Statt Lübeck Ryanair fliegt künftig ab Hamburg

Hamburger können immer günstiger in den Urlaub fliegen: Seit Kurzem bietet die Billiglinie Easyjet Flüge ab der Hansestadt an, jetzt weicht auch noch Ryanair dorthin aus. Den bisherigen Stammflughafen Lübeck haben die Iren vorerst aufgegeben.

Bald Vergangenheit: Passagiere besteigen eine Ryanair-Maschine in Lübeck
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Bald Vergangenheit: Passagiere besteigen eine Ryanair-Maschine in Lübeck


Lübeck - Der irische Billigflieger Ryanair weicht nach der Einstellung seiner Flüge von und nach Lübeck nach Hamburg aus. Von Oktober an werde das Unternehmen einmal täglich von Hamburg nach Lissabon und dreimal wöchentlich nach Porto fliegen, teilte die irische Firma am Dienstag mit.

Im Juni hatte Ryanair angekündigt, seinen Flugbetrieb von und nach Lübeck wegen der unsicheren Situation des insolventen Flughafens Blankensee von August an komplett einzustellen. Inzwischen hat der Regionalflughafen einen neuen Betreiber. Ob Ryanair Lübeck 2015 wieder in seinen Flugplan aufnimmt, ist noch unklar.

Dem Flughafen Lübeck soll ein Investor helfen

Vergangene Woche wurde vom Lübecker Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) verkündet, dass der Flughafen Lübeck doch nicht komplett geschlossen werden muss, da es einen neuen Investor aus China gibt: Yongqiang Chen.

In die Insolvenz geriet der Flughafen, nachdem der bisherige Besitzer Mohammad Rady Amar mit seiner inzwischen aus dem Handelsregister gestrichenen Firma Yasmina untergetaucht war. Pacht war der Deutsch-Ägypter der Stadt schon länger schuldig geblieben, hatte aber auf vertraglich zugesicherte Hilfen zum Ausbau gepocht.

Über Yongqiang Chens Puren-Gruppe (oder Po Yan) ist kaum etwas bekannt, angeblich betreibt sie in China unter anderem Krankenhäuser. Dennoch haben die Ratsherren der Hansestadt Lübeck schon einmal in einer geschlossenen Sondersitzung dem Kaufvertrag zugestimmt. Der Chinese habe kein Rückgaberecht, und er übernehme den alten Vertrag der insolventen Yasmina, teilten sie mit. Das bedeutet zwar für Lübeck Kosten von 5,5 Millionen Euro als Zuschuss für den geplanten Ausbau, dafür muss die Kommune aber nicht mehr den Flughafen mit potenziell noch höheren Betriebs- oder Abwicklungskosten unterhalten - und hat die Aussicht auf 400.000 Euro Pacht im Jahr.

Zunächst könnte es jedoch eher in Richtung null gehen. Für August, wenn der Vertrag mit Puren gültig wird, hat Hauptkunde Ryanair den Stopp aller Flüge in Lübeck angekündigt. Schon zuvor hatte die irische Fluglinie sich weitgehend zurückgezogen, mit der 1999 der Traum vom internationalen Flughafen in Lübeck begann. Wie andernorts auch hat der Billigflieger den Provinzflugplatz mit Dumping-Gebühren und Marketingzuschüssen des Flughafens an die Airline ausgenutzt.

Eine Rückkehr zum Winterflugplan hat Ryanair zwar nicht ausgeschlossen, aber dafür müsste Lübeck wohl abermals etwas bieten. Die Fluglinie selbst müht sich derzeit, vom Discount-Image wegzukommen und auch die zentralen Flughäfen anzufliegen statt nur abgelegene Regional-Airports.

jkö/dpa

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insgesamt 3 Beiträge
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kuchengespenst 15.07.2014
1. Wir haben in Deutschland ...
... schon viel zu viele Flughäfen bzw. Flugplätze, und die Dinger in Hahn und bei Lübeck sind nun wirklich furchtbar.
acor 15.07.2014
2. Lübeck - Schande und Lachnummer
Als Lübecker darf ich das sagen: Was in dieser Stadt politisch abgeht - und der Flughafen ist nur ein kleiner Teil davon - ist kaum in Worte zu fassen. Es liegt irgendwo zwischen Schande und Lachnummer. Es ist unendlich peinlich.
andi/// 15.07.2014
3.
Schade um die günstige Flugalternative. Vier Personen von Lübeck nach Girona und zurück - für 200 Euro gibt es das nur bei Ryanair.
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