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19. Dezember 2012, 09:20 Uhr

Billigflieger

Falsche Gewichtsangabe - Ryanair umgeht Millionenabgabe

Der irische Billigflieger Ryanair soll das Startgewicht seiner Flugzeuge regelmäßig zu gering angegeben haben. Dadurch hat das Unternehmen Berichten zufolge bis zu 50 Millionen Euro an Gebühren gespart. Die Deutsche Flugsicherung prüft den Fall.

Berlin - Wenn es um die Koffer ihrer Kunden geht, dann ist Ryanair knallhart: Wer mit unangemeldetem Gepäck am Flugzeug ankommt, der muss saftige Gebühren zahlen. Und jedes Übergepäck wird abgerechnet. Bei dem Gewicht ihrer Flugzeuge jedoch scheint es die irische Billigfluglinie nicht so genau zu nehmen: Medienberichten zufolge soll sie ihre Jets auf dem Papier als zu leicht angegeben und dadurch möglicherweise Gebühren in Millionenhöhe umgangen haben.

Wie die Tageszeitung "Die Welt" meldet, werden die Vorwürfe von dem Luftraumüberwacher Eurocontrol sowie den nationalen Luftfahrtämtern der EU-Staaten erhoben. Die Airline habe beim Startgewicht ihrer Flugzeuge vom Typ Boeing 737-800 bis zu acht Tonnen verheimlicht und dadurch in Deutschland pro Flug 17 Euro an Abflug- und Überflugabgaben weniger gezahlt. Auf das Jahr hochgerechnet ergebe das rund 370.000 Euro, in ganz Europa könne sich der Schaden auf bis zu 50 Millionen Euro summieren, schreibt die Zeitung unter Berufung auf Berechnungen von Luftfahrtexperten.

Ryanair wollte demnach nicht zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Auch gegenüber dem Fachmagazin "Cargo Forwarder", das ebenfalls über Gewichtsdifferenzen berichtete, wollte das Unternehmen sich nicht zu "Gerüchten oder Spekulationen" äußern. Ryanair habe sich aber an die Vorgaben des Flugzeugbauers Boeing gehalten und werde auf Anfragen von Eurocontrol direkt antworten, hieß es.

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) bestätigte in beiden Berichten die Vorwürfe. Sie habe die Gebühren stets auf Basis eines Startgewichts der Jets von rund 67 Tonnen berechnet. Nach Kontrollen an den Flughäfen Bremen und Hahn seien die Abgaben aber auf ein Gewicht von 75 Tonnen angepasst worden, sagte ein Sprecher der "Welt".

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) im hessischen Langen bestätigte die Abweichungen der Gewichtsangaben. Die Juristen prüften nun die Höhe des Schadens und ob rechtlich gegen Ryanair vorgegangen werde. Bis Ende Januar werde mit einem Ergebnis gerechnet, sagte DFS-Sprecher Axel Raab.

abl/dpa/AFP

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