Reiserecht: Passagiere müssen Gepäckverlust schriftlich melden

Im Reisegepäck war wertvoller Schmuck, doch der Koffer ging bei einer Flugreise verloren. Für die Passagierin bedeutete das viel Ärger, Schadensersatz bekam sie trotzdem nicht - unter anderem deshalb, weil sie den Verlust nur telefonisch gemeldet hatte.

Frankfurt/Main - Der Verlust von Reisegepäck muss schriftlich erklärt werden. Wer sich nicht daran hält, verliert seinen Anspruch auf Schadensersatz. Das gilt nicht nur für komplette Gepäckstücke, sondern auch für alles, was sich im Koffer befindet und möglicherweise abhandenkommt oder beschädigt wird.

Außerdem schreibt das Montrealer Übereinkommen Fristen vor, die einzuhalten sind. Werden sie ignoriert, gehen die Ansprüche ebenfalls verloren, betont das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main, wie die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in ihrer Zeitschrift "ReiseRecht aktuell" berichtet.

In dem Fall hatte die Klägerin Schadensersatz für Schmuck verlangt, der aus ihrem Reisegepäck verschwunden war. Darauf habe sie keinen Anspruch, argumentierte das OLG: Einmal habe sie den Verlust zunächst nur mündlich angezeigt. Dabei habe sie mit einem Anruf beim Flughafen nicht einmal mit der Fluggesellschaft direkt telefoniert. Schriftlich habe sie sich erst sechs Monate nach dem Flug gemeldet.

Das Montrealer Abkommen sieht aber in Paragraf 31 vor, dass ein Schaden sofort nach Entdeckung gemeldet werden muss, spätestens aber sieben Tage nachdem das Reisegepäck angenommen wurde.

Hinzu komme, dass ein Schadensersatzanspruch ohnehin verfällt, wenn der Reisende eine erhebliche Mitschuld trägt. Das ist der Fall, wenn wertvolle Gegenstände im Reise- statt im Handgepäck verstaut werden. Gerade bei Schmuck, der nicht viel wiegt und nicht viel Platz beansprucht, erscheine es als zumutbar, ihn im Handgepäck mit an Bord zu nehmen.

Aktenzeichen: 6 U 66/12

sto/dpa

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1.
Hans58 01.03.2013
Zitat von sysopIm Reisegepäck war wertvoller Schmuck, doch der Koffer ging bei einer Flugreise verloren. Für die Passagierin bedeutete das großen Ärger, Schadensersatz bekam sie trotzdem nicht - unter anderem deshalb, weil sie den Verlust nur telefonisch gemeldet hatte. Reiserecht: Passagiere müssen Gepäckverlust schriftlich melden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/aktuell/reiserecht-passagiere-muessen-gepaeckverlust-schriftlich-melden-a-886275.html)
Wenn das, was in dem Artikel beschrieben worden ist, kein vorgezogener Aprilscherz ist, dann hätte man die Dame zusätzlich noch wegen absolut sinnloser Inanspruchnahme eines Gerichts zu Schadensersatz verurteilen sollen (ich weiß, das geht nicht). Dummheit, den Verlust nicht der Airline, sondern dem Flughafen telefonisch mitzuteilen und Unverfrorenheit, dann nach sechs Monaten anzufangen, Schadensersatzforderungen zu stellen.
2. Unverschämtheit
eigene_meinung 01.03.2013
Zitat von Hans58Wenn das, was in dem Artikel beschrieben worden ist, kein vorgezogener Aprilscherz ist, dann hätte man die Dame zusätzlich noch wegen absolut sinnloser Inanspruchnahme eines Gerichts zu Schadensersatz verurteilen sollen (ich weiß, das geht nicht). Dummheit, den Verlust nicht der Airline, sondern dem Flughafen telefonisch mitzuteilen und Unverfrorenheit, dann nach sechs Monaten anzufangen, Schadensersatzforderungen zu stellen.
Was ist das für ein dummer Kommentar? Das Fehlen von Gegenständen im Gepäck fällt einem normalerweise nicht am Flughafen auf, sondern zu Hause bzw. im Hotel. Dann ruft man die Telefonnummer an, die man findet; das kann die Nummer des Flughafens sein. Wenn einem dann telefonisch gesagt wird, man würde sich darum kümmern, dann ist es vielleicht Dummheit (=Vertrauen), aber sicher keine Unverfrorenheit, wenn man das glaubt und zunächst nichts weiter unternimmt. Wenn man dann nach einiger Zeit nichts mehr hört, fragt man nach, wartet auf Antwort, sucht sich einen Rechtsanwalt ... - und das dauert leider seine Zeit. Eine Unverfrorenheit ist es, dass man als Geschädigter zum Schaden auch noch eine Menge Zeitverlust und zusätzlichen finanziellen Verlust und Ärger hat und sich dann auch noch von Richtern und anderen unverschämten Leuten beschimpfen lassen muss.
3.
Hans58 01.03.2013
Zitat von eigene_meinung.... Eine Unverfrorenheit ist es, dass man als Geschädigter zum Schaden auch noch eine Menge Zeitverlust und zusätzlichen finanziellen Verlust und Ärger hat und sich dann auch noch von Richtern und anderen unverschämten Leuten beschimpfen lassen muss.
Sorry, Ihre Replik auf meinen Beitrag zeugt von einer gewissen Naivität, Wirklichkeitsferne und erkennbar wenig Erfahrung bei Flugreisen. Man sollte auch mal das "Kleingedruckte" lesen, bei wem man Gepäckschäden und Gepäckverluste sowie Teilverlust eines Inhalts meldet. Und wer dazu noch Schmuck im aufgegebenen Gepäck transportiert und dann zu Hause feststellt, dass nur ausgerechnet der fehlt, muss sich einiges fragen lassen. Und genau das hat das Gericht getan, nicht mehr und nicht weniger.
4. ihr Kommentar
earl grey 01.03.2013
Zitat von eigene_meinungWas ist das für ein dummer Kommentar? Das Fehlen von Gegenständen im Gepäck fällt einem normalerweise nicht am Flughafen auf, sondern zu Hause bzw. im Hotel.
Stimmt genau, ihr Kommentar ist etwas dumm. Wenn sie den Artikel verstanden hätten, wäre ihnen folgender Satz aufgefallen: "doch der Koffer ging bei einer Flugreise verloren". Es fehlten also keine Gegenstände im Gepäck, nein - das ganze Gepäckstück war nicht da. Und wenn jemand erst nach 6 Monaten merkt, das ein Koffer fehlt, und dann der mit dem teuren Schmuck... das hat schon ein gewisses Geschmäckle...
5.
robert 01.03.2013
Zitat von earl greyStimmt genau, ihr Kommentar ist etwas dumm. Und wenn jemand erst nach 6 Monaten merkt, das ein Koffer fehlt, und dann der mit dem teuren Schmuck... das hat schon ein gewisses Geschmäckle...
Um ihre Wortwahl zu nutzen: Ihr Kommentar ist etwas dumm. Denn es steht klar im Artikel, dass die Frau das Fehlen des Koffers telefonisch gemeldet hat. Also hat sie das nicht erst 6 Monate danach gemerkt. Schade, dass es einigen Leuten nicht gelingt, sich in andere Personen hineinversetzen zu koennen. Im Artikel stand nichts ueber die genauen Umstaende und ich haette sicher anders gehandelt, aber fuer mich ist es zumindest vorstellbar. Und damit verurteile ich weder die Frau noch jemanden, der versucht, Wege aufzuzeigen, wie so etwas passieren kann, ohne dass man gleich "dumm" ist.
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