Reisen nach Tunesien und Ägypten: Was Urlauber wissen müssen

Alle Flüge nach Tunis sind gestoppt, das Auswärtige Amt ruft zur Vorsicht in Städten auf. Für Ägypten rät die Behörde von Nilkreuzfahrten und Reisen in andere Touristenziele des Landes ab. Immer mehr Veranstalter streichen jetzt Schiffsreisen und Städtetrips.

Schnorchler am Roten Meer: Badeurlaub in ägyptischen Urlaubsorten ist möglich Zur Großansicht
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Schnorchler am Roten Meer: Badeurlaub in ägyptischen Urlaubsorten ist möglich

Berlin - Am Freitag sind alle Flüge von und nach Tunis abgesagt. Das teilte die Flugbehörde in der Hauptstadt Tunis mit. Die Flughafenarbeiter hätten sich dem Aufruf zum Generalstreik angeschlossen, so die Nachrichtenagentur Reuters. Schon zuvor hatte der Nationalcarrier Tunisair alle internationalen Flüge abgesagt. "Nach aktuellen Informationen starten die Flieger am Samstag wieder normal", sagte eine Sprecherin der Fluglinie.

"Der Streik in Tunesien betrifft nur den Flughafen Tunis sowie die Fluggesellschaft Tunisair", teilte eine Sprecherin des Reiseveranstalters TUI mit. Insgesamt seien rund 20 Hin-und-Rückflüge storniert, auf denen Gäste des Unternehmens gebucht sind. Diese Kunden könnten gebührenfrei umbuchen, die Anzahl der betroffenen Gäste liege im niedrigen dreistelligen Bereich.

Bei der Lufthansa musste ein Flug von Frankfurt nach Tunis am Donnerstag und zurück am Freitag gestrichen werden. Ob ein weiterer Flug am Abend storniert wird, ist noch nicht geklärt, sagte eine Sprecherin der Fluglinie SPIEGEL ONLINE. Die einzige Verbindung bei Germanwings, die am Freitag startet, werde kurz nach dem offiziellen Ende des Generalstreiks um 0.05 Uhr in Tunis landen, sagte eine Sprechern.

Der Großteil der touristischen Flüge gehe laut der TUI-Sprecherin aber nach Enfidha-Hammamet. Diese Flüge könnten ganz normal abgewickelt werden. Die Passagiere müssten sich aber auf Verspätungen einstellen.

Gelandet sind auf dem Flughafen im Nordosten des Landes bereits Maschinen der tunesischen Airline Nouvelair und der türkischen Sunexpress von deutschen Startflughäfen. Ebenso wie Flugzeuge von Air Berlin aus Leipzig und Düsseldorf. Alle vier Flüge am Freitag nach Tunesien finden planmäßig statt, sagte eine Sprecherin von Air Berlin.

Nach der Ermordung des Oppositionspolitikers Mohammed Brahmi hatte die größte Gewerkschaft des Landes, UGTT, zur Arbeitsniederlegung aufgerufen. In den kommenden Tagen sei laut des Auswärtigen Amts mit Demonstrationen zu rechnen, die eskalieren könnten. Die Behörde empfiehlt daher Reisenden, Menschenansammlungen und öffentliche Plätze - vor allem rund um das Freitagsgebet - in den großen Städten zu meiden. Sie sollten die lokale Medienberichterstattung verfolgen.

Ägypten: Veranstalter bieten kostenlose Umbuchungen an

Auch für Ägypten erwartet das Amt neue Massendemonstrationen. Von Reisen in große Teile des Landes rät es derzeit dringend ab. Das gilt auch für Kairo und die Touristenzentren in Oberägypten (Luxor und Assuan) sowie Nilkreuzfahrten.

Nicht betroffen davon sind die Urlaubsregionen am Roten Meer auf der Festlandseite Ägyptens und auf dem Sinai im Küstenstreifen zwischen Scharm el-Scheich und Nuweiba. Da die Auswirkungen der Unruhen in anderen Teilen des Landes nicht absehbar seien, sollten Reisende auch dort besondere Vorsicht walten lassen und die Medienberichterstattung verfolgen. Unbedenklich ist laut Auswärtigem Amt ein Transitaufenthalt am Flughafen Kairo. Dieser funktioniere normal und sei gut gesichert.

Fast alle Veranstalter bieten derzeit kostenlose Umbuchungen oder Stornierungen für Kairo, Oberägypten und Nilkreuzfahrten an.

