Neue Flugsicherheits-Regeln: Piloten warnen vor zu langen Dienstzeiten

Die Europäische Agentur für Flugsicherheit stößt mit einer geplanten Neuregelung zugelassener Dienstzeiten auf Kritik: Piloten beklagen, dass damit Arbeitstage möglich sind, die eine Gefahr für die Sicherheit darstellen.

Piloten im Cockpit: Elf Stunden Arbeitszeit sollen bei Nachtflügen zulässig seinZur Großansicht
DPA

Piloten im Cockpit: Elf Stunden Arbeitszeit sollen bei Nachtflügen zulässig sein

Berlin - Die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) hat geplante neue Flugdienstzeiten als gefährlich kritisiert. Mehr als zehn Stunden lange Flugdienste in der Nacht würden laut Wissenschaftlern zu Ermüdungserscheinungen führen, sagte Cockpit-Präsident Ilja Schulz in Berlin. Die am Montag vorgelegten Vorschläge der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (Easa) zur Änderung der EU-Regeln würden 11, in Ausnahmefällen auch 12 bis 13 Stunden erlauben. Das sei eine "Gefahr für die Flugsicherheit".

Die Easa sieht 14 Stunden als Höchstgrenze bei Kurzflügen und elf Stunden bei Nachtflügen vor. In den USA wurde Anfang des Jahres die Grenze hingegen auf neun Stunden in der Nacht gesenkt.

Die vorgesehenen Arbeitszeiten stünden im Widerspruch zu wissenschaftlichen Erkenntnissen und Empfehlungen pro Tag, wonach das Unfallrisiko schon bei einer Dienstzeit von 13 Stunden um das Fünfeinhalbfache steige, betonte die Vereinigung Cockpit. Das Leistungsvermögen der Piloten sinke nach einer durchflogenen Nacht auf 20 Prozent, sagte Schulz.

"Statt der Sicherheit der Menschen oberste Priorität einzuräumen, setzt man sie bewusst vermeidbaren Risiken aus", sagte VC-Sprecher Jörg Handwerg in Berlin. Er warf der Behörde vor, die Sicherheit im Luftverkehr wirtschaftlichen Interessen unterzuordnen.

Die Flugsicherheitsbehörde argumentierte, es seien zahlreiche wissenschaftliche Studien analysiert worden und alle betroffenen Gruppen angehört worden. Die zulässigen Arbeitszeiten wurden für die Länge der Strecke und die Anfangszeit differenziert. Die neuen Regeln sollen Mitte 2013 in das EU-Recht aufgenommen werden und bis Ende 2015 umgesetzt werden.

Immer wieder kommt es zu Problemen bei Flügen, weil Piloten Schlafmangel haben. Im Mai setzten Piloten einer Air-Berlin-Maschine einen Notruf ab und ließen ihr Flugzeug in München vom Autopiloten landen, weil sie sich zu müde fühlten.

sto/dpa/dapd

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
Auf anderen Social Networks teilen
  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Reise
alles aus der Rubrik Aktuell
alles zum Thema Flugsicherheit

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Montag, 01.10.2012 – 17:11 Uhr
  • Drucken Versenden Feedback






TOP



TOP