Gerichtsurteil Tod von Ehepartner kein Grund für Reiserücktritt

Erst der Schock über den Tod, dann die dicke Rechnung: Stirbt der Partner kurz vor dem Urlaub, muss die Rücktrittsversicherung nicht die Stornokosten übernehmen. So urteilt das Amtsgericht München.


Wenn der Ehepartner stirbt, ist das nach Auffassung des Amtsgerichts München kein Grund für den Rücktritt von einer gemeinsam geplanten Reise. Die Trauer sei keine unerwartet schwere Erkrankung im Sinne der Reiserücktrittsbedingungen, beschloss das Gericht in einem am Freitag veröffentlichten Urteil.

"Die (schwere) Trauer ist vielmehr als ganz normale Folge des Versterbens eines nahen Angehörigen zu sehen", hieß es darin. Die Reiserücktrittsversicherung müsse nicht zahlen. "Die Klägerin zeigte nachvollziehbarerweise eine akute Belastungsreaktion - mithin einen psychischen Schock. Dies ist jedoch keine psychische Störung im Sinne eines regelwidrigen Zustandes."

Geklagt hatte eine Frau aus Straubing, die für sich und ihren Mann für den Juni 2014 eine zehntägige Flusskreuzfahrt über die Seine gebucht hatte. Mehr als 5700 Euro hatte die Schiffsreise gekostet, die von Paris in die Normandie führen sollte. Am 30. April 2014 beantragte die Frau die Reiserücktrittsversicherung für sich selbst, ihren Ehemann und zwei weitere Reisende. In der Nacht darauf starb ihr Mann völlig unerwartet. Die Versicherung nahm den Antrag der Klägerin rund eine Woche später an - nicht wissend, dass der Ehemann gestorben war. Die Klägerin stornierte die Reise am 20. Mai 2014.

Die Frau gab an, sie habe nach dem Tod ihres Mannes an einer schweren psychosozialen Belastungsstörung gelitten, weshalb sie die Reise unmöglich hätte antreten können. Der Veranstalter berechnete Stornogebühren in Höhe von knapp 3500 Euro. Diese verlangte die Witwe von der Versicherung zurück - die weigerte sich jedoch, zu zahlen. Nach Auffassung des Gerichts muss sie das auch nicht.

Wie eine Gerichtssprecherin sagte, wäre das Urteil genauso ausgefallen, wenn die Frau die Versicherung früher abgeschlossen hätte. Das Urteil ist rechtskräftig.

Amtsgerichts München: Aktenzeichen 233 C 26770/14

jus/dpa



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