  • Bei DER-Touristik gilt diese Regelung noch für Anreisen bis zum 3. August, bei TUI bis zum 12. August. FTI bietet die Regelung für Kairo, Assuan und Luxor bis zum 15. August, bei Nilkreuzfahrten bis zum 11. August an. Abgesagt sind derzeit auch alle Ausflüge vom Roten Meer nach Kairo.
  • Thomas Cook hat derzeit nur in den Badeorten am Roten Meer Gäste. Ihnen bietet das Unternehmen nach wie vor nicht an, Reisen kostenlos umzubuchen oder zu stornieren. Denn dort ist die Lage nach Aussage aller Reiseveranstalter noch immer ruhig. Andere Veranstalter bieten für die Badesorte ebenfalls keine kostenlosen Stornierungen an. Die Anfragen der Kunden seien in den vergangenen Tagen aber auch deutlich zurückgegangen.
  • Eine Ausnahme ist derzeit noch Phoenix Reisen. Gäste des Veranstalters dürfen noch bis Ende Juli kostenlos von Reisen ans Rote Meer zurücktreten. Reisen nach Kairo sagte der Veranstalter bis zum 10. August ab. Anschließend dürfen Gäste bis Ende August kostenlos stornieren. Alle Reisen auf dem Nil hat der Veranstalter bis zum 10. August abgesagt. Spätere Reisen, die bis spätestens Ende August gedauert hätten, dürfen Gäste kostenlos stornieren oder umbuchen.
  • Alltours hat sicherheitshalber alle Tagesausflüge aus den Feriengebieten nach Luxor abgesagt. Nach Kairo selbst sowie Luxor oder Assuan bietet der Veranstalter ohnehin keine Reisen an.
  • Nicko Tours hat sich mit seinem Schiff vollständig aus Ägypten zurückgezogen. Die Saison für Nilkreuzfahrten sollte eigentlich im August beginnen und bis Dezember dauern. Der Veranstalter sagte die Touren ab und hat Ägypten auch im kommenden Jahr nicht im Programm.
  • Schauinsland Reisen ist mit zwei Kreuzfahrtschiffen auf dem Nil unterwegs und bietet auch weiterhin Touren an. Der Veranstalter gibt Gästen aber ebenfalls die Option, kostenlos umzubuchen oder zu stornieren. Die Buchungslage sei zwar etwas verhalten, aber wieder steigend. "Das gilt auch für die Nilkreuzfahrten", heißt es beim Unternehmen.

Im Herbst und kommenden Winter wird es so gut wie keine Anläufe von Hochseekreuzfahrtschiffen in Ägypten geben.

  • Am Donnerstag gab MSC Kreuzfahrten bekannt, dass es die "Armonia" im Winter nicht wie geplant ins Rote Meer schicken wird. Stattdessen gibt es Fahrten zu den Kanaren. Geplant waren eigentlich Anläufe in Scharm el-Scheich, Sokhna Port und Safaga. Bereits vor einigen Tagen hatte die Reederei angekündigt, mit der "Fantasia" im Winter Alexandria nicht anzulaufen. Ausweichhafen ist Heraklion auf Kreta.
  • Aida Cruises hatte vor einigen Tagen mitgeteilt, mit der "Diva" bis November statt Port Said Aschdod in Israel anzulaufen. Im Winter soll die "Aida Mar" im Roten Meer unterwegs sein. Laut einer Sprecherin gibt es noch keine Entscheidung, wie mit diesen Reisen verfahren wird.
  • Bei der Holland America Line wurden zwischen August und November mehrere Reisen abgesagt, die nach Port Said und Alexandria führen sollten. Im August und Oktober hätte die "Noordam" unter anderem Alexandria und Port Said angelaufen. Ausweichhäfen sind Aschdod und Haifa beziehungsweise Haifa und Limassol. Auch die "Rotterdam" läuft statt der beiden Häfen im Oktober Aschdod und Haifa an, die "Prinsendam" im Oktober Rhodos und Olympia.
  • Bei Seabourn sind im Herbst drei Fahrten betroffen. Die Fahrt mit der "Legend" am 5. Oktober ab Rom führt statt nach Alexandria nach Santorin und Marmaris. Bei der "Legend"-Fahrt am 20. Oktober von Athen nach Dubai wurden Hurghada, Scharm el-Scheich und Safaga gestrichen. Stattdessen geht es nach Heraklion, Rhodos, Haifa und Aschdod. Die Fahrt der "Odyssey" am 12. Oktober von Athen nach Dubai führt statt nach Hurghada und Safaga nach Kreta und Maskat.
  • Auch Costa plant laut ihrer Homepage im Winter mehrere Ägypten-Anläufe, darunter Fahrten im Roten Meer. Eine Sprecherin wollte zu Details jedoch keine Stellung nehmen, ebenso wenig zu möglichen Umroutungen.

Welche Rechte haben Reisende, wenn sie eine Ägyptenreise gebucht haben?

Bietet der Veranstalter keine kostenlose Stornierung oder Umbuchung einer Reise nach Kairo oder in die Touristenorte in Oberägypten sowie einer Nilkreuzfahrt an, gilt Folgendes: Wenn die Reise massiv beeinträchtigt ist, kann der Urlauber kostenlos von der Reise zurücktreten. Darauf weist Sabine Fischer-Volk hin, Reiserechtsexpertin der Verbraucherzentrale Brandenburg in Potsdam.

Schlechtere Karten hätten Urlauber, die eine Reise ans Rote Meer planen. Kostenloses Stornieren der Reise ist nicht möglich. Wer dort partout nicht hin möchte, sollte mit dem Hotel oder der Fluggesellschaft reden, rät Fischer-Volk. "Wir empfehlen immer, sich um Kulanz zu bemühen." Manchmal ließen sich die Anbieter darauf ein, einen Gutschein für einen späteren Aufenthalt oder Flug auszustellen.

Ein abgesagter Ausflug, etwa vom Roten Meer aus nach Kairo, ist eine nicht erbrachte Leistung. Wer bereits vor Beginn der Reise einen bestimmten Ausflug gebucht hat, der nun umgeroutet wird, kann das Ersatzangebot annehmen, muss aber nicht. Entscheidet er sich dagegen, muss ihm der Veranstalter laut Fischer-Volk das Geld für den Ausflug zurückzahlen, da er nicht die vertraglich vereinbarte Leistung erbringen konnte.

Johanna Uchtmann, Michael Zehender/dpa/Reuters/abl

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