San-Fermin-Fest: 50 Verletzte bei Stierhatz in Pamplona

Hornstöße und Huftritte: Einmal im Jahr wird die nordspanische Stadt Pamplona zur Stierkampfarena. Tagelang liefern sich Läufer Wettrennen mit massigen Bullen. Sie riskieren bei dem umstrittenen Spektakel ihr Leben. In den Krankenhäusern herrscht bereits Hochbetrieb.

San-Fermin-Fest in Pamplona: Hornstöße und Huftritte Fotos
REUTERS

Pamplona - Auf Tuchfühlung mit den schwersten Stieren Spaniens: Tausende Wagemutige sind am Wochenende bei der traditionellen Stierhatz in Pamplona wieder mit den mächtigen Tieren um die Wette gerannt. Am Sonntag wurden dabei zehn Personen verletzt, wie das Navarra-Krankenhaus mitteilte. Neun von ihnen, Spanier im Alter von 19 bis 41 Jahren, seien zur Beobachtung vorerst in der Klinik behalten worden.

Im Gegensatz zu den vorangegangenen Tagen des San-Fermin-Festivals wurde am vierten Tag der jährlichen Feierlichkeiten zu Ehren des Schutzpatrons der Stadt jedoch keiner der Läufer von den Stieren auf die Hörner genommen.

Am Donnerstag war das Festival eröffnet worden. Der Lauf am Sonntag gilt traditionell als der Höhepunkt der acht Rennen, weil an diesem Tag die mächtigen Stiere der Miura-Zucht die Massen durch die Gassen der historischen Altstadt jagen. Die Tiere dieser Zucht gelten als die größten Kampfstiere Spaniens. Der schwerste Stier vom Sonntag war ein schwarzes Tier mit einem Gewicht von 695 Kilogramm und selbst der leichteste der Stiere wog noch 540 Kilogramm.

3500 Läufer wagten sich nach Angaben des staatlichen Fernsehsenders TVE am Sonntag auf die 850 Meter lange Strecke vom Gehege außerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer zur Stierkampfarena. Gleich zu Anfang des Rennens rutschte einer der Läufer aus und wurde von der heranstürmenden Herde überrannt. Ein weiterer Läufer stolperte etwa auf der Hälfte des Weges und die Zuschauer konnten beobachten, wie er von durch die Luft wirbelnden Hufen getroffen wurde.

Nur zwei Minuten und 29 Sekunden dauerte die Stierhatz am Sonntag. Sie wäre sogar noch früher zu Ende gewesen, hätte nicht ein Nachzügler noch versucht, einige der Helfer auf die Hörner zu nehmen, bevor er ins Gehege geleitet werden konnte.

Bereits 50 Verletzte zur Halbzeit

Am Samstag wurde einem Mann nach Krankenhausangaben das linke Bein durchbohrt. Zwei weitere Personen kamen bei dem Rennen mit leichten Blessuren davon.

Seit Beginn des Stiertreibens am vergangenen Donnerstag seien etwa 50 Menschen verletzt worden, wie das Rote Kreuz in Pamplona mitteilte. Drei von ihnen - ein Australier, ein Franzose und ein Amerikaner - wurden durch Hornstöße so schwer verletzt, dass sie operiert werden mussten.

Bei dem lebensgefährlichen Spektakel werden noch bis zum 14. Juli jeden Morgen sechs Kampfstiere durch die Gassen der Altstadt bis in die Arena gejagt, wo sie abends von Toreros getötet werden. Wie jedes Jahr finden sich Hunderttausende Menschen, darunter viele ausländische Touristen, in Pamplona ein, um das Volksfest mitzuerleben.

75 Millionen Euro Tourismuseinnahmen

Im vergangenen Jahr hatte es bei dem gefährlichen Spektakel insgesamt mehr als 370 Verletzte gegeben. Die von Jahr zu Jahr wachsende Zahl von Menschen in den engen Gassen der Altstadt von Pamplona macht das Stiertreiben immer gefährlicher und chaotischer.

Die spanische Tageszeitung "El Mundo" kommentierte am Sonntag, der massive Besucherzustrom sei für den Ablauf der Stierhatz gefährlicher als die spitzen Hörner der Tiere. Die Zeitung schlug vor, dass nur noch die traditionell weiß-rot bekleideten erfahrenen Läufer an der Hatz teilnehmen sollten.

