Verkehrsplan für 2020: Regierung will mehr Bürger aufs Rad bringen

Zweirad statt Auto: Das Verkehrsministerium will bis 2020 den Anteil von Radfahrern am Verkehr auf rund 15 Prozent erhöhen. Dazu hat das Kabinett eine ganze Reihe von Maßnahmen beschlossen. Die finanziellen Mittel dafür sind allerdings knapp.

Umweltfreundliches Verkehrsmittel: Etwa 70 Millionen Fahrräder gibt es in Deutschland Zur Großansicht
dapd

Umweltfreundliches Verkehrsmittel: Etwa 70 Millionen Fahrräder gibt es in Deutschland

Berlin - Das Bundeskabinett hat einen neuen Verkehrsplan beschlossen, um den Anteil der Radfahrer am Verkehr bis 2020 von 10 auf rund 15 Prozent zu steigern. Derzeit gibt es laut Verkehrsministerium etwa 70 Millionen Fahrräder in Deutschland, 80 Prozent der Haushalte haben mindestens ein Fahrrad. Zudem gibt es in immer mehr Städten Ausleihsysteme. Durch ein enges Zusammenspiel zwischen Bund, Ländern und Kommunen soll der wachsenden Bedeutung des Radverkehrs Rechnung getragen werden - zugleich werden aber die Bundesmittel für den Bau von Radwegen im Entwurf für den Haushalt 2013 weiter gekürzt.

Die Grünen vermissen konkrete Vorgaben und Ziele im Radverkehrsplan. Der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Anton Hofreiter (Grüne), warf Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) mangelnden Einsatz für den zunehmenden Radverkehr vor. "Die Anstrengungen des Ministers sind nicht ausreichend", sagte Hofreiter.

Vorbild Kopenhagen

In dem Plan ständen viele interessante Dinge, aber wie so oft bei Ramsauer gebe es eine große Lücke zwischen den Worten und der Umsetzung, sagte Hofreiter. Der Realitätstest seien die zur Verfügung stehenden Mittel im Bundeshaushalt. "Die Mittel für den Radwegebau sind von 100 Millionen auf 50 Millionen pro Jahr zusammengekürzt worden", kritisierte er mit Blick auf den Haushalt für 2013. Zudem gebe es im Ministerium nur zweieinhalb Stellen für den Radverkehr.

Das Ministerium selbst betonte, nach 86 Millionen im Jahr 2011 stünden für das laufende Jahr 76 Millionen Euro für den Radverkehr zur Verfügung. Hofreiter räumte ein, dass viele Verbesserungen auf kommunaler Ebene geschehen müssten.

Angesichts hoher Spritkosten und einer starken Zunahme von Elektrorädern, sogenannter Pedelecs, steigt die Zahl der Radfahrer bundesweit rasant an. Dank der elektrischen Hilfsantriebe werden auch längere Strecken attraktiver. "Damit sind auch Strecken von 15 Kilometern und mehr auch für den untrainierten Radfahrer zurückzulegen. Daher bräuchte man mehr Geld für den Radwegebau", sagte Hofreiter.

Als Vorbild für ein zukunftsweisendes Radwegekonzept lobte er das Modell Kopenhagen. In der dänischen Hauptstadt gebe es eigene Radstraßen für Pendler, über die man aus der Umgebung fast kreuzungsfrei in das Zentrum fahren könne. "Solche Konzepte müssten auch vom Bund mitentwickelt werden, etwa entlang von Bundesstraßen."

Laut dem Entwurf prüft das Bundesverkehrsministerium auch härtere Strafen gegen Radfahrer, die Verkehrsregeln missachten. Dazu heißt es wörtlich: "Der Bund prüft derzeit gemeinsam mit den Ländern, ob und inwieweit das Sanktionsniveau im Bereich des Radverkehrs erhöht werden soll."

Verkehrsminister Ramsauer hatte wiederholt ein rücksichtloses Verhalten einiger Radfahrer kritisiert. Auch die Gewerkschaft der Polizei forderte härtere Strafen für "Kampfradler". Zugleich wird in dem Entwurf aber auch betont, dass außerdem neue Sanktionen für Autofahrer geprüft werden sollen, etwa für unzulässiges Parken oder Halten auf Radwegen.

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insgesamt 60 Beiträge
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1. Warum erst 2020
Rheinwein 05.09.2012
...und warum nur (!) von 10% auf 15%...?? Es hätte mich auch gewundert, wenn "unser" Verkehrsminister mal etwas Brauchbares produzieren würde. ;-))
2.
gazettenberg 05.09.2012
Zitat von sysopdapdZweirad statt Auto: Das Verkehrsministerium will bis 2020 den Anteil von Radfahrern am Verkehr auf rund 15 Prozent erhöhen. Dazu hat das Kabinett eine ganze Reihe von Maßnahmen beschlossen. Die finanziellen Mittel dafür sind allerdings knapp. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,854009,00.html
Mit einem erklärten Fahrradhasser wie Ramsauer wird das sowieso nichts. Schade um die verlorene Zeit. Und was soll der Quatsch mit den Helmen? Bei Autofahrern ist die Helmtragequote trotz höherem Verletzungsrisiko noch viel geringer. Interessiert aber offenkundig niemanden.
3. typisch Deutsch
level 05.09.2012
Theorien ohne Ende — wir brauchen einfach nur Radfahrwege, ’ne Luftpumpe kann an auch selber mitnehmen, und wozu Schlauchautomaten — meinen die Kondome? Und lasst diese Elektrofahrzeuge nicht auf die Radfahrwege, das sind Mopeds. Gesetzesgeschwüre sind dazu da, einem von etwas abzuhalten.
4. Und was dann?
kritiker111 05.09.2012
Fußgänger brauchen dann gar nicht mehr aus dem Haus - denn in manchen Gegenden ist das jetzt schon mehr als nur ein Übel,es wirdimmer gefährlicher! Aber eine "Erziehung" der Radfahrer zu verkehrsgerechtem und vorschriftsmäßigem Verhalten ist anschaiend (wenige Städte bilden eine kleine Ausnahme) nicht vorgesehen! Auch die volkswirtschaftlichen Schäden, die im Straßenverkehr durch Radfahrer (deren Vergehen so gut wie nicht geahndet werden) verursacht werden, sind "nicht ohne"! Die offiziellen Statistiken geben da nur wenig her, da die meisten durch Radfahrer verurachten Unfälle gar nicht erst gemeldet werden! Wie auch? Die stereotype Antwort der Polizei: Wie sollen wird den Fahrer ermitteln? Nein, liebe Politiker, so geht es nicht weiter! Oder zahlt Ihr mir die durhc Radfahrer verursachten Schäden? Einmal komplett Implantate (mit monatelangen Problemen, vbis der Kiefer überhaupt verheilt war), weil ich auf dem Gehweg von einem Radfahrer "niedergemacht" wurde! Oder runde 20,000 Euro Schaden am Fahrzeugm, nach einem ziemlich gewaltigen Crash, der durch einen bei Rot fahrenden Radfahrer verursacht wurde!Polizei:Was sollen wir da machen, wir können nur den Unfall aufnehmen! Gut, die Kasko hat gezahlt, aber dafür kam natürlich die Rückstufung - auch nicht ohne Wenn mehr Radfahrer, dann bitte mit entsprechender "Verkehrsaufsicht", Erkennbarkeit und einer vorgeschriebenen Haftpflichtversicherung, denn meist (wie aus dem Bekanntenkreis erfahren) ist nichts zu holen!
5. ...und die altertümlichen Gesetze?
fahrgast07 05.09.2012
Immerhin tut sich was im Radverkehr, wenn auch nur langsam. Wann aber werden die altertümlichen Gesetze angepackt? Etwa das Verbot von Akku-Lampen? Oder die Radwegebenutzungspflicht, die selbst dann gilt, wenn ein Radweg unbrauchbar ist? Der Weg zu holländischen Verhältnissen ist noch sehr weit. Die Deutschen lieben eben ihren Stau.
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