Sicherheitslage nach Anschlag Russland spricht Reisewarnung für Türkei aus

Die russische Regierung warnt ihre Bürger vor Reisen in die Türkei. Damit schränkt sie den Tourismus in das Land weiter ein. Nach dem Anschlag in Istanbul sind auch die Buchungen von deutschen Urlaubern eingebrochen.

Antalya: Russland warnt Bürger vor Entführungen in der Türkei
TMN

Antalya: Russland warnt Bürger vor Entführungen in der Türkei


Wegen der Gefahr von Entführungen durch die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) warnt Russland seine Bürger vor Reisen in die Türkei. Die IS-Führung plane die Entführung russischer Bürger in der Türkei, erklärte die Tourismusbehörde Rostourism. Es bestehe die Gefahr, dass sie nach Syrien verschleppt würden, um hingerichtet oder als "menschliche Schutzschilder" missbraucht zu werden.

Rostourism rief allein reisende Touristen auf, "alle möglichen und nötigen Maßnahmen" für ihre persönliche Sicherheit zu treffen. Russische Touranbieter dürfen bereits seit dem 28. November keine Reisen mehr in die Türkei verkaufen. Dies wird offiziell mit der schlechten Sicherheit begründet. Doch ein Zusammenhang mit dem Streit um den Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs an der syrischen Grenze durch die Türkei wird vermutet.

Tatsächlich hat sich die Sicherheitslage in der Türkei in den vergangenen Monaten verschlechtert. Am 12. Januar riss ein Selbstmordattentäter im touristischen Zentrum Istanbuls zehn Mitglieder einer deutschen Reisegruppe in den Tod. Am Dienstag stieg die Zahl der deutschen Todesopfer auf elf, da eine Frau in einem Berliner Krankenhaus ihren Verletzungen erlag, wie ein Polizeisprecher bestätigte. Die türkische Regierung macht den IS für die Tat verantwortlich, der sich bislang aber nicht dazu bekannt hat.

Die Türkei kämpft mit verstärkten Sicherheitsmaßnahmen und Subventionen gegen den drohenden Einbruch des wichtigen Wirtschaftszweigs Tourismus. An belebten Orten stockt der Staat die Polizeipräsenz auf, ein Spezialteam von rund 800 Polizisten soll unter anderem in Bezirken mit Sehenswürdigkeiten und in öffentlichen Verkehrsmitteln im Einsatz sein. Auch erhalten Ferienflieger 6000 Dollar im April und Mai Treibstoffzuschuss pro Flug.

Deutsche Urlauber sind zögerlich bei Türkei-Reisen geworden. Die Buchungen seien stark eingebrochen, teilt zum Beispiel der Reiseveranstalter DER Touristik mit. Die Türkei liege bei dem Veranstalter mit Sitz in Frankfurt derzeit 25 Prozent im Minus im Vergleich zum Vorjahr - und die Zahlen würden sich noch verschlechtern.

Doch auch für den Urlaub auf dem Wasser wirken sich die Istanbuler Anschläge aus: Die Kreuzfahrtreederei MSC steuert bis auf Weiteres keine Häfen in der Türkei mehr an. Mehrere andere Reedereien haben ihre Stopps in der Türkei ebenfalls abgesagt, darunter die amerikanischen Unternehmen Crystal Cruises und mehrere Marken der Norwegian Cruise Line Holding.

abl/dpa/Reuters



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