen versucht hat, oder wem schonmal auf dem Grat zur Aiguille du Midi Mädels in Sommerlatschen entgegen kamen (50cm, Steigeisenweg, 1800m Abgrund), der weiss derlei Ermahnungen zu schätzen - denn die tapferen hinterherhechtenden Helfer und Retter, Krankenkassen und Orthopäden haben auch kein leichtes Leben...
5. weniger ist mehr!
tomtomtofu 25.03.2011
Zitat von Layer_8P.S. Gute Schuhe sind das Allerwichtigste!
ich reise seit drei jahren nur noch mit sandalen und ich darf jedes jahr sechs monate unterwegs sein- müsst ihr mal probieren-trekkingsandale plus gore-tex sock, temperaturtauglich bis minus 5 grad. fahrradtouren ohne zelt: maximal 15 kg in fast allen klimaregionen incl. laptop, mit zelt und schlafsack noch mal 5 kg drauf. wenig gepäck für maximalen spaß unterwegs, ach ja, mein kleines kuscheltier ist immer dabei!
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Alpin - Das Bergmagazin
Ausgabe 4/2011

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Die wichtigsten Tipps
1. Schwere Teile auf Schulterhöhe oder - bei schwierigerem Gelände - in die Mitte dicht an den Rücken packen.

2. Die Deckeltasche bei mäßig gefülltem Rucksack ins Hauptfach stecken.

3. Kompressionsriemen so straff ziehen, dass die Last dicht an den Körper gezogen wird.

4. Packbeutel - eventuell in verschiedenen Farben - verhindern das totale Chaos und helfen beim Finden.

5. Plastiktüten helfen, die Ausrüstung kostengünstig wasserdicht zu verpacken.

6. Schwere Rucksäcke erhöht abstellen oder aus den Beinen heraus mit möglichst geradem Rücken anheben und via Oberschenkel schultern.

7. Unnötiges Material am besten gleich zu Hause lassen.