Deutsche Reiseveranstalter Istanbul-Urlauber können kostenlos umbuchen

Bei der Explosion im Touristenviertel Sultanahmet sind acht Deutsche unter den Todesopfern. Reiseveranstalter bieten Kunden, die ihren Urlaub noch nicht angetreten haben, gebührenfreie Umbuchungen an.

Hagia Sophia in Sultanahmet: In der Nähe ereignete sich die Explosion
Getty Images

Hagia Sophia in Sultanahmet: In der Nähe ereignete sich die Explosion


Acht deutsche Touristen sind unter den Todesopfern des Selbstmordanschlag in der Nähe der Blauen Moschee und der Hagia Sophia mitten in Istanbul. Die Verunsicherung unter Reisenden, die in die Türkei reisen wollen, ist groß.

Die deutschen Reiseveranstalter reagieren: Kunden der TUI-Gruppe, die bis zum 18. Januar eine Reise nach Istanbul gebucht hätten, könnten gebührenfrei auf ein anderes Reiseziel oder einen anderen Reisezeitraum umbuchen, sagte ein Konzernsprecher. Thomas Cook ermöglicht ebenfalls kostenfreies Umbuchen und Stornieren für Istanbul-Reisen mit Beginn bis einschließlich 22. Januar.

Bei DER Touristik mit den Marken ITS, Jahn Reisen, Travelix, Dertour, Meier's Weltreisen, ADAC Reisen lassen sich Städtetrips nach Istanbul bis zum 10. Februar ohne Gebühren umbuchen oder kündigen. Der Studienreiseanbieter Studiosus bot seinen Kunden schon vor dem jüngsten Anschlag eine kostenlose Umbuchung von Türkei-Reisen bis vier Wochen vor der Abreise an.

Kunden von TUI, Studiosus, Thomas-Cook-Unternehmen oder DER Touristik sind nach Angaben der Veranstalter nicht betroffen. Alltours hat nach Angaben seines Sprechers bereits seit Wochen Ausflüge nach Istanbul aus Sicherheitsgründen aus dem Programm gestrichen.

Wer seine gebuchte Reise nach Istanbul noch nicht angetreten hat, kann sie wahrscheinlich auch aus juristischer Sicht kostenlos umbuchen oder stornieren. Nach derzeitiger Rechtsprechung bestehe ein Kündigungsrecht wegen Gefährdung durch höhere Gewalt, erklärte der Reiserechtler Ernst Führich aus Kempten. Anders sieht es zum Beispiel bei Badeurlaub in anderen Teilen der Türkei aus. Solche Pauschalreisen könnten nicht einfach kostenlos storniert werden, sagte der Jurist.

Auswärtiges Amt: Belebte Plätze meiden

Minister Steinmeier forderte alle Deutschen in der Türkei auf, die Sicherheitshinweise des Außenministeriums zu beachten. Nach dem mutmaßlichen Terroranschlag empfiehlt das Auswärtige Amt deutschen Urlaubern dringend, alle Menschenansammlungen auf öffentlichen Plätzen und vor touristischen Attraktionen in Istanbul zu meiden. Sie sollten sich über die Reisehinweise und Medien informiert halten.

Die Reisehinweise auf der Homepage des Ministeriums wurden entsprechend aktualisiert. Auch in anderen größeren Städten der Türkei sollten sich Reisende grundsätzlich an belebten Plätzen und in öffentlichen Verkehrsmitteln so kurz wie möglich aufhalten. Bei Reisen nach Istanbul und über Land rät die Behörde generell zu erhöhter Vorsicht.

Von Reisen ins türkische Grenzgebiet zu Syrien und Irak rät das Amt seit einiger Zeit ab. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat 2015 mehrere Anschläge in der Türkei verübt, allerdings bislang nicht auf Touristen.

In der Türkei kommt es außerdem zu verstärkten Zusammenstößen zwischen den türkischen Sicherheitsbehörden und der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK. "Landesweit ist weiter mit politischen Spannungen sowie gewaltsamen Auseinandersetzungen und terroristischen Anschlägen zu rechnen", schreibt das Auswärtige Amt.

Mehr Deutsche reisten in die Türkei

Der Tourismus in der Türkei litt in jüngster Zeit vor allem unter dem Ausbleiben der russischen Urlauber, die seit den Sanktionen nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch das türkische Militär nicht mehr kommen. Die Russen waren die wichtigste Urlaubernation für die Türkei. Nun sind es wieder die Deutschen. Zumindest die Pauschalreise-Hochburg Antalya wurde von ihnen zuletzt schwächer gebucht als im Vorjahr.

Insgesamt aber verbuchten die deutschen Reiseveranstalter im vergangenen Jahr nach Angaben des Deutschen Reise-Verbandes (DRV) ein Umsatzplus von vier Prozent für Reisen in die Türkei. 2015 reisten türkischen Sicherheitsbehörden zufolge 5,5 Millionen Gäste aus Deutschland in das Türkei, so der DRV. 2010 waren es noch 4,4 Millionen.

Fotostrecke

8  Bilder
Istanbul: Explosion in Sultanahmet

abl/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.