Pilotenstreik ab Montag Lufthansa streicht Tausende Flüge

Ein Großteil der Flüge fällt aus: Die Lufthansa hat bekanntgegeben, dass von Montag bis Donnerstag zwei Drittel der Verbindungen gestrichen werden. Im Internet hat das Unternehmen jetzt Not-Flugpläne für alle vier Streiktage veröffentlicht.

Lufthansa-Maschinen in München: Ab Montag sollen etwa 1200 Flüge pro Tag ausfallen
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Lufthansa-Maschinen in München: Ab Montag sollen etwa 1200 Flüge pro Tag ausfallen


Beim Streik der Lufthansa-Piloten von Montag bis einschließlich Donnerstag werden voraussichtlich zwei Drittel aller Flüge ausfallen. Das übrige Drittel könne nach der derzeitigen Planung stattfinden, sagte Konzernsprecher Andreas Bartels am Freitag. Im Schnitt absolviert die Lufthansa inklusive ihrer Regionalflieger rund 1800 Flüge am Tag. Da die Regionalpartner vom Streik aber nicht betroffen sind, heben demnach von Montag bis Donnerstag jeweils nur rund tausend Maschinen ab. Damit fallen in den vier Tagen zusammen insgesamt rund 3200 Flüge aus. Zum Streik aufgerufen sind mehr als 4000 Kapitäne und Co-Piloten. Dies wäre der größte Ausstand in der Geschichte der Fluglinie.

Zuvor habe es noch einmal einen Versuch für ein Spitzengespräch zwischen Lufthansa und der Vereinigung Cockpit gegeben, ohne dass dabei Fortschritte erzielt worden seien. Lufthansa habe konstruktive Vorschläge gemacht, um eine Einigung im Tarifkonflikt herbeizuführen: "Wir sind auf die Vereinigung Cockpit zugegangen." Die Gewerkschaft habe das Angebot aber nicht angenommen, sagte Bartels.

Ein Cockpit-Sprecher erklärte hingegen, dass es kein Gespräch gegeben habe. In dem Konflikt geht es um Gehaltsforderungen, Arbeitsplatzsicherung und den Einfluss der Gewerkschaft auf die Konzernpolitik.

Die Lufthansa hat am Freitag Not-Flugpläne für jeden der vier Streiktage auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Demnach werden die Inlandsverbindungen zwischen wichtigen Flughäfen wie Frankfurt am Main, München, Düsseldorf, Berlin und Köln weiterhin mehrfach täglich bedient, allerdings seltener als üblich. In Berlin-Tegel etwa sind für Montag 28 Flüge geplant, an normalen Tagen finden 70 Flüge statt. Am Dienstag soll die Zahl auf 26 und am Mittwoch und Donnerstag auf jeweils 21 reduziert werden, wie ein Sprecher am Freitagabend sagte. In Hamburg findet etwa die Hälfte der innerdeutschen Flüge statt. Kurzfristige Annullierungen dieser Verbindungen seien aber nicht auszuschließen, wie die Fluglinie mitteilt. Passagiere erhalten weitere Infos zu ihren Flügen unter der kostenfreien Nummer 0800 - 8506070, noch am Freitag soll ein Notfallflugplan bekanntgegeben werden.

Die Lufthansa-Tochter Germanwings hatte bereits am Donnerstag mitgeteilt, sie werde trotz des Streiks zwei Drittel der geplanten Flüge anbieten können. Nach dem im Internet veröffentlichten Plan sollen etwa 400 von 600 Flügen stattfinden.

Frankfurter Flughafen setzt zusätzliches Personal ein

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Pilotenstreiks: Bewährungsprobe für die Lufthansa
Der größte deutsche Flughafen in Frankfurt am Main rüstet sich schon jetzt für den Streik. In enger Absprache mit der Fluglinie sei ein detaillierter Abstellplan für nicht genutzte Flugzeuge erstellt worden, erklärte der Sprecher der Betreibergesellschaft Fraport, Jürgen Harrer, am Freitag.

Der Flughafen habe ausreichend Flächen zur Verfügung, so dass der übrige Verkehr reibungslos abgewickelt werden könne. Dies sei das oberste Ziel von Fraport. Laut Fraport entfällt etwa die Hälfte der täglich rund 1300 Flugbewegungen in Frankfurt am Main auf die Lufthansa.

