Frankfurt - Seit mehr als 90 Minuten lässt der ICE nach Paris nun schon auf sich warten. Vor dem Frankfurter Hauptbahnhof demonstrieren am frühen Montagmorgen Bahnmitarbeiter für mehr Geld, drinnen vertreibt sich Maschinenbauingenieur Rainer Iseler die Zeit mit Lesen. Seinen Termin auf einer französischen Baustelle muss er verschieben.
In der Schalterhalle bilden sich Schlangen, nur zwei Bahnmitarbeiter verkaufen Tickets. Die anderen haben wegen eines Tarifstreits die Arbeit niedergelegt, genau wie rund tausend Kollegen an anderen deutschen Bahnhöfen und Stellwerken. Iseler zeigt dafür Verständnis: "Wenn es keine Einigung gibt, muss gestreikt werden."
In Frankfurt haben am Montag aufgrund eines Warnstreiks viele Züge Verspätung, einige Verbindungen wurden komplett annulliert. Bundesweit fielen rund 150 Züge ganz oder teilweise aus. Hunderte weitere hatten eine Verspätung von bis zu zwei Stunden. Die Behinderungen betrafen Zehntausende Berufspendler.
Hans-Joachim Klemp ist für den Warnstreik extra früh aufgestanden. Der Verwaltungsangestellte will Flagge zeigen und nicht die Bahnkunden ärgern. "Wir wollen jetzt nicht alles stilllegen. Die Möglichkeit gibt es, aber wir brauchen ja noch etwas in der Hinterhand." Nicht alle wollen sich offen äußern. "Wir reden nicht, wir wollen ja unseren Job behalten", sagt eine Angestellte der DB Sicherheit. Und ein besseres Gehalt bekommen.
Das Angebot der Bahn - in einem ersten Schritt 2,4 Prozent mehr Geld in diesem und weitere 2 Prozent im nächsten Jahr - ist der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zu wenig. "Mehr Geld für alle", fordern die Streikenden vor dem Bahnhof. Rund 250 sind es nach Schätzungen der Polizei. Sie verlangen 6,5 Prozent mehr und neue Verhandlungen in einem Jahr.
"Man muss gerecht bezahlt werden"
Eine ICE-Servicekraft sagt: "Ich mache meine Arbeit richtig gerne, aber man muss auch gerecht bezahlt werden." Eigentlich müsste sie jetzt im ICE nach München Passagieren der 1. Klasse Kaffee servieren. Die würden sich jetzt ärgern, weil sie ihre Getränke selber holen müssten, sagt sie. Wenige Minuten nach dem Gespräch bittet sie darum, ihren Namen zu streichen. Ihr Gruppenleiter hat sie zurückgepfiffen.
Einige Passagiere murren über die Verspätungen. "Streikt, wann ihr wollt, aber nicht auf meine Kosten. Ihr seid Geiselnehmer", schreit ein aufgebrachter Mann. Die meisten Bahnkunden bleiben aber gelassen. 40 Minuten musste Jacob Lehr warten, um zu erfahren, dass sein Zug ausgefallen ist. "Es müssen viele Leute darunter leiden", sagt der junge Arzt. "Aber es kann schon sein, dass die Bahn so verhandelt, dass man streiken muss."
Die Organisatoren des Warnstreiks zeigten sich "absolut zufrieden". Die nächsten Verhandlungsrunden würden zeigen, ob er erfolgreich gewesen ist. Dreimal wurden die Gespräche zwischen Deutscher Bahn und EVG bereits vertagt. Sollte abermals eine Einigung ausbleiben, kündigte der DGB-Regionalvorsitzende Harald Fiedler Konsequenzen an: "Wir kämpfen weiter und sind das nächste Mal wieder hier."
Details sind laut Bahn unter anderem auch erhältlich unter der Kunden-Hotline 01805 99 66 33 (14 Cent pro Minute aus dem Festnetz, maximal 42 Cent pro Minute aus dem Mobilfunknetz), auf der Facebook-Seite der Bahn sowie in den Reisezentren der DB.
Valentin Frimmer/dpa/jus
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