Pilotenmangel Ryanair streicht weitere Flüge bis März

Ryanair bekommt den Pilotenmangel nicht in den Griff. Bis Ende März muss der irische Billigflieger weitere Flüge absagen.

Düstere Aussichten für Ryanair-Kunden
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Düstere Aussichten für Ryanair-Kunden


Michael O'Leary hatte es schon angekündigt: Der Ryanair-Chef könne "nicht garantieren", dass es nicht zu weiteren Streichungen komme, sagte er vor einer knappen Woche auf der Hauptversammlung der Fluggesellschaft in Dublin. Die irische Fluglinie kämpft derzeit mit erheblichen Planungsschwierigkeiten und einem Mangel an Reservepiloten.

Jetzt muss das Unternehmen weitere Flüge bis März kommenden Jahres streichen. Im Winterflugplan werden laut Ryanair 25 Flugzeuge weniger eingesetzt als bislang vorgesehen. Von November bis März storniert die Airline daher etwa 18.000 der 800.000 Flüge pro Jahr. Von den Änderungen im Flugplan seien rund 400.000 Passagiere betroffen. Ab April werden dann insgesamt zehn Flugzeuge weniger eingesetzt.

In Deutschland werden zwischen November und März 2018 diese Verbindungen gestrichen:

  • Köln/Bonn - Berlin-Schönefeld
  • zwischen Hamburg und Edinburgh, Kattowitz, Oslo, Thessaloniki und Venedig
  • zwischen Hahn und Trapani auf Sizilien
  • außerdem Flüge von und nach Memmingen und Baden-Baden

Über die angekündigten Absagen hinaus werde es keine weiteren dienstplanbedingten Flugstreichungen im Winter oder im Sommer 2018 geben, versprach O'Leary in einer Mitteilung.

Ryanair hatte bereits vor knapp zwei Wochen überraschend bekanntgegeben, dass bis Ende Oktober bis zu 2100 Flüge ausfallen und damit empörte Reaktionen von Kunden ausgelöst. Als Grund gab die Fluggesellschaft "Schwierigkeiten mit der Planung des Jahresurlaubs" der Piloten für September und Oktober an. Von den mehr als 2000 Streichungen bis Ende Oktober sind rund 315.000 Kunden betroffen.

Für diese Kunden sollen Umbuchungen gefunden werden, oder sie könnten sich ihre Kosten rückerstatten lassen. Die gesetzlich vorgesehenen Entschädigungen für die Betroffenen will Ryanair gewähren, ohne mit den Kunden herumzustreiten.

650 Piloten werden eingestellt

Ryanair sprach von "falschen Behauptungen" von Piloten konkurrierender Airlines, wonach Flugkapitäne den Billigflieger in Scharen verlassen. Ursache der Probleme sei allein die verfehlte Urlaubsplanung gewesen. Mit den erneuten Streichungen werde nun vermieden, dass etwa die Hälfte der mehr als 4200 Ryanair-Piloten bis Jahresende eine der ihnen noch zustehenden vier Urlaubswochen streichen und ausbezahlen lassen müsse.

Ryanair warf Piloten und Gewerkschaftern von der Konkurrenz vor, sich einzumischen und Versammlungen organisieren zu wollen. In Irland und Deutschland seien die Jahresvergütungen der Piloten um 10.000 Euro erhöht worden. Weitere Verhandlungen an anderen Standorten stünden an.

"Im Gegensatz zu falschen Behauptungen eines Pilotenmangels hat Ryanair in den vergangenen Wochen einen starken Anstieg von Bewerbungen von Piloten der Golf-Airlines sowie in Deutschland und Italien verzeichnet", erklärte die Fluggesellschaft. Mehr als 2500 Piloten seien auf einer Warteliste, 650 sollten genommen werden.

Branchenexperten zufolge herrscht wegen des starken Wachstums der Billigflieger in Europa derzeit Knappheit an erfahrenen Piloten mit genügend Flugstunden. Doch sei dies wegen der Insolvenzen von Air Berlin und Alitalia nur ein vorübergehendes Phänomen.

abl/Reuters/dpa/AFP



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