Fraport will zusätzliches Personal einsetzen, um die Abläufe aufrechtzuerhalten. Harrer verwies auf die Informationen der Lufthansa zu stattfindenden Flügen und appellierte an die Fluggäste, sich frühzeitig mit ihrer Airline in Verbindung zu setzen. Wegen der umfangreichen Information über die Medien rechne er nicht damit, dass die Terminals übervoll werden.

Die Lufthansa kann bei den entstehenden Kosten auf ein Entgegenkommen des Betreibers ihres wichtigsten Flughafens hoffen. Man werde diese Frage in vertraulichen Gesprächen behandeln, sagte Harrer. Dies sei auch schon bei früheren Streiks so gehalten worden.

Auch die Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn kündigten an, ihr Personal für die Streiktage zu verstärken. Im Bereich der Terminals sollen zusätzliche Mitarbeiter bereitstehen, die über die Ausfälle informieren.

Die Deutsche Bahn hält sich für einen größeren Andrang in ihren Zügen bereit. Sollte es zu Engpässen kommen, sollen kurzfristig einzelne Zusatzzüge eingesetzt werden. Wenn möglich, werde in betroffenen Bahnhöfen das Servicepersonal verstärkt. Längere Schlangen an Fahrkartenschaltern seien nicht zu befürchten, da bei innerdeutschen Flügen das Lufthansa-Ticket als Bahnfahrkarte diene. Auch Autovermieter wollen nun ihre Flotten auf die Flughäfen konzentrieren. Lufthansa- Konkurrenten wie Ryanair oder Air Berlin warben um Umsteiger. Die zweitgrößte deutsche Fluglinie will ihren normalen Betrieb aufrechterhalten. Es sei jedoch nicht so einfach, auf möglicherweise mehr nachgefragten Verbindungen beispielsweise größere Maschinen einzusetzen, sagte eine Air-Berlin-Sprecherin.

Schaden von hundert Millionen Euro erwartet

Die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) hat für den kommenden Montag die Flugzeugführer zu einem Streik bis inklusive Donnerstag aufgerufen. VC-Sprecher Alexander Gerhard-Madjidi verteidigte den Arbeitskampf als verhältnismäßig: "Das ist alles juristisch überprüft. Wir wollen ein Zeichen setzen und zügig zu einer Lösung kommen." Er forderte den Luftfahrtkonzern erneut auf, nach einem Jahr Verhandlungen endlich ein Angebot vorzulegen. Die Piloten seien jederzeit in der Lage, weitere Maßnahmen zu ergreifen, drohte er. Eine Sprecherin der Lufthansa betonte die Gesprächsbereitschaft des Managements.

Der Streit dreht sich nach Angaben der Gewerkschaft vor allem um die Arbeitsplatzsicherheit der rund 4500 Piloten, die in den Geltungsbereich des Konzerntarifvertrags fallen. Sie verlangen einen vertraglichen Schutz vor der Verlagerung von Flügen in kostengünstigere Tochterfirmen des Konzerns. Die Lufthansa sieht darin einen Eingriff in ihre unternehmerische Freiheit und will nur über Jobgarantien für die bereits beschäftigten Piloten verhandeln.

Von diesem Montag an werden alle Abflüge aus Deutschland bestreikt, wie der Cockpit-Vertreter erklärte. Maschinen aus dem Ausland würden noch in die Heimat geflogen und dann ebenfalls stillgelegt. Insofern sei damit zu rechnen, dass die beiden großen Drehkreuze Frankfurt am Main und München mit abgestellten Maschinen vollliefen. Die Gewerkschaft geht davon aus, dass es der Lufthansa im Laufe der Woche immer schwerer fallen werde, noch einen Ersatzverkehr anzubieten.

