Pilotenmangel Ryanair-Chef schließt weitere Flugausfälle nicht aus

Personalmangel macht Ryanair weiterhin zu schaffen. Ihren Urlaub sollen die Piloten zum Teil ins nächste Jahr verschieben. Chef Michael O'Leary kann nicht ausschließen, dass es zu weiteren Stornierungen kommt.

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Der Billigflieger Ryanair sucht Lösungen für seinen Mangel an Piloten. Auf der Hauptversammlung der Fluggesellschaft in Dublin sagte O'Leary, er könne "nicht garantieren", dass es nicht zu weiteren Streichungen komme. Es werde allerdings "keine weiteren Ausfälle" wegen Problemen mit den Dienstplänen geben, sagte er nach Angaben eines Unternehmenssprechers.

Ryanair hatte Ende vergangener Woche überraschend bekanntgegeben, dass binnen sechs Wochen bis zu 2100 Flüge ausfallen und damit empörte Reaktionen von Kunden ausgelöst. Ryanair gab als Grund "Schwierigkeiten mit der Planung des Jahresurlaubs" der Piloten für September und Oktober an. Zum Start des Winterflugplans im November soll sich die Lage wieder normalisieren.

Von den Streichungen betroffen sind bis zu 315.000 Kunden. Bis Ende der Woche sollten mehr als 95 Prozent davon umgebucht sein, kündigte O'Leary nun an. Die gesetzlich vorgesehenen Entschädigungen für die Betroffenen wolle Ryanair gewähren, ohne mit den Kunden herumzustreiten. Auf die Ticketvorausbuchungen habe der Wirbel aber bisher keinen Einfluss.

Um weitere Flugstreichungen zu verhindern, sollen die Piloten aber ihren Urlaub teilweise aufs kommende Jahr verschieben, sagte O'Leary. Gleichzeitig teilte er laut dem Nachrichtensender "SkyNews" mit, dass die Fluggesellschaft in den kommenden zwei Wochen 125 zusätzliche Piloten einstellen werde. Ryanair verfüge über zu wenige Reservepiloten.

O'Leary: "Piloten ein wenig zu wenig bezahlt"

Ryanair hatte angekündigt, Piloten mit einem "Loyalitätsbonus" überzeugen zu wollen. Flugkapitänen an vier besonders belasteten Drehkreuzen werde 10.000 Euro mehr Einkommen im Jahr angeboten. Wer zehn Tage mehr als geplant bis Ende des Jahres arbeite, bekomme einen Bonus von 12.000 Euro. "Eins der Probleme, die wir bewältigen müssen, ist, dass wir den Piloten vielleicht ein wenig zu wenig bezahlt haben", sagte O'Leary auf der Hauptversammlung.

Medienberichten zufolge lehnt aber eine große Zahl von Ryanair-Piloten das Angebot ab. Ein entsprechender Brief kursierte in sozialen Medien. Demzufolge fordern die Piloten, dass Ryanair grundsätzliche Änderungen an ihren Arbeitsbedingungen vornimmt.

O'Leary entschuldigte sich für das "Chaos", das die Airline nach eigenen Angaben etwa 25 Millionen Euro kostet. Schuld seien "schwere Managementfehler" bei der Urlaubsplanung für die Besatzungen. Keinen Zweifel ließ O'Leary an seiner Gewinnprognose. Im laufenden Geschäftsjahr bis Ende März 2018 will Ryanair den Gewinn auf 1,4 bis 1,45 Milliarden Euro steigern.

abl/dpa/Reuters



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