Zutrittsrecht für Frauen Etliche Festnahmen und ein Toter bei Protesten vor Hindu-Tempel

Vor wenigen Tagen eskalierte der Streit um den Besuch von Frauen in einem indischen Hindu-Tempel in Kerala. Hunderte Menschen wurden festgenommen, ein Mensch starb. Das Auswärtige Amt rät Reisenden, sich fernzuhalten.

JAGADEESH NV/EPA-EFE/REX

Seit September ist allen Frauen der Zutritt zum Sabarimala-Tempel im Bundesstaat Kerala erlaubt. Aktivistinnen versuchten bis vergangenen Mittwoch immer wieder vergeblich, zu dem Schrein für den Gott Ayyappa zu gelangen. Sie werden von wütenden Hindu-Hardlinern abgehalten, die sich teilweise gewalttätige Auseinandersetzungen mit der Polizei liefern. Es kam zu Hunderten Festnahmen und jetzt auch zu einem Todesfall.

Das Auswärtige Amt rät Indien-Reisenden, sie "sollten sich vor Ort über möglicherweise geplante Proteste informieren, sich von diesen fernhalten und den Anweisungen lokaler Sicherheitskräfte Folge leisten." Auch das britische Außenministerium empfiehlt seinen Bürgern, aufmerksam zu sein und größere Menschenmengen zu meiden. Der indische Bundesstaat ist in dieser Jahreszeit bei Touristen beliebt.

Am Mittwoch dann hatten sich erstmals zwei Frauen heimlich Zutritt zu dem Tempel verschafft - und damit in mehreren Städten wütende Proteste von Hindu-Traditionalisten, darunter auch Frauen, ausgelöst. Die beiden 42-Jährigen standen auch am Freitag weiter unter Polizeischutz. Kurz nach Bekanntwerden des Besuchs ordnete der oberste Priester die Schließung des Tempels an, um ein "Reinigungsritual" vorzunehmen. Nach einer Stunde wurde er wieder geöffnet.

Am Donnerstag hat eine dritte Frau, eine Singhalesin, laut Polizei im Sabarimala-Tempel im Bundesstaat Kerala gebetet. "Sie ist 47 Jahre alt und kam als Gläubige", sagte der Polizist Balram Kumar Upadhyay am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Dies führte erneut zu heftigen Protesten in mehreren indischen Städten. Die Polizei sei laut Upadhyay über den Besuch informiert gewesen und habe die Lage beobachtet.

Ein Toter bei Zusammenstößen

Bei Zusammenstößen zwischen Hindu-Hardlinern und der Polizei wurden am Mittwoch und Donnerstag knapp 1370 Menschen festgenommen. Ein Mensch wurde getötet, 15 weitere verletzt. Die Polizei setzte Tränengas, Wasserwerfer und Blendgranaten ein.

Berichten zufolge zerstörten steinewerfende Demonstranten die Fenster von 99 Bussen und sorgten für einen Schaden von schätzungsweise 33,5 Millionen Rupien (421.000 Euro). 20 Büros der in Kerala regierenden Kommunistischen Partei Indiens wurden nach Parteiangaben angegriffen. Nach der heftiger Gewalt am Donnerstag verhängte die Polizei in den Städten Palakkad und Kasargod eine Ausgangssperre.

Gegen die Entscheidung des Obersten Gerichts legten zahlreiche konservative Hindu-Bewegungen sowie die hinduistisch-nationalistische Bharatiya Janata Partei (BJP) von Regierungschef Narendra Modi Widerspruch ein. Der Regierungschef von Kerala, Pinarayi Vijayan, warf der BJP und der Hindu-Hardliner-Gruppierung Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS) vor, den Sabarimala-Tempel in eine "Kampfzone" verwandeln zu wollen. Frauen, die das Zutrittsrecht zu dem Tempel forderten, würden angegriffen, kritisierte Vijayan. Auch gegen Journalisten und die Polizei richte sich Zorn.

Während der Proteste wurden auch selbst gebaute Sprengsätze in die Häuser von Politikern geworfen, wie die Polizei am Samstag laut indischer Medien mitteilte. Zunächst war ein Mitglied der Kommunistischen Regierungspartei betroffen, dann ein BJP-Politiker und ein RSS-Angehöriger. Dabei kam es weder zu Verletzten noch zu Schäden.

Der Sabarimala-Tempel auf einem Berg im südindischen Kerala ist einer der heiligsten Tempel der Hindus. Das Oberste Gericht des Landes hatte im September nach einem jahrelangen Rechtsstreit das Zutrittsverbot für Frauen zwischen 10 und 50 Jahren zu dem Tempel aufgehoben. Dem lag die nicht nur im Hinduismus verbreitete Annahme zugrunde, dass menstruierende Frauen "unrein" seien. Hinzu kommt die traditionelle Überzeugung, dass Ayyappa im Zölibat gelebt habe.

abl/dpa

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