Der Streik wird nach Angaben der Lufthansa einen direkten Schaden von rund hundert Millionen Euro verursachen. Neben dem Passagiergeschäft der Lufthansa und Germanwings ist auch die Frachttochter Lufthansa Cargo betroffen. "Es geht sehr schnell um sehr viel Geld", sagte Lufthansa-Vizechef Christoph Franz. "Das ist ein absolutes Novum für dieses Unternehmen und wohl auch ein Novum in der europäischen Luftfahrtgeschichte", sagte ein Sprecher zur Streikdauer. Im Schnitt zählt die Lufthansa jeden Tag rund 150.000 Fluggäste - dementsprechend werden ab Montag Zehntausende Passagiere täglich von den Ausfällen betroffen sein.

sto/dpa/AP



insgesamt 1792 Beiträge
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Seite 1
Sunny, 17.02.2010
1.
Fragen wir doch mal Guido.. ;) Aber im Ernst: Piloten haben sicher einen anstrengenden und verantwortungsvollen Job, aber den haben andere Berufsgruppen mit wesentlich geringerem Salär auch (Busfahrer z.B. - und unter der Annahme, dass die Angaben zu den Gehältern stimmen). Bleibt also die Frage: was sind die Fluggesellschaften zu zahlen bereit, und das testen die Piloten jetzt aus. Ist ja auch mindestens 2 Jahre her, seit das letzte Mal Piloten gestreikt haben... Kurze Frage: wer bezahlt eigentlich eine Pilotenausbildung? Geht der Pilot in Vorleistung?
unente, 17.02.2010
2.
"Cockpit" will für Arbeitsplatzsicherheit streiken, nicht für mehr Geld. ---Zitat von spon--- ...Kern der aktuellen Auseinandersetzung ist der Wunsch der Arbeitnehmer, die Auslagerung von Stellen in billigere Tochtergesellschaften zu stoppen, was der Konzern aber nicht ausschließen will. *Für eine derartige Zusage wären die Piloten auch zu einer Nullrunde beim Gehalt bereit*... ---Zitatende---
Kalix 17.02.2010
3. Auf zu neuen Ufern !
Die Probleme mit Sysop werden grösser. In einer marktwirtschaftlichen Tarifauseinandersetzung ist es vollkommen egal, ob wie hier die Piloten gut verdienen oder nicht. Es geht ausschliesslich um den Interessenausgleich zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Die Lufthansa hat trotz stärkstem Wettbewerb gute Erträge; garantiert unter anderem durch den Einsatz der Piloten und des fliegenden und nicht fliegenden Personals. Warum sollen hiervon ausschliesslich die Aktionäre profitieren ? Warum sollen die Mitglieder von Cockpit tatenlos zuschauen, wenn ihre Arbeitsplätze weg rationalisiert werden zugunsten von Billigfliegern unter dem Dach der Lufthansa? Ich denke, die Akzeptanz eines Streikes ist von der Bevölkerung erst dann gegeben, wenn Unternehmen wie Lufthansa gezwungen werden, ihre Unternehmensstrategie auch an den Beschäftigten zu orientieren. Wir brauchen mehr Streiks, um das Perfide in den Unternehmensstrategien 1fach unmöglich zu machen. Jede Drohung, Unternehmensverwaltungen in das Ausland zu verlagern, zeigt von der fehlenden moralischen Qualifikation dieser sogenannten Manager, deren Leistung nur im unteren Drittel des Rankings weltweit gewürdigt wird.
highn00n 17.02.2010
4. Naja
Bei der wirtschaftlichen Lage zu streiken ist nicht so ganz ungefährlich. Durch die Wirtschaftskrise ist der Fracht und auch der Personenverkehr so stark zurückgegangen wie noch nie zuvor. Ob da ein Streik wirklich Sinn macht, wenn dann die Airline pleite macht, wage ich zu bezweifeln. Unternehmen müssen Überkapazitäten nun mal abbauen können, um ihr Überleben zu sichern.
dennis.hoppler 17.02.2010
5.
Zitat von sysopPiloten gehören zu den Besserverdienern in Deutschland - insbesondere bei der Lufthansa. Ist ihr Streik trotzdem berechtigt?
Schon wieder diese Boulevard-Vorlage, die am Thema vorbeigeht. Es geht nicht um Gehaltsverhandlungen, sondern um Rettung der Arbeitsplätze in Lufthansa-Cockpits und gegen das vehemente "Outsourcing", das seit Jahren vom Management betrieben wird-entgegen geschlossener Vereinbarungen. Die Pilotenschaft bietet sogar eine Nullrunde an.
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