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29. Dezember 2012, 12:23 Uhr

Virusverdacht auf der "Queen Mary 2"

Room-Service mit Zwieback

Auf dem Cunard-Kreuzfahrtschiff "Queen Mary 2" ist vermutlich das Noro-Virus ausgebrochen - 194 Passagiere sind mit Magen-Darm-Beschwerden erkrankt. Für die Infizierten verläuft die Reise bitter, sie sollen in ihren Kabinen bleiben. Doch auch gesunde Reisende spüren die Auswirkungen der Epidemie.

Saint Lucia - 194 Passagiere an Bord des Kreuzfahrtschiffs "Queen Mary 2" hatten sich ihre Traumreise bestimmt anders vorgestellt. Doch nachdem auf dem Cunard-Cruiser vermutlich das Noro-Virus ausgebrochen ist, gehen an Bord des Luxusliners unerfreuliche Dinge vor sich: Bordmediziner nehmen Stuhlproben von Infizierten, das Bordpersonal wichst und wienert im Viertelstundentakt Relings und Türgriffe, um eine Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Am Dienstag, den 26. Dezember hatte die Cunard-Kreuzfahrtlinie den Ausbruch der Krankheit an Bord der "Queen Mary 2" bekanntgegeben. Die Reedereien sind verpflichtet, derartige Epidemien an die amerikanische Gesundheitsbehörde zu melden, sobald mehr als zwei Prozent der Reisenden an einer Magen-Darm-Infektion erkrankt sind. Vor einigen Tagen waren bereits auf dem Kreuzfahrtschiff "Emerald Princess" 189 infizierte Passagiere und 31 erkrankte Mannschaftsangehörige gemeldet worden.

An Bord der "Queen Mary 2", die zurzeit in Saint Lucia in der Karibik liegt und am Donnerstag in New York zurückerwartet wird, reisen 2613 Passagiere und 1255 Crew-Mitglieder - und die arbeiten jetzt auf Hochtouren. Vor allem, weil der Reinigungs- und Desinfektionsaufwand an Bord drastisch erhöht wurde. Aber auch, weil den Passagieren empfohlen wird, ihr Essen in den A-la-carte-Restaurants einzunehmen und nicht an den Buffets, weil dort die Ansteckungsgefahr größer ist.

Besonders bitter aber verlief die Reise für die 194 als infiziert gemeldeten Passagiere. Zwar sind die meisten von ihnen inzwischen genesen, doch einen großen Teil der mit Preisen ab rund 2500 Euro nicht ganz billigen Reise bekamen sie gar nicht mit. Auf Empfehlung des Kapitäns sollen Erkrankte so lange in ihrer Kabine bleiben, bis sie nicht mehr ansteckend sind - und auch auf die zahlreichen Landgänge die im Verlauf der Kreuzfahrt angeboten werden, verzichten.

Das Versprechen, die Kosten für die Landausflüge erstattet zu bekommen, dürfte den Frust nur wenig gelindert haben. Genauso wenig übrigens wie das Versprechen des Kapitäns, allen infizierten Passagieren in Quarantäne einen Room-Service zu spendieren - denn was kann der schon bringen bei einer Magen-Darm-Erkrankung?

mhe/reu

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