Rostock/Hamburg - Der Protest gegen das Mohammed-Video wirkt sich nun auch auf die Tourismusbranche aus: Einige Anbieter von Kreuzfahrten auf dem Mittelmeer änderten bereits ihre Routen. Die Reedereien Aida Cruises und Cunard Line haben zwei Häfen in Ägypten aus ihrem Programm gestrichen. Ursprünglich hätte die "Aida Diva" am Montag in Port Said festmachen sollen, sagte eine Sprecherin des Konzerns in Rostock. Stattdessen blieb das Kreuzfahrtschiff den ganzen Tag auf See.
Die Routenänderung habe das Unternehmen bereits am Samstag beschlossen, als deutlich wurde, dass die seit Tagen andauernden Proteste gegen ein islamfeindliches Video in der arabischen Welt nicht abnehmen.
Auch Tunesien wolle das Unternehmen vorerst meiden, kündigte Aida Cruises am Montag an. Planmäßig sollten die Passagiere der "Aida Bella" am kommenden Mittwoch in Tunis an Land gehen. Stattdessen werde das Schiff Kurs auf das spanische Barcelona nehmen.
Die "Queen Elizabeth" aus der Reederei Cunard Line hatte am Samstag nicht wie geplant Alexandria in Ägypten angelaufen, sondern stattdessen sicherheitshalber vor Rhodos festgemacht. "Die Sicherheit der Passagiere steht an erster Stelle", sagte ein Sprecher der Reederei in Hamburg.
TUI Cruises hat nach eigenen Angaben bislang noch keine Routen geändert, da derzeit kein Schiff der Reederei in betroffenen Gebieten unterwegs sei. Am Sonntag soll ein TUI-Schiff einen Hafen in Tunesien anlaufen. Ob die Route noch geändert wird, werde das Unternehmen in den nächsten Tagen entscheiden, sagte eine Sprecherin. "Wir werden die Situation sehr genau beobachten." Spätestens zum Beginn der Reise am Freitag werde feststehen, ob die Häfen wie geplant angefahren werden können.
Dass Reedereien die Routen ihrer Kreuzfahrtschiffe ändern, kommt immer wieder vor. Aus Angst vor Piratenüberfällen etwa mieden im Jahr 2009 viele Unternehmen wochenlang den Golf von Aden. Auch politische Unruhen sind immer wieder Grund für Streckenänderungen.
Diskussion um ein Aufführungsverbot
Seit Tagen versetzt der von fundamentalistischen Christen in den USA produzierte Film "Die Unschuld der Muslime" weltweit Millionen Muslime in Wut. Sie empfinden das Video, das im Internet zu sehen ist, als eine Schmähung ihres Propheten Mohammed. Auch die deutsche Botschaft im Sudan war Ende der Woche von aufgebrachten Gläubigen angegriffen und in Brand gesetzt worden.
Die Bundesregierung will die geplante öffentliche Vorführung des umstrittenen Anti-Islam-Films verhindern, damit die globale Welle der Gewalt nicht nach Deutschland überschwappt. Dazu prüfen die Sicherheitsbehörden nach Angaben von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein Aufführungsverbot. "Ich kann mir vorstellen, dass es gute Gründe für ein Verbot gibt", sagte sie am Montag. Ähnlich äußerte sich Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU). SPD und Grüne sowie die Gewerkschaft der Polizei warnen hingegen vor voreiligen Einschränkungen der Kunst- und Meinungsfreiheit.
Die rechtspopulistische Partei Pro Deutschland hat den Anti-Islam-Film am Montagnachmittag in voller Länge circa eine Stunde als Link auf ihrer Internetseite zum Ansehen bereitgestellt. Zudem plant Pro Deutschland, den Film im November in Berlin öffentlich zu zeigen, wie der Vorsitzende Manfred Rouhs der Nachrichtenagentur dapd sagte. Er rechnet damit, dass sich "viele hundert interessierte Menschen" den Film ansehen wollen.
jus/dpa/dapd
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