Hamburg-Köln-Express: Privat-Schnellzug vor dem Start

Am Montag startet der private Hamburg-Köln-Express seine erste Fahrt. Mit billigen Tickets soll der Zug der Deutschen Bahn Konkurrenz machen - und bietet seinen Fahrgästen zum Auftakt den Erste-Klasse-Plüsch der siebziger Jahre.

Hamburg-Köln-Express: Ab 20 Euro pro Strecke - Nostalgie inklusive Zur Großansicht
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Hamburg-Köln-Express: Ab 20 Euro pro Strecke - Nostalgie inklusive

Hamburg - Die Deutsche Bahn bekommt an diesem Montag einen neuen Konkurrenten im Fernverkehr. Der Hamburg-Köln-Express (HKX) fährt mindestens einmal am Tag von der Elbe an den Rhein und zurück. Um 6.35 Uhr startet der HKX in Hamburg-Altona. Zurück geht's von Köln um 12.01 Uhr. Von Donnerstag bis Sonntag verkehren weitere Züge.

Der Zug fährt unter anderem über Essen, Gelsenkirchen und Münster, hält aber nicht in Bremen. Die HKX-Betreiber werben mit "Fahrzeiten so schnell wie der IC" und günstigen Preisen. Die Fahrkarten werden über das Internet verkauft. Zum Start kostet die einfache Fahrt inklusive Reservierung zwischen 20 und 60 Euro für die ganze Strecke. Ob es 20 Euro, 50 Euro oder 60 Euro sind, hängt davon ab, für welchen Tag man bucht. Wer nur einen Teil der Strecke fährt, ist laut Werbung ab 5 Cent pro Kilometer dabei.

In Deutschland hat die Bahn zwar in vielen Regionen Konkurrenten im Nahverkehr. Wettbewerb auf einer Fernstrecke gibt es bisher aber nur auf der Route Leipzig-Rostock. Verkehrswissenschaftler Daniel Krimphoff von der Uni Münster hält die Verbindung Köln-Hamburg sehr gut geeignet für einen Angriff auf die bundeseigene Deutsche Bahn: "Es ist eine Strecke mit einer extrem hohen Auslastung." Außerdem sei es keine Hochgeschwindigkeitstrasse. Eine solche wäre ein K.o.-Kriterium, denn der Betrieb von ICE-Zügen sei für Neueinsteiger nicht zu finanzieren. Die Zielgruppe des HKX seien wahrscheinlich zunächst eher Studenten, Wochenpendler und Familien, erwartet Krimphoff. Geschäftsreisende bräuchten Züge mit festem Stundentakt.

Hinter HKX stehen die US-Firma Railroad Development Corporation, die Berliner Firma locomore rail und der aus Kanada stammende Investor Michael Schabas. Die Deutsche Bahn reagierte zum Start gelassen auf den Nebenbuhler. Man sei darauf eingestellt, dass Wettbewerb "der Regelfall" sei, sagte eine Sprecherin in Berlin. "Im Regionalverkehr haben wir diesen seit über 15 Jahren und auch im Fernverkehr gibt es bereits Konkurrenz. Es ist gut, wenn unsere Kunden auch im Fernverkehr vergleichen können." Die DB beobachte den Wettbewerb aufmerksam, sei aber von ihren Angeboten überzeugt.

Gerade für die Strecke Hamburg-Köln ist das eine ziemlich mutige Aussage, denn in dieser Relation setzt die deutsche Bahn überwiegend Waggons ein, die mehrere Jahrzehnte alt sind und denen man ihr Alter auch deutlich ansieht. Nostalgisch wird es allerdings zunächst auch beim HKX zugehen: Ein modernisierter Zug ist noch nicht rechtzeitig einsatzbereit, deswegen rollt der Express zunächst mit plüschigen Intercity-Wagen aus den siebziger Jahren zum Einsatz. Immerhin - es handelt sich um ehemalige Wagen der ersten Klasse.

ric/dpa

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insgesamt 65 Beiträge
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1. 70er-Plüsch besser als 90er-Plastik
Billy Bob Winchester 22.07.2012
Ich weiß nicht, warum Journalisten Hartplastikschalensitze mit dünnem Stoffbezug besser finden als Plüschsitze mit Federkern. Klären Sie mich bitte auf, ric.
2. Zitat
radikalerkapitalist 22.07.2012
"Man sei darauf eingestellt, dass Wettbewerb "der Regelfall" sei, sagte eine Sprecherin in Berlin." :D:D:D:D:D:D:D:D
3. !
mad_man_walking 22.07.2012
Zitat von Billy Bob WinchesterIch weiß nicht, warum Journalisten Hartplastikschalensitze mit dünnem Stoffbezug besser finden als Plüschsitze mit Federkern. Klären Sie mich bitte auf, ric.
Genau ! Die alten 6er Abteile waren auch bei weitem nicht so laut und ungemütlich wie die "neuen" Großraumwagen. Kein Grund zur Häme...eher ein Grund den Zug einmal zu fahren !
4.
Robert_Rostock 22.07.2012
Zitat von sysopDPAAm Montag startet der private Hamburg-Köln-Express seine erste Fahrt. Mit billigen Tickets soll der Zug der Deutschen Bahn Konkurrenz machen - und bietet seinen Fahrgästen zum Auftakt den Erste-Klasse-Plüsch der siebziger Jahre. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,845764,00.html
20 Euro oder 50 Euro oder 60 Euro, nicht planbar, wie es gerade so kommt, was die Homepage gerade so ausspuckt. Und der DB AG wird immer vorgeworfen, bei ihr gäbe es ein undurchschaubares Tarif-Chaos. Dabei bezahle ich für die direkte Verbindung mit IC der DB immer maximal 41,50 €. Egal wann ich fahren will.
5.
Robert_Rostock 22.07.2012
Zitat von Billy Bob WinchesterIch weiß nicht, warum Journalisten Hartplastikschalensitze mit dünnem Stoffbezug besser finden als Plüschsitze mit Federkern. Klären Sie mich bitte auf, ric.
Ich wüsste nicht, dass bei der Deutschen Bahn im Fernverkehr Hartplastikschalensitze mit dünnem Stoffbezug eingesetzt werden. Die gibt es meines Wissens nur im Nahverkehr. Da allerdings auch bei den privaten Konkurrenten. Allerdings ist der Komfort der jetzt von HKX eingesetzten ehemaligen ersten Klasse natürlich besser als der der jetzigen zweiten Klasse. Lustig ist, dass laut Spon von HKX beim Start "nur" der Plüsch der 70er Jahre angeboten werden kann, weil die modernisierten Fahrzeuge nicht rechtzeitig fertig geworden sind. Bei diesen Fahrzeugen handelt es sich um ehemalige Triebzüge der Österreichischen Bundesbahn, bei denen HKX den Antrieb ausbauen ließ und sie als lokbespannte Züge einsetzen will. Die Fahrzeuge der ehemaligen ÖBB-Baureihe 4010 stammen aus den 60er Jahren... ÖBB 4010 (http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96BB_4010)
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