Kälteeinbruch: Rheinschwimmer steigt ab und zu auf Kajak um

Von der Quelle bis zur Mündung: Ein Schweizer wollte den gesamten Rhein hinunter bis zur Nordsee schwimmen. Doch die Kälte hat ihn ausgebremst. Sein geplanter Rekord wäre auch nicht einmalig gewesen - ein Deutscher war schon lange vor ihm erfolgreich.

Schweizer Extremsportler: Schwimm-Marathon auf dem Rhein Fotos
DPA

Basel - Die Eisheiligen hatten keine Gnade mit dem Schweizer Extremschwimmer Ernst Bromeis: Wegen des Kälteeinbruchs am Wochenende musste der "Wasserbotschafter" seine Vorhaben abändern, den Rhein auf der gesamten Strecke von den Alpen bis zur Nordsee zu durchschwimmen. Vor der Etappe am Sonntag von Bad Säckingen zur Schweizer Rheinmetropole Basel stieg der 43-Jährige mehrmals aufs Kajak um.

Obendrein wurde inzwischen bekannt, dass Bromeis - anders als zuvor von Sponsoren erklärt - wohl nicht der erste Mensch ist, der den gesamten Rhein durchschwimmt. 43 Jahre vor ihm hat das nach eigenen Angaben sowie Medienberichten von damals der Deutsche Klaus Pechstein geschafft. Der gelernte Silberschmied und einstige aktive Schwimmsportler aus Linz am Rhein (Rheinland-Pfalz) ist heute 71 Jahre alt und bei bester Gesundheit.

"Ich wusste das nicht, aber ich freue mich für Herrn Pechstein und ich möchte ihn sehr gern kennenlernen", sagte Bromeis der Nachrichtenagentur dpa am Telefon. In der Schweizer Tourismuswerbung hieß es bislang, Bromeis würde die Strecke von der Rheinquelle bis zur Mündung "als erster Mensch überhaupt" durchschwimmen.

"Was bleibt, ist die Botschaft"

Ihm sei es allerdings nie um Rekorde gegangen, erklärte Bromeis. "Sie sind vergänglich. Was am Ende bleibt, ist die Botschaft", sagte der Naturfreund aus dem Bergkanton Graubünden. Er will mit seiner in den Medien stark beachteten Aktion "Das blaue Wunder Rhein" darauf aufmerksam machen, dass "Wasser verletzlich, sogar zerstörbar, und doch unverzichtbarer Quell unseres Lebens ist".

Der Linzer Ex-Schwimmer Pechstein, den Zeitungen unter anderem "Wassermann vom Rhein" nannten, verfolgt die Aktion des Schweizers nach eigenen Worten mit großer Sympathie. "Ich wünsche ihm alles Gute. Für sein großes Vorhaben hätte ich ihm durchaus ein paar Tipps mit auf den Weg geben können."

Pechsteins Rhein-Marathon wurde 1969 aufmerksam von den Medien begleitet. Nach seinen Angaben legte er schwimmend in 30 Tagesetappen eine Strecke von 1224 Kilometern von Ilanz im Schweizer Kanton Graubünden bis zur Rheinmündung bei Hoek van Holland zurück. Eine amtliche Bestätigung erfolgte damals aber nicht.

"Daran hatte niemand gedacht", sagte der Linzer. "Es war doch jeden Tag die Presse dabei." Die niederländische Boulevard-Zeitung "De Telegraaf" äußerte später Zweifel an einigen Zeit- und Streckenangaben. "Wir konnten das ausräumen, aber die Redaktion hat den Artikel trotzdem nicht berichtigt." Bei Pechsteins Eintreffen in Hoek van Holland hatten ihm Hunderte zugejubelt - unter ihnen der Bürgermeister seiner Heimatstadt.

"Der Rhein macht, was er will"

Der Schweizer "Wasserbotschafter" stieg am 2. Mai rund 30 Kilometer vor dem Pechstein-Startpunkt bei Disentis/Mustér ins Wasser. Allerdings musste Bromeis die erste Strecke waten, weil der Rhein dort, anders als bei Ilanz, noch nicht "schwimmbar" ist. Auch Bromeis will innerhalb von 30 Tagen an der Rheinmündung ankommen.

Dass er wegen der Eisheiligen-Kälte frierend ins Paddelboot umgestiegen ist, räumt Bromeis freimütig ein. So legte er den verregneten und kühlen Samstag von Eglisau bis Bad Säckingen im Kajak zurück.

Auf seiner Homepage "Das blaue Wunder" wird diskutiert, ob es nicht falsch war, bereits im Mai aufzubrechen und nicht erst im Frühsommer. Als Eisheilige werden die Tage zwischen dem 11. und 15. Mai bezeichnet, in denen es - wie auch in diesem Jahr - gelegentlich zu Kaltlufteinbrüchen kommt.

Bromeis habe sich "nach bestem Wissen und Gewissen damit einverstanden erklärt, im Mai zu schwimmen", heißt es dort. "Nun liegen die Wasserwerte unter dem Durchschnitt." Seine Rheintour für den Umwelt- und Wasserschutz will der Schweizer unter allen Umständen fortsetzen. "Das Ding ist: Der Rhein macht was er will. Daran könnte man verzweifeln - am Ende muss man es akzeptieren."

Thomas Burmeister, dpa

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