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12. September 2018, 09:49 Uhr

Billigflieger

Ryanair-Streik betrifft vor allem Berlin und Köln/Bonn

Seit dem frühen Morgen streiken die deutschen Mitarbeiter von Ryanair. 150 von 400 Flügen am Mittwoch sind gestrichen. Die Piloten des Billigfliegers drohen mit weiteren Ausständen.

Wegen des Streiks der Piloten und Flugbegleiter von Ryanair in Deutschland fallen am Mittwoch etliche Verbindungen aus. Am frühen Morgen begann ein 24-stündiger Ausstand der Beschäftigten der irischen Billigairline.

Mehrere Maschinen seien am Boden geblieben, berichtete eine Sprecherin von Ver.di in Frankfurt. In Berlin betonte die Dienstleistungsgewerkschaft die hohe Streikbereitschaft an den Flughäfen Tegel und Schönefeld. (Was Passagiere jetzt wissen müssen, erfahren Sie hier).

Laut der Pilotengewerkschaft VC soll der Arbeitskampf vor allem die großen Ryanair-Standorte lahmlegen. "Es sind alle zwölf deutschen Basen betroffen, besonders die großen in Frankfurt/Rhein-Main, Hahn und an den Berliner Flughäfen", sagte der Vizechef der Vereinigung Cockpit (VC), Markus Wahl. "Da kommt es verstärkt zu Ausfällen."

Der Streik dauert bis Donnerstag um 02.59 Uhr. Ryanair-Passagiere in Deutschland müssen daher mit Flugausfällen und Verspätungen rechnen. Bei dem Ausstand geht es um erstmalig abzuschließende Tarifverträge für höhere Gehälter sowie bessere Arbeitsbedingungen.

Die Fluggesellschaft hatte nach der Ankündigung 150 von 400 geplanten Flügen von und nach Deutschland gestrichen und nach eigenen Angaben alle betroffenen Kunden informiert. Die übrigen Flüge fänden statt, hatte Ryanair-Organisationschef Peter Bellew am Dienstag versprochen. Eine Liste der Streichungen veröffentlichte die Airline jedoch nicht. Die VC zeigte sich hingegen optimistisch, dass am Ende des Tages wesentlich mehr Flüge, nämlich zwischen 60 und 70 Prozent ausfallen.

"Stop squeezing out your crew"

Ryanair hatte am Dienstag gedroht, bei fortgesetzten Streiks in Deutschland Jobs zu streichen. Dies könne vor allem kleinere Basen mit ein bis vier dort stationierten Flugzeugen treffen, die im Winter Verluste machten, hatte Ryanair-Organisationschef Peter Bellew gesagt.

Die Gewerkschaften Verdi und VC reagierten empört."Es ist ein absoluter Skandal, wenn hier Mitarbeiter bedroht werden, die ihren Grundrechten nachgehen", sagte VC-Vize Markus Wahl in Frankfurt. Das zeige erneut, dass Ryanair versuche, die Beschäftigten mit der Angst um den Arbeitsplatz unter Druck zu setzen. Allerdings belege die hohe Streikbeteiligung, dass diese Mittel nicht mehr wirkten.

Da es immer noch Befürchtungen über berufliche Nachteile gebe, hatten die Teilnehmer der Aktion am Frankfurter Flughafen Masken mit dem Konterfei von Airline-Chef Michael O'Leary aufgesetzt. Auf Plakaten wurde gefordert "Ryanair stop squeezing out your crew" (Hör auf, deine Besatzung auszupressen). Dazu wurden Zitronen verteilt.

Bis zum Abschluss von Vereinbarungen mit Gewerkschaften werde es noch eine Weile dauern, sagte Konzernchef Michael O'Leary in London. Man wolle zwar keine Streiks, werde diese aber hinnehmen, um das Geschäftsmodell als Billigflieger zu bewahren, sagte der Manager auch mit Blick auf die Arbeitsniederlegungen in Deutschland. Die Streiks hätten nur einen winzigen Effekt auf den gesamten Betrieb.

VC-Tarifexperte Ingolf Schumacher hatte zuvor am Frankfurter Flughafen gesagt, er könne einen längeren Konflikt nicht ausschließen. "So lange Ryanair keine verbesserten Angebote macht, muss es notfalls hier auch weitere Streiks geben." "Die Zeit der absoluten Einschüchterung ist vorbei", sagte die Ver.di-Luftverkehrssekretärin Katharina Wesenick nach einer Protestaktion mit rund 70 Flugbegleitern am Frankfurter Flughafen.

Ver.di: Tarifangebot unzureichend

Für das deutsche Kabinenpersonal ist es der erste Streik bei dem Billigflieger, während die Piloten bereits im August eine erste Streikwelle organisiert hatten. Beide Gewerkschaften berichteten von einer sehr hohen Beteiligung an ihren aktuellen Aktionen.

"Wir glauben, dass wir erfolgreich sein können und dass Ryanair an den Verhandlungstisch zurückkehrt", sagte Wahl von VC. Etwas Besonderes sei diesmal die gemeinsame Koordination der Aktion mit den Kollegen des Kabinenpersonals. "Man sieht dadurch, wie prekär die Situation bei Ryanair offensichtlich ist", sagt der Gewerkschafter.

Ver.di-Verhandlungsführerin Mira Neumaier nannte das Tarifangebot für die Flugbegleiter nach zwei Verhandlungsrunden völlig unzureichend. Das Basisgehalt solle nach dem Ryanair-Angebot über einen Zeitraum von drei Jahren nur um 41 Euro monatlich angehoben werden. Bei den Piloten konnten sich beide Seiten weder auf ein Schlichtungsverfahren noch auf die Auswahl eines Schlichters einigen.

abl/dpa

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