Streik in sechs Ländern Ryanair streicht 190 Flüge

Am Freitag treten Ryanair-Mitarbeiter in den Streik. Der Billigflieger annulliert etliche Flüge in sechs europäischen Ländern, auch Deutschland ist möglicherweise betroffen.

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Ryanair streicht an diesem Freitag 190 Flüge in Europa aufgrund von Ausständen. Das sind etwa acht Prozent der für diesen Tag geplanten 2400 Flüge. Betroffen seien 30.000 von 450.000 Kunden, teilte der irische Billigflieger mit. Diese Passagiere wären per E-Mail oder SMS über die Stornierungen informiert worden.

Allerdings ist noch unklar, ob sich an dem Arbeitskampf auch deutsches Kabinenpersonal beteiligen wird. Während Ryanair neben den bereits bekannten Streikländern Spanien, Portugal, Italien, den Niederlanden und Belgien auch Deutschland als Platz des Arbeitskampfes nannte, ist laut der Gewerkschaft Ver.di dazu noch keine Entscheidung gefallen.

"Wir haben gerade in Berlin die Verhandlungen mit Ryanair beendet und bewerten nun die Ergebnisse", sagte eine Ver.di-Sprecherin am späten Nachmittag. Flugbegleiter hatten bereits am 12. September gemeinsam mit den Piloten gestreikt und wollen am Mittwoch ihr weiteres Vorgehen mitteilen. Wie viele Flüge von und nach Deutschland unter den Absagen sind, kann bisher nicht genau gesagt werden. Eine genaue Streichliste veröffentlichte Ryanair wie bei den vorherigen Streiks nicht.

In Italien habe Ryanair zuvor dem Abschluss eines Tarifvertrags für das Kabinenpersonal nach dortigem Recht zugestimmt, wie das Unternehmen mitteilte. Mindestens eine Kabinengewerkschaft und eine Pilotenvereinigung unterstützen aber den geplanten Streik.

Laut Ryanair hat sie der Billigflieger mit drei Gewerkschaften auf einen von Oktober an geltenden Tarifvertrag für das in Italien ansässige Kabinenpersonal geeinigt. Damit seien die Umstellung auf italienische Arbeitsverträge und der Zugriff auf lokale Unterstützungsleistungen wie die Altersversorgung möglich. Der Tarifvertrag habe eine Laufzeit von drei Jahren. Von den Gewerkschaften gab es zunächst kein Statement.

Ver.di fordert "substanzielle" Lohnerhöhungen

Auch in Deutschland, Portugal und Spanien seien die Gewerkschaften zu Verhandlungen eingeladen worden, teilte die irische Fluggesellschaft weiter mit. Ryanair wird in mehreren Ländern mit Arbeitskämpfen überzogen, seit der Billigflieger Ende vergangenen Jahres erstmals mit Gewerkschaften Verhandlungen über Tarifverträge für Piloten und Kabinenbeschäftigte aufgenommen hat.

Die Beschäftigten der profitabelsten europäischen Airline, die mit Flügen zum Preis von wenigen Euro den Markt aufmischte, fordern höhere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen. Kritisiert wird vor allem, dass Ryanair Mitarbeiter in den einzelnen Ländern oft nicht mit lokalen Verträgen ausstatte und das nationale Arbeitsrecht nicht anwende.

In Deutschland verlangt Ver.di eine "substanzielle" Lohnerhöhung. Außerdem sollen die Flugbegleiter eine Kompensation für Verspätungen erhalten. Daneben verlangt die Gewerkschaft die Einrichtung einer betrieblichen Interessenvertretung.

abl/AFP/Reuters/AP/dpa



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