Streik Ryanair will Fluggästen keine Entschädigung zahlen

Auch am zweiten Streiktag fallen Dutzende Flugverbindungen von Ryanair in Europa aus. Die Billigairline teilte nun mit, dass sie die betroffenen Passagiere nicht entschädigen wolle.

Ryanair-Schalter in Madrid
FERNANDO VILLAR/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Ryanair-Schalter in Madrid


Ryanair will seine Passagiere nicht für Flugausfälle und -verspätungen infolge des aktuellen Streiks entschädigen. Der irische Billigflieger hatte versichert, alle 50.000 betroffenen Passagiere seien rechtzeitig umgebucht oder hätten den Preis des Flugtickets zurückerhalten. Darüber hinaus werde sie aber wegen der "außergewöhnlichen Umstände" keine Entschädigungen zahlen, teilte Europas größte Billigairline in Dublin mit.

Nach EU-Recht, so Ryanair, sei keine Entschädigung fällig, wenn "die Gewerkschaft unangemessen und völlig außerhalb der Kontrolle der Fluggesellschaft handelt". Fluggasthelferportale kritisieren die Haltung von Ryanair als inakzeptabel.

Erst im April urteilte der Europäische Gerichtshof (EuGH), dass Fluggesellschaften auch bei wilden Streiks verpflichtet sein können, Entschädigungen an Fluggäste zu zahlen. Dies müsse aber von Fall zu Fall entschieden werden. Hintergrund des Verfahrens war der wilde Streik von TUIfly-Mitarbeitern im Herbst 2016. Die Amtsgerichte Hannover und Düsseldorf baten den EuGH zu klären, ob wilde Streiks im Sinne der europäischen Fluggastrechteverordnung einen außergewöhnlichen Umstand darstellen.

Laut der EU-Fluggastrechteverordnung stehen Passagieren bei Annullierungen und Verspätungen von mehr als drei Stunden bei einer Flugstrecke von bis 1500 Kilometern 250 Euro pro Person zu. Bei Strecken von 1500 bis 3500 Kilometern sind es 400 Euro, bei mehr als 3500 Kilometern sind es 600 Euro.

Am Donnerstag nur wenig kurzfristig gestrichene Flüge

Ein 48-stündiger Streik von Ryanair-Flugbegleitern in mehreren europäischen Ländern hat am zweiten Tag nur noch wenige Reisende überrascht. Im Gegensatz zum Vortag wurden am Donnerstag in Spanien, Portugal und Belgien nur wenige Flugverbindungen kurzfristig gestrichen, wie der Flughafen Brüssel mitteilte und Medien unter Berufung auf die Luftverkehrsbehörden berichteten. Nirgendwo habe es größere Zwischenfälle oder Proteste gegeben, hieß es.

In Italien, das am Mittwoch von kurzfristigen Ausfällen mitten in der Ferienzeit besonders betroffen war, war der Ausstand schon nach 24 Stunden zu Ende gegangen. Auch an mehreren deutschen Flughäfen fielen am Mittwoch und Donnerstag Flugverbindungen aus - insgesamt etwa 30.

Nach Angaben von Ryanair sollten wegen des Streiks am Donnerstag insgesamt 300 Flüge programmgemäß ausfallen, davon 200 allein in Spanien. Darüber hinaus habe es vorerst keine sonstigen Störungen gegeben, alle programmierten Flüge würden normal durchgeführt, teilte die irische Airline in einer ersten Bilanz am Donnerstag auf Twitter mit. Der Ausstand geht um Mitternacht zu Ende, verkündete die spanische Gewerkschaft SITCPLA auf Twitter.

Von der Arbeitsniederlegung war auch Mallorca betroffen. Auf der spanischen Urlaubsinsel wurden am Donnerstagvormittag zwei Ryanair-Flüge von Brüssel nach Palma sowie von Palma nach Brüssel gestrichen, wie ein Sprecher des Flughafens Son Sant Joan in Palma der Deutschen Presse-Agentur sagte. Die Lage am Flughafen sei "normal". Nach Schätzung des Regionalblattes "Ultima Hora" waren vom Streik auf Mallorca 22.000 Passagiere betroffen.

An den beiden größten Flughäfen Spaniens in Madrid und Barcelona gebe es "keine besonderen Vorkommnisse", sagten Sprecher. Am zweiten Tag des Ausstandes fielen auch in Portugal und Belgien viele Flüge aus. Am Brüsseler Flughafen wurden am Donnerstag 22 der 40 Flugverbindungen gestrichen, wie eine Sprecherin sagte. Rund 4200 Passagiere konnten ihre Reise nicht antreten oder mussten auf einen anderen Flug umbuchen.

500 gestrichene Flüge am Mittwoch

Bereits am Mittwoch hatten die Flugausfälle mitten in der Ferienzeitbei vielen Reisenden für Ärger gesorgt. Ärger herrschte vor allem wegen der kurzfristigen Streichung Dutzender Flüge in Italien, speziell in Bergamo und Pisa. Insgesamt ließ der irische Billigflieger wegen der fehlenden Flugbegleiter europaweit um die 500 Verbindungen ausfallen. Die Gesellschaft hatte ursprünglich von 300 Ausfällen in Spanien, Portugal und Belgien gesprochen.

Die Flugbegleiter fordern mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen. Die Fluggesellschaft droht aufgrund der Streiks mit Hunderten Stellenstreichungen.

Video: Kampf der Billigflieger

kry/abl/dpa



insgesamt 34 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ex_berliner 26.07.2018
1. Klare Ansage
Na das ist doch mal eine klare Ansage von Ryanair, die da im Wesentlichen lautet: Nicht nur unsere Mitarbeiter sondern auch unsere Kunden interessieren uns einen Scheiss. Und damit hat sich das Thema Ryanair - fuer mich jedenfalls - erledigt. Mich interessiert Ryanair auch einen Scheiss und von mir gibt es fuer dieses Geschaeft keinen Cent.
bigroyaleddi 26.07.2018
2. Wenn ein Flug ausfällt,
dann ist das sicher für alle, welche sich darafu gefreut haben oder sogar darauf angewiesen sind eine ganz blöde Sache. Aber andererseits - da will ich die Ryan auch gar nicht in Schutz nehmen - wenn ich schon einen Billigheimer buche, darf es mich auch nicht wundern, das es vielleicht mal Probleme geben könnte. Früher sagte man, das ist ein Sonderangebot, da ist das dann schon ein Problem mit Garantien und so. Wir sind heute alle vie zu viel verwöhnt und erwarten, dass immer die ganze Infrasturktur vorhanden ist, wie man sie gerade benötigt. Leute: aufgewacht!
carahyba 26.07.2018
3. In Portugal ...
In Portugal hat Ryanair schlechte Karte, weil es eine anerkannte Gewekschaft gibt, es hat Verhandlungen gegeben und die Gewerkschaften haben alle gesetzlichen Bestimmungen eingehalten. Ryanair hat sich trotzdem geweigert die gesetzlichen Bestimmungen einzuhalten. Mal sehen was das für Folgen hat. In Portugal sind die gerichtlichen Wege sehr lang und darauf baut Ryanair.
Nelkenghetto 26.07.2018
4. tja
dann sollte sich ab heute jeder überlegen der mit Ryanair fliegt ob er das in Zukunft noch machen will. Wenn jeder auf einen anderen Fluganbieter setzt ist Ryanair recht schnell pleite und badet seine Sturheit selbst aus
wiseacre 26.07.2018
5.
Gut so. Wer solche Gesellschaften nutzt sollte nicht auch noch entschädigt werden. Und wenn, sollte das Geld den Mitarbeitern zugute kommen, denn die zahlen schliesslich den Preis dafür, dass die Leute für fast nichts fliegen. Und ich hoffe sehr, dass die Mitarbeiter sich gegen dieses Ausbeuterunternehmen durchsetzen und die Preise danach kräftig steigen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.