Preise im Internet: Verbraucherschützer gewinnen Klage gegen Air Berlin und Ryanair

Was eine EU-Verordnung schon seit Jahren vorschreibt, darauf lassen sich Fluggesellschaften nur zögerlich ein: Bei Preisen im Internet müssen alle Gebühren und Zusatzkosten enthalten sein. Jetzt wurden Air Berlin und Ryanair per Gerichtsurteil dazu verdonnert, immer den Endpreis anzugeben.

Air-Berlin-Flugzeuge: Preisangaben im Internet waren unvollständig und irreführend Zur Großansicht
dapd

Air-Berlin-Flugzeuge: Preisangaben im Internet waren unvollständig und irreführend

Berlin - Eigentlich sollten Kunden bei Buchungen im Internet auf Anhieb den endgültigen Flugpreis erkennen können - doch nicht immer werden alle Gebühren und Zusatzkosten eingerechnet. So wie bei Ryanair und bis vor kurzem bei Air Berlin. Das Berliner Kammergericht wertete Preisangaben der beiden Fluggesellschaften im Internet als unvollständig und irreführend, wie der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) am Montag in Berlin mitteilte. Die Richter hätten damit zwei Klagen der Verbraucherschützer stattgegeben. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Bei Air Berlin wurde den Kunden nach der Eingabe von Datum, Abflug- und Zielort in die Buchungsmaske laut vzbv eine Tabelle mit den Preisen ausgewählter Flüge gezeigt, in der die Preise viel zu niedrig angesetzt waren. So enthielten sie weder Steuern, Flughafengebühren noch den Kerosinzuschlag. Auch die Servicegebühr für die Zahlung per Lastschrift oder Kreditkarte fehlte demnach. So sei für einen Flug von Berlin nach Frankfurt am Main zum Beispiel nur ein Preis von 41 Euro angegeben worden, obwohl der Kunde letztendlich 74 Euro zahlen musste.

Der Gesamtpreis sei nur für einen angeklickten Flug und nur unter der Preistabelle aufgeführt worden, kritisierte der vzbv. Den Verbraucherschützern zufolge stellten die Richter klar, dass es nicht ausreiche, den Endpreis an irgendeiner Stelle im Buchungsvorgang zu nennen.

Ryanair hatte bei Online-Buchungen die Bearbeitungsgebühr von fünf Euro für die Bezahlung des Tickets nicht mit angegeben, wie die Verbraucherschützer monierten. Kostenfrei seien lediglich Zahlungen mit einer in Deutschland fast unbekannten Prepaid-Karte gewesen. Kunden hätten von der Extragebühr aber erst im dritten Buchungsschritt erfahren. Laut vzbv schlossen sich die Richter der Auffassung an, dass die Gebühr für die meisten Kunden unvermeidlich und deshalb in den Endpreis mit einzurechnen sei.

Air Berlin protestiert gegen die Darstellung des vzbv. Der Vorgang, der die Verbraucherschützer zur Klage eingereicht hätten, stamme aus dem Jahr 2008, sagte eine Sprecherin. Damals habe die EU-Verordnung zu Flugpreisen im Internet noch nicht gegolten, heute würde der Endpreis am Beginn der Buchung angegeben.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband hält dagegen, dass sich Air Berlin nie nachhaltig dazu bekannt hätte, ihre Praxis der unvollständigen Preisangabe einzustellen. Die Fluggesellschaft habe sich geweigert, eine Unterlassungserklärung zu unterschreiben, sagt vzbz-Juristin Kerstin Hoppe. Die Verbraucherschützer hätten mit der Klage Rechtssicherheit auch für die Zukunft erlangen wollen.

Die EU-Verordnung schreibt seit November 2008 vor, dass Flugpreise gegenüber Verbrauchern immer inklusive Steuern, Gebühren, Zuschlägen und sonstiger Entgelte angegeben werden müssen. Da sich viele Fluggesellschaften aber nicht daran halten, hat der vzbv nach eigenen Angaben bereits zahlreiche Abmahn- und Klageverfahren eingeleitet.

ablAFP

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