Für die nordspanische Stadt Pamplona dürften solche Forderungen allerdings nicht besonders willkommen sein. Denn der Stier-Tourismus bringt der 200.000 Einwohner zählenden Stadt jährlich rund 75 Millionen Euro ein. Nach Schätzungen kommen während des achttägigen San-Fermin-Festes bis zu eine Million Menschen in die Stadt.

Die Stadtverwaltung nimmt deshalb gerne die Unbequemlichkeiten in Kauf: durch die Straßen tobende Betrunkene und den von ihnen zurückgelassenen Müllhaufen.

jus/dapd/dpa

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insgesamt 33 Beiträge
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1. San-Fermin-Fest: Bisher 50 Verletzte bei Stierhatz in Pamplona
mundi 10.07.2011
Zitat von sysop.... Tagelang liefern sich Läufer Wettrennen mit massigen Bullen....
Schon 50 Verletzte? Die armen Stiere! Es ist unsportlich. Die Stiere sollten zurückschlagen.
2. Barbarei!
Quo_vadis? 10.07.2011
Eine Schande für Europa und ein Idiotiebeweis für die Spanier! Ich habe mit keinem Verletzten oder Toten Mitleid (in Gegenteil!) - nur aus Testoronüberschuss und Dummheit Tiere auf solch grausame Art zu quälen und töten, ergibt absolut keinen Sinn!
3. kleine Anmerkung, toro bravo, toro amplio!??
hans a. plast 10.07.2011
Zitat von sysopHornstöße und Huftritte: Einmal im Jahr wird die nordspanische Stadt Pamplona zur Stierkampfarena. Tagelang liefern sich Läufer Wettrennen mit massigen Bullen. Sie riskieren bei dem umstrittenen Spektakel ihr Leben - und bereiten dem der Stiere ein Ende. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,773503,00.html
Der Sonntagstermin morgens um 8.00 Uhr ist nicht nur wegen der MIURA-Stiere wichtig, sondern weil Pamplona am Wochen- ende besonders voll ist, viele kommen zur fiesta in ihre Heimatstadt, feiern natuerlich die ganze Nacht durch, dannach geht es zum soliden Fruehstueck und ins Bett. Im uebrigen wird die 850 Meter Altstadtstrecke der Stiere jeden morgen live im Radio (4 Reporter) und Fernsehen uebertragen, die "normalen" 8.00 Uhr-Nachrichten muessen deshalb entsprechend warten. Die MIURA-Stiere aus Andalusien/Sevilla sind nicht nur wegen ihre Groesse 550-670 Kilo beruehmt, sondern besonders wegen ihrer Tapferkeit in die Geschichtsbuecher einge- gangen (toro bravo), sogar ein italienischer Autohersteller hat einen Sportwagen nach dieser Dynastie benannt. MfG
4.
irobot 10.07.2011
Zitat von Quo_vadis?Ich habe mit keinem Verletzten oder Toten Mitleid (in Gegenteil!) - nur aus Testoronüberschuss und Dummheit Tiere auf solch grausame Art zu quälen und töten, ergibt absolut keinen Sinn!
Wie sagte mal ein Reporter so schön? Derjenige Politiker, der den Stierkampf (die Stierhatz) in Spanien verbieten will, erleidet dasselbe Schicksal, wie ein amerikanischer Politiker, der Waffenbesitz verbieten will, oder wie ein deutscher Politiker, der ein Tempolimit auf Autobahnen einführen möchte. Jede Nation hat ihre eigenen Vorstellungen von Blutvergießen.
5. Wer so idiotisch ist, unter den irritierten Tieren herumzulaufen
Roßtäuscher 10.07.2011
Zitat von sysopHornstöße und Huftritte: Einmal im Jahr wird die nordspanische Stadt Pamplona zur Stierkampfarena. Tagelang liefern sich Läufer Wettrennen mit massigen Bullen. Sie riskieren bei dem umstrittenen Spektakel ihr Leben - und bereiten dem der Stiere ein Ende. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,773503,00.html
braucht sich nicht wundern verletzt zu werden. Eigentlich geschieht es solchen Deppen recht. Das hat nichts mit Mutprobe zu tun, wohl eher mit geistigem Defizit. Die Spaniaken sollten sich mehr um ihre angekratzte Volkswirtschaft kümmern und nicht so arrogant durch die Gegend staksen, sonst käme man noch auf die Idee, sie alle wollen gerade zur Love-Parade nach Berlin.
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