Flugbegleiterstreik Ryanair sagt 400 Flüge in Europa ab

Die Flugbegleiter der Billigfluglinie Ryanair streiken für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne. Europaweit fallen fast 400 Flüge aus.

Ryanair-Maschine
REUTERS

Ryanair-Maschine


Die Fluggesellschaft Ryanair hat europaweit fast 400 Flüge abgesagt. Grund ist ein Streik der Flugbegleiter in mehreren Ländern. Betroffen sind auch mehrere Verbindungen von und nach Deutschland. Gestreikt wird bis einschließlich Donnerstag an den Ryanair-Basen in Spanien, Portugal, Belgien und Italien.

Für Ärger sorgte am Mittwoch vor allem die kurzfristige Streichung Dutzender Flüge von und nach Italien. Die Fluggesellschaft hatte ursprünglich 300 Flugausfälle in Spanien, Portugal und Belgien angekündigt. Doch wurden darüber hinaus in Italien weitere 80 Flüge gestrichen, wie ein Sprecher des italienischen Gewerkschaftsbundes CGIL am Mittag der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

Etwa 50.000 Kunden seien am Mittwoch und Donnerstag umgebucht oder vollständig entschädigt worden, teilte Ryanair per Twitter mit. Diese Passagiere seien aber alle vorher benachrichtigt worden.

Das galt allerdings offenbar nicht für die Passagiere mit Flugverbindungen von oder nach Italien. Dort waren Flughäfen wie Pisa in der Toskana oder Bergamo bei Mailand betroffen. Einige Passagiere erfuhren erst am Morgen von den Streichungen. Die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete, nicht 80, sondern insgesamt 132 Ryanair-Flüge würden im gesamten Land ausfallen.

"Ich verpasse eine wichtige Beerdigung eines Familienangehörigen in Pisa, weil ich erst heute hier auf dem Flughafen erfahre, dass mein Flug in die italienische Stadt gecancelt wurde", sagte eine Frau am Flughafen in Madrid dem spanischen Fernsehsender RTVE. "Nun sagt man mir, man werde mir innerhalb der nächsten zehn Tage einen Ersatzflug anbieten, ein Unding."

Die meisten Ausfälle gab es in Spanien, wo Ryanair 200 Flüge strich - ein knappes Viertel aller Verbindungen. Allein auf Mallorca fielen am Mittwoch wegen des Streiks 72 Flüge aus, darunter 10 der 40 Verbindungen nach Deutschland, wie ein Flughafensprecher sagte.

"Ich komme aus Düsseldorf und bin gerade mit Ryanair hier in Palma gelandet. Mein Weiterflug nach Barcelona fällt aber aus. Ich weiß gar nicht, was ich machen soll", sagte ein indischer Passagier im spanischen Fernsehen. "Ich soll mich via Internet beschweren."

  • Vom Streik bei Ryanair waren am Mittwoch auch Tausende Passagiere von und nach Belgien sowie von und nach Portugal betroffen. Am Brüsseler Flughafen fielen nach Angaben einer Sprecherin 18 von 40 Verbindungen aus, 3500 Passagiere waren betroffen. Etwa 80 Prozent der Ryanair-Flugbegleiter streikten dort, wie ein Sprecher der belgischen Gewerkschaft LBC-NVK sagte. Passagiere, die am Mittwoch mit Ryanair von Belgien nach Deutschland oder anders herum fliegen wollten, waren nicht betroffen.
  • In Deutschland sind am Flughafen Köln/Bonn für Mittwoch und Donnerstag je acht Starts und Landungen gestrichen.
  • In Berlin-Schönefeld wurden für die beiden Tage zusammen sieben Verbindungen abgesagt, weitere könnten noch folgen.
  • An anderen Flughäfen wie Memmingen , Nürnberg, Hamburg, Bremen, Dortmund oder Weeze hat Ryanair einzelne Flüge gestrichen. Immer sollte es zu Zielen in Spanien oder Portugal gehen.
  • Keine Flugabsagen gab es bis Dienstagabend in München, Stuttgartund Frankfurt am Main.
  • Das irische Unternehmen hatte sich in der vergangenen Woche geweigert, eine komplette Liste der wegen des Streiks gestrichenen Flüge herauszugeben.

    Die deutschen Gewerkschaften für Piloten und Flugbegleiter haben bislang keinen Arbeitskampf bei Ryanair ausgerufen. Bei der Vereinigung Cockpit läuft aber eine Urabstimmung bis Ende Juli. Die Gewerkschaften stimmen sich auf europäischer Ebene ab und setzen sich für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne bei Europas größtem Billigflieger ein. Streiks gab es bereits in Portugal und Irland.

    Video: Kampf der Billigflieger

    brt/kry/dpa

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