Rock'n'Roll-Tourismus: Mit Elvis im Studio

2. Teil: Kirchenlieder als Lieblingsmusik

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Im streng rassengetrennten Memphis der vierziger Jahre saß der Teenager auf den Stufen schwarzer Gospelkirchen und sog die temperamentvolle Musik in sich auf, die herausschallte. Er hörte im Radio die erste Schwarzenstation WDIA und hing in Schallplattenläden sowie an Memphis' berühmter Beale Street herum, wo die besten Blues-Bands die Clubs bevölkerten.

Im "Ellis Auditorium" beobachtete er die wilden Bewegungen der schwarzen Sänger und ließ sich von der Spiritualität und dem Rhythmus der Kirchenmusik mitreißen. Der schwarze Gospel blieb immer seine Lieblingsmusik. Selbst nach Konzerten in Las Vegas sang er nachts im Hotel noch mit Freunden Kirchenlieder.

Auch in Memphis ist Elvis allgegenwärtig - zum Beispiel im "Sun Studio". Im Juli 1953 brachte der 18-jährige Lastwagenfahrer, der Wert auf gelacktes Haar, Koteletten und extravagante Kleidung legte, vier Dollar dorthin, um eine Countryballade aufzunehmen. Das ging in die Hose, aber ein Jahr später entstand beim nächtlichen Herumalbern im Studio die Aufnahme von "That's allright" - sofort ein Superhit, und der Rest ist bekannt.

Es begann die Karriere eines Weißen, der sang wie ein Schwarzer, und dessen Hüftschwung den erzkonservativen Süden der USA erröten ließ. Elvis' Musik war umstritten, seine Bewegungen obszön. An ihm schieden sich zunächst viele Geister.

Das "Sun Studio" ist heute eine denkmalgeschützte Attraktion. Tagsüber gibt es Führungen, nachts herrscht normaler Aufnahmebetrieb. John Mellencamp, Ringo Starr, Liz Phair und Bono von U2 arbeiten in dem kleinen Eckhaus. Alles sieht so aus wie früher: Die Kacheln sind vergilbt und verbeult, und auch das Elvis-Mikrofon steht im Raum.

Disneyworld für Elvis-Fans

Vom "Sun Studio" fährt ein Shuttle-Bus nach "Graceland" am Elvis Presley Boulevard. Auf der einen Straßenseite werden Glanz und Gloria kommerziell präsentiert: Flugzeuge und Autos von Elvis sind zu sehen, Unmengen an Souvenirs und Platten gibt es zu kaufen, dazu kommen noch einige Ausstellungen: Elvis in Hollywood, Elvis 1968, Elvis privat.

Es ist eine Art Elvis-Disneyworld, organisiert und kontrolliert von der Firma Elvis Presley Enterprises, die auch alle Musik- und Markenrechte verwaltet. Als sein Freund George Klein hier laut darüber sinniert, wie man dem 1977 schwerkranken Star hätte helfen können, schreitet ein Unternehmenssprecher energisch ein: Man sei nicht hier, um über das Ende des Rock-Idols zu diskutieren. Es gehe um seine Hinterlassenschaft, seinen Erfolg und sein Leben. Artig versichert dann auch Klein, der Star sei ein Supertyp gewesen.

Ein schönes Bild des erwachsenen Elvis zeichnet das Haus auf einem Hügel gegenüber des Elvis-Rummelplatzes mit dem "Heartbreak Hotel". Die weiße Villa, die Elvis als 22-Jähriger für sich und seine Familie gekauft hatte, ist stilvoll, zum Teil auch prunkvoll, aber eben nicht protzig. Die Tour durch das Haus ist die wahre Elvis-Reise.

Eingerichtet ist es im Stil der siebziger Jahre mit vielen Spiegeln und kantigen Formen: im Salon ein Flügel, dahinter eine kleine Küche, unten ein Billardraum, das Dschungel-Zimmer mit Pelzen und Palmen.

Mary-Beth Ivins, ein Elvis-Fan aus Fort Worth in Texas, steht an Elvis' Grab im Garten und weint. "Wenn man all diese Auszeichnungen sieht", sagt sie, "die goldenen Schallplatten, die Pokale, die Bilder und Videos, diese Zeugen eines wahnsinnigen Erfolgs, dann ist das Ende dieses Menschen doch umso tragischer." Sie hat recht.

Tina Eck, dpa

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  • Datum: Samstag 02.01.2010 | 09:46 Uhr
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