Reiserecht: Reiseveranstalter sind auch nach Upgrade schadensersatzpflichtig

Ein Unfall in der Präsidentensuite? Laut Reiseveranstalter kein Grund für Schadensersatz. Schließlich handelte es sich um ein Upgrade des Hotels. Das Gericht beurteilt den Fall jedoch ganz anders.

Frankfurt am Main - Der Urlaub auf den Malediven entwickelte sich eigentlich ganz gut: Vom Hotel gab es für die Frau während ihres Aufenthalts ein Upgrade. Sie durfte von ihrem Zimmer in die Präsidentensuite umziehen.

Im Marmorbad der Suite löste sich dann allerdings eine Granitplatte und verletzte den Gast erheblich. Der Reiseveranstalter wies die Forderung nach Schadensersatz kategorisch ab. Die Frau zog daher vor Gericht. Mit Erfolg, wie die "Neue juristische Wochenschrift" berichtet.

Der Reiseveranstalter sei verpflichtet, in diesem Fall Schadensersatz zu leisten, auch wenn er die betreffende Suite nicht anbiete, entschied das Oberlandesgericht Frankfurt. Denn zum einen erhebe ein Prospekt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Zum anderen müsse der Reisende aus der Nichterwähnung einer Hoteleinrichtung im Reisekatalog nicht schließen, dass der Reiseveranstalter dafür keine Verantwortung übernehmen wolle.

Aktenzeichen 16 U 169/11

dkr/dpa

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1. Gefährliche Rechtssprechung. Lebensrisiko abwälzen zur Zufriedebstellung vin Massen
criticalsitizen 28.02.2013
und Ablenkung vom schlechten Rechtssystem in DE.
2. Downgrade
noalk 28.02.2013
Man stelle sich den Fall vor, der Reisende würde vom Hotel von der P-Suite in ein einfaches Hotelzimmer downgegraded, wo ihm dann eine Holzplatte der Deckenvertäfelung auf den Kopf fiele. Auch hier würde mit Sicherheit ein entsprechender Einwand des Veranstalters nicht greifen. So what!?
3. Zimmer sind austauschbar
pwolf23 28.02.2013
Bei Pauschalreisen werden nur Zimmerarten angegeben und kein bestimmtes Zimmer mit einer Nummer, d.h. der RV behält sich das Recht vor zu entscheiden welches Zimmer der Reisende erhält. Laut Vertrag ist es dann unerheblich, welches Zimmer der Reisende bezieht. Es müssen schließlich alle Zimmer im Hotel den vorgeschriebenen Sicherheitsstandard einhalten... Auch wenn der Unfall im Flur, im Restaurant, in der Lobby oder im Pool passiert wäre. Das hat mit einem Lebensrisiko wenig zu tun. Wenn Produktionsmängel zu einem Unfall führen sagen Sie doch auch nicht: Pech gehabt, Lebensrisiko, Hersteller brauch nicht zahlen. Damit hätte der Fahrer rechnen können...
4. Sprachlos
bini981 01.03.2013
Manchmal frage ich mich in welcher Welt die Richter leben, die solche Urteile fällen! Dass sich die Urlauberin verletzt hat ist schlimm, keine Frage. Aber dafür muss doch um Himmels Willen das Hotel aufkommen und nicht der Reiseveranstalter! Das Reiserecht sollte endlich kodifiziert werden, dass die Richter nicht mehr ins Blaue hinein entscheiden können und nicht immer der Reiseveranstalter der Dumme ist.
5. Das sehen Sie falsch
marvin_megabrain 01.03.2013
Zitat von bini981Manchmal frage ich mich in welcher Welt die Richter leben, die solche Urteile fällen! Dass sich die Urlauberin verletzt hat ist schlimm, keine Frage. Aber dafür muss doch um Himmels Willen das Hotel aufkommen und nicht der Reiseveranstalter! Das Reiserecht sollte endlich kodifiziert werden, dass die Richter nicht mehr ins Blaue hinein entscheiden können und nicht immer der Reiseveranstalter der Dumme ist.
Das Hotel ist nur Erfüllungsgehilfe des Reiseveranstalters mit dem der Reisende einen Vertrag abgeschlossen hat. Wäre ja noch schöner wenn man einen Vertrag mit einem deutschen Reiseveranstalter hat und sich dann wegen einer Schadensregulierung mit einem Hotelier in Bali streiten muss. Das das Hotel verantwortlich ist heisst nur, das sich der Reiseveranstalter den Schadenersatz den er leisten muss dort, nämlich bei seinem Vertragspartner, zurückholen kann
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