Airbus gerät in Wirbelschleppe "Wie in einer Achterbahn, kurz bevor es abwärts geht"

Gefährliche Turbulenzen: Eine australische Qantas-Maschine ist in die Wirbelschleppe eines anderen Airbus geraten. Das Flugzeug drehte mit einem heftigen Ruck ein, der Pilot reagierte besonnen.

Wirbelschleppe hinter einem Flugzeug (Archiv)
Getty Images / Nutkamol Komolvanich

Wirbelschleppe hinter einem Flugzeug (Archiv)


Ein Airbus SE A380 der australischen Fluggesellschaft Qantas ist in die Wirbelschleppe eines anderen Superjumbos geraten. Ein heftiger Ruck habe die Maschine erschüttert, teilte Qantas mit. Sie sei rund 20 Seemeilen (etwa 37 Kilometer) hinter dem anderen Flugzeug geflogen.

Als Wirbelschleppe bezeichnet man die gegenläufig drehenden Luftverwirbelungen hinter fliegenden Flugzeugen. Je größer und schwerer das Flugzeug, desto größer die Wirbelschleppe - und desto gefährlicher wird es für dahinter fliegende Maschinen. Bei Start und Landung müssen die Fluglotsen daher immer zunächst abwarten, bis sich die Wirbel verflüchtigt haben, bevor sie dem nächsten Piloten eine Start- oder Landeerlaubnis erteilen.

In der Luft kann die Wirbelschleppe eines Flugzeugs eine andere Maschine so hart treffen, dass diese außer Kontrolle gerät. Besonders hinter großen Jets wie dem A380 muss daher ausreichend Abstand gehalten werden.

"Wie in einer Achterbahn"

Im Fall von Qantas flogen zwei Superjumbos offenbar zu dicht hintereinander. "Ich hatte ein Gefühl, wie wenn man ganz oben auf einer Achterbahn ankommt, kurz bevor es abwärts geht", sagt ein Passagier, der an Bord des A380 war, als dieser in die Wirbelschleppe geriet. "Dann hat sich das Flugzeug nach links eingedreht." Doch der Kontrollverlust habe nur etwa zehn Sekunden gedauert. "Und der Pilot hat sofort gesagt, was los war, das hat beruhigt."

Die US-Flugbehörde, die während des Qantas-Flugs von Los Angeles nach Melbourne den Luftverkehr kontrollierte, machte keine Angaben über den Mindestabstand, den zwei A380 in der Luft halten müssen. Kleinere Jets müssten demnach mindestens acht Seemeilen (rund 15 Kilometer) Abstand von großen Maschinen halten. "Als es passierte, stieg die Maschine etwa 30 Meter auf und fiel dann zurück auf ihre Reisehöhe", sagte ein Qantas-Sprecher. "Der Pilot reagierte sofort, um wieder aus der Wirbelschleppe herauszukommen."

Im vergangenen Jahr sorgte ein Unfall über dem Arabischen Meer für Aufsehen: Ein deutscher Privatjet startete im Januar auf den Malediven, fast zeitgleich startete ein A380 in Dubai. Zwei Stunden später flogen sie in gegenläufiger Flugrichtung übereinander hinweg - der Businessjet geriet dabei in die Wirbelschleppe des mehr als 520 Tonnen schweren Jumbojets. Das kleinere Flugzeug drehte sich daraufhin mehrmals um die eigene Achse, der Pilot verlor die Kontrolle. Mit einem Triebwerkschaden konnte die Maschine sicher auf dem Ausweichflughafen Muscat in Oman landen.

Im Video: Wie gefährlich sind Wirbelschleppen?

DER SPIEGEL

Der Vorfall löste Diskussionen um die Luftsicherheit aus: Welche Konsequenzen müssen aus solch einem Unfall gezogen werden? Muss der vertikale Abstand zwischen allen Flugzeugen erhöht werden? Das würde den Luftraum empfindlich verkleinern und für die Fluggesellschaften höhere Kosten bedeuten.

kry/Reuters



insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
Plasmabruzzler 14.06.2018
1.
"Ein deutscher Privatjet startete im Januar auf den Malediven, fast zeitgleich startete ein A380 in Dubai." - Nein, er startete ca. gleichzeitig. Zeitgleich würde voraussetzen, das beide Maschinen für den Start die exakt gleiche Zeit benötigen - und diese Ereignisse müssen nicht einmal am selben Tag, sondern zum x-beliebigen Zeitpunkt stattfinden.
smartphone 14.06.2018
2. Unwichtige Gleichzeitigkeit
Entscheidend ist , dass sich der jeweilige Kurs zur "rechten" Zeit überkreuzt ... also beide so nah zueinander fliegen ,dass eben einer in den aktiven Wirbel des anderen dummerweise einfliegt . Wichtig ist , wie schnell der Wirbel des "Vorausfliegers" absinkt ( wenn man wie hier hintereinander herfliegt) und wie genau die Flughöhe eingestellt. Bei DER Flugdichte heutzutage ist es fahrlässig bei Normalflug sich abzuschnallen ....
swnf 14.06.2018
3. Da ist der Duden aber anderer Meinung
Zitat von Plasmabruzzler"Ein deutscher Privatjet startete im Januar auf den Malediven, fast zeitgleich startete ein A380 in Dubai." - Nein, er startete ca. gleichzeitig. Zeitgleich würde voraussetzen, das beide Maschinen für den Start die exakt gleiche Zeit benötigen - und diese Ereignisse müssen nicht einmal am selben Tag, sondern zum x-beliebigen Zeitpunkt stattfinden.
Nein, zeitgleich bedeutet auch gleichzeitig! Die Verwendung hier ist also durchaus korrekt!
2cv 14.06.2018
4. A380 oder Jumbo Jet?
Der Airbus A380 ist ein Grossraum-Passagierflugzeug, aber kein Jumbo oder ein Jumbo Jet. Letztere Begriffe gehören historisch traditionell zum Modell Boeing747.
Hans58 14.06.2018
5.
Viel interessanter als die Diskussion um die Gleichzeitigkeit ist die Tatsache, dass es sich bei den beiden Flugzeuge um jeweils einen A 380 der Qantas handelte, die im Abstand von rund 1,5 Minuten in Los Angeles gestartet sind, die eine auf dem Weg nach Melbourne, die andere auf dem Weg nach Sidney. Man wird sich über das Problem mit den wake turbulences früher oder später ernsthaft zu befassen haben, da scheinbar nicht nur "leichte" Flugzeuge damit Schwierigkeiten haben, sondern auch Flugzeuge mit dem Rufzeichenzusatz "super heavy